Braunschweig. Unsere Kolumnistin berichtet über verpasste männliche Model-Karrieren in ihrer Familie.

„Du hast einen Oschi von Loch in der Hose. Wade, rechts.“ Diesen arglosen Hinweis, nach allen Regeln der Neutralitätsgebote unangreifbar unvermint intoniert, nahm der Gatte zum Anlass, schuldbewusst die Hände zu heben. Gute Güte, dachte ich noch, kann passieren, musste nicht in Sack und Asche gehen, Alterchen. Geh lieber zum Kleiderschrank und wechsel das Beinkleid.

Er jedoch wechselte in Erklärmodus: Er habe halt das Tor nicht mehr gefunden. Wieso so eine Sporthalle überhaupt eingezäunt sei, habe er sich gefragt, als er da im Dunkeln rumkrauchte. „Kafkaeske Situation, meine Liebe. Kein Ausgang nirgends.“ Und da habe er sich eben über den Zaun geschwungen. Ratsch!

Bevor sich der Mann weiter in die hochsicherheitstraktige Lage großstädtischen Turnhallenwesen hinschrauben konnte, kniff ich die echauffierte Rede ab: „Zieh dich um. Bitte. Wir müssen los!“ Nun müssen Sie wissen, dass sich die Männer meiner Familie niemals mehrmals am Tag umziehen. Da müsste ihnen schon ein Topf Teer über den Kopf gekippt werden gefolgt von einem Frau Holleschen Federbettenmalheur. „Lass mal Papa in Ruh’“, sagte der Sohn. Für solche Löcherjeans würden andere viel Geld zahlen. „Gut, dass keiner von euch in die umziehintensive Modelbranche gegangen ist“, gnarzte ich. Darauf der Gatte: „Das Potenzial wäre da gewesen!“ Ach, Alterchen…