Kinder, Kinder!

Stopf Ohropax!

„Nach schlaflos verwälzten Nächten sah ich morgens nicht selten aus wie ein Glas Milch, das keiner trinken will.“

Der meiste Murks, den die Kinder so verzapft haben im Laufe der Jahre, verliert ja in der Rückschau das Katastrophische und gerinnt zu einem friedlich vor sich hin plappernden Erinnerungsstrom, der vieles von dem Zeter und Mordio von einstmals gnädig in die Untiefen des Vergessens abtrudeln lässt. Ich zum Beispiel bin echt neurotisch geräuschempfindlich, was die Bettruhe betrifft. Das ist ein veritables Problem wenn man mit einem Heranwachsenden zusammenlebt, der den Tag-Nacht-Rhythmus als Würgestrick armselig abhängig Beschäftigter erkannt hat, gegen dessen Einschnürungen es sich unbedingt zu widersetzen gilt. Vorzugsweise um 3 Uhr morgens mit volle Pulle Gangsta Rap zum pfannengeschlagenen Rührei. So viel Ohropax kannst du gar nicht stopfen! Nach schlaflos verwälzten Nächten sah ich morgens nicht selten aus wie ein Glas Milch, das keiner trinken will. Lang ist’s her. Neulich nun kam ich nicht umhin, Staub zu wischen. Ich drehte die Musik auf, ohne geht’s wirklich nicht, schließlich bin ich ein Mensch und keine Funktion, als mein Sohn empört von oben blaffte: „Man, so kann sich ja kein Mensch aufs Studium vorbereiten!“ Ich rief: „Stopf Ohropax!“ und drehte noch ein bisschen lauter in der guten Gewissheit, dass er dereinst vergessen haben wird, dass seine Mutter sein Studium torpediert hat.

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