Wortschatz

Linsen-Lehren

Bei Darmstadt gibt es tatsächlich eine Gemeinde namens „Linsengericht“. So wie es bei Bad Kreuznach den Ort „Sommerloch“ gibt. Wussten Sie das?

Desk-Chef Harald Likus

In diesen Wochen, da die meisten Menschen auf Barbados oder Ibizia, äh, pardon: natürlich in der Eifel oder im Solling sind, stellt sich für unsereinen immer die Frage: Soll man es bringen? Soll man in die Kolumne tatsächlich die Bemerkung einbauen, dass es bei Bad Kreuznach eine Gemeinde namens „Sommerloch“ gibt?

An sich bin ich dagegen. Lustige Ortsnamen – haha. Total abgenudelt. In diesem Jahr aber meinte meine Tochter entschieden: „Schreib doch mal was über Linsengericht!“ Nein, sie war nicht hungrig. Und ja, ich muss zugeben, dass ich davon nichts wusste. Überredet, also doch: Bei Darmstadt gibt es tatsächlich eine Gemeinde namens „Linsengericht“. Man fragt sich in Fachkreisen, ob es mal „Lindengericht“ hieß oder ob der Gerichtsbezirk seinen Namen tatsächlich von den dort fleißig angebauten Linsen geerbt hat.

Apropos Erbe: Manch einem fällt hier gleich die Geschichte von Jakob ein, der seinem Bruder Esau, als der von der Jagd kam, das Erstgeburtsrecht gegen einen Teller Linsen abluchste, weshalb die „Linsengerichts-“Wendung gelegentlich als Synonym für einen schlechten Tausch herhalten muss. Dass sich diese Geschichte in unserer Familie wiederholt, ist, trotz der Vorliebe meiner Tochter für den Ortsnamen „Linsengericht“, höchst unwahrscheinlich. Jakobs Vater Isaak war unermesslich reich. Mein Konto hingegen – ein riesiges Sommerloch.

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