Meine Herren!

Weit weg und doch so nah

„Dabei wollen wir doch eigentlich alle mal in den Arm genommen werden.“

„Nähe ist keine Frage der Entfernung.“ Hermann Lahm (* 1948), deutscher Schriftsteller

Ich weiß ja, dass Sie es mit Küchenseelenkunde nicht so haben, meine Herren. Sollten Sie gleichwohl schon einmal ins Psychotipp-Regal der Buchhandlung Ihres Vertrauens gestolpert sein, dürften Ihnen derlei Thesen nicht fremd sein: „Jede Krise ist auch eine Chance.“ Oder besser noch: „Krisen lehren uns, dass unsere Grenzen noch nicht erreicht sind.“ Nun haben wir allesamt eine veritable Krise vor der Nase. Sie heißt Corona – und macht uns Angst. Hand aufs Herz! Mancher wurde sich des Ernstes der Lage erst bewusst, als die Bundeskanzlerin uns nun erneut ermahnt hat, auf soziale Kontakte zu verzichten. Kein Händeschütteln. Kein Händchenhalten. Kein inniges Herzen. Dabei wollen wir doch eigentlich alle mal in den Arm genommen werden.

Zeitenwende! Vielleicht mussten Sie sich noch kürzlich vorwerfen lassen, Sie würden das Display Ihres Smartphones häufiger berühren als Ihre Holde. Andererseits – Achtung, hier kommt wieder so eine Psychotipp, diesmal aus der paartherapeutischen Ecke, aber in „viralen Zeiten“ auch nicht ohne. Andererseits also, kann ein gewisser Abstand Bindung ebenso gedeihen lassen, wie zu viel Nähe Liebe und Zuneigung auf Dauer erdrücken kann. Bei aller gebotenen Distanz: Bleiben Sie sich selbst stets nahe – und vor allem gesund!

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