„Lavie grün“ ist erster Inklusionsbetrieb im Kreis Helmstedt

Königslutter.  „Lavie grün“ hat in Königslutter seinen Betrieb aufgenommen – ein Unternehmen, in dem fast die hälfte der Mitarbeiter schwerstbehindert sind.

Das Unternehmen „Lavie Grün“ ist der erste Inklusionsbetrieb des Landkreises Helmstedt.

Das Unternehmen „Lavie Grün“ ist der erste Inklusionsbetrieb des Landkreises Helmstedt.

Foto: Sebahat Arifi

Wenn es bei Lavie in Königslutter etwas zu feiern gibt, hat das immer eine besondere Note. Da bildete die offizielle Party für die Gründung des Tochterunternehmens Lavie grün keine Ausnahme. Der Geruch von Gegrilltem zog durch die winterkalte Luft, ein kleiner Weihnachtsmarkt war in einer der Hallen aufgebaut, und draußen sorgte sogar eine kleine Schafherde für tierische Atmosphäre.

Es waren die Tiere von Heiko Weber, einem der beiden Geschäftsführer von Lavie grün. Sie waren ein Hinweis darauf, wie sich der Betrieb für Garten- und Landschaftspflege möglicherweise noch weiter entwickeln könnte. Ein halbes Jahr nach seiner Gründung vermelden die beiden Geschäftsführer einen erfolgreichen Start. Der Betrieb hat vier Mitarbeiter und könne sich auf dem Markt behaupten. Dies an sich ist schon eine gute Nachricht für jedes junge Unternehmen, doch bei Lavie grün kommt noch eine Besonderheit dazu: Es ist ein echter Inklusionsbetrieb, das heißt, 40 bis 50 Prozent der Mitarbeiter haben eine Schwerbehinderung.

Im Fall von Lavie grün sind es Männer mit psychischen Erkrankungen. Ganz im Sinne der Arbeit des Mutter-Unternehmens Lavie Reha, dessen Aufgabe die Rehabilitation psychisch Erkrankter ist. Lavie-Geschäftsführerin Corinna Wollenhaupt ist auch die zweite Verantwortliche des „grünen“ Unternehmens und stellte in ihrer Begrüßungsrede vor den Gästen einen weiteren Aspekt heraus: „Wir sind der einzige Inklusionsbetrieb im Landkreis Helmstedt.“ Angesichts der langen Dauer bis zur Gründung, sei das vielleicht auch kein Wunder. „Wir haben uns seit 2017 intensiv mit dem Gedanken befasst und sind einen langen Weg gegangen“, beschrieb sie. Dabei bezeichnete sie die Begegnung mit Heiko Weber als Glücksfall.

Denn mehr noch als den Gedanken, einen Betrieb gründen zu wollen, brauche man eine gute Geschäftsidee. Eine, die auch ohne Inklusion trage. Und das sei mit dem „Fachmenschen“ Weber, ein Diplom-Forstwirt, gelungen. „Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen gehört es zu unseren Zielen, ein ganz normaler Betrieb zu sein, der sich dem Markt stellen kann“, betonte die Geschäftsführerin.

Aus Sicht von Bürgermeister Alexander Hoppe „steht Königslutter ein Inklusions-Betrieb gut zu Gesicht“. Und dies sei nicht das einzige Lavie-Projekt, denn ohne deren Zuverdienst-Möglichkeiten in der Stadtbücherei funktionierten auch dort einige Dinge nicht, betonte er.

Wie schwierig es für psychisch Kranke sei, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, wie wichtig aber zugleich, darauf ging Professor Jürgen Mauthe ein. Er ist Vorsitzender des Vereins Axon, der Lavie betreibt. Oder wie Corinna Wollenhaupt es beschrieb: „Axon ist die Großmutter von Lavie grün.“

Arbeit sei eine zentrale Lebensaufgabe des Menschen, verdeutlichte Mauthe. Die Teilhabe daran sei für alle gleich wichtig, auch für psychisch Kranke. „Der Anspruch darauf ist relativ neu, aber auch schwierig umzusetzen“, stellte er heraus. Deshalb sei er froh, dass der Inklusionsbetrieb gut gestartet ist. Und die Arbeit in der Natur sei nicht nur sinnvoll sondern auch sinnlich.

In der Landschaft zu arbeiten, sei besonders schön, stellte dann auch einer der vier Mitarbeiter am Rande der Veranstaltung fest. Sein Chef Heiko Weber dankte deshalb den Auftraggebern, „die das ermöglicht haben“. Und die Schafe? Vielleicht setzt Lavie grün sie zur Landschaftspflege ein, dort wo der Mensch nicht so gut hinkommt. Aber das sei noch Zukunft.

Erst einmal war der gemütliche Teil der Gründungsfeier dran, den Corinna Wollenhaupt mit den Worten einleitete: „Inklusion ist Vielfalt, und Vielfalt bereichert.“

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