Die Parsauer haben Lust auf Lesestoff

Parsau  Am Ortsrand von Parsau dient eine ausgediente Telefonzelle seit einem Dreiviertel Jahr als Büchertauschbörse – eine Bücherei Marke Eigenbau.

Anke Knieling hat in Parsau in einer ausrangierten Telefonzelle eine Büchertauschbörse eingerichtet.

Anke Knieling hat in Parsau in einer ausrangierten Telefonzelle eine Büchertauschbörse eingerichtet.

Foto: Westermann

In Parsau wird gelesen – nicht nur zum Tag des Buches. Das Repertoire des einzigen frei zugänglichen und immer geöffneten Bücherschrankes der Region ist von 50 auf rund 300 Bücher angewachsen. Ein altes Fernsprechhäuschen, mehrere Regalbretter und 50 gelesene Bücher als Startkapital – mehr brauchte es nicht für eine neue Bücherei in Parsau. Vor zwei Monaten hat die 53-jährige Anke Knieling auf dem Gelände ihrer Physiotherapiepraxis den gelben Kasten aufgestellt.

Vom Erfolg ist sie selbst überrascht. Inzwischen stehen die Bücher doppelreihig, der Bestand ist auf 250 bis 300 Exemplare angewachsen – und die Fluktuation groß. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, gibt die gebürtige Parsauerin zu.

Umsonst? Das können

viele kaum glauben

Das Konzept ist einfach: Jedermann darf sich ein Buch aus dem Zellenfundus nehmen – ganz ohne eine finanzielle Gegenleistung. Wer ein gelesenes Buch in Seinem Schrank hat, das nicht mehr benötigt wird, kann es in der Zwei-Quadratmeter-Bücherei abstellen, auf dass sich ein anderer daran erquickt. Ein Konzept, mit dem so manch einer Probleme hat, schildert Knieling. „Das gibt es ja heute kaum noch. Viele fragen mich danach, weil sie es nicht glauben können, das keine Gegenleistung nötig ist.“ Ein Geben und Nehmen sei es, basiert auf Vertrauen.

Auf die Idee kam sie über einen Fernsehbericht, zudem hörte sie von einem ähnlichen Projekt in Kassel. Nachdem die Telekom keine ausgedienten Zellen im Angebot hatte, wurde sie dann in einem Online-Auktionshaus fündig.

Nur ein Bücherregal musste noch eingesetzt werden, die Erstausstattung kam von ihr. „Viele Bücher liest man einmal – aber zum Wegschmeißen sind sie doch viel zu schade.“ Zudem befindet sich die nächste reguläre Leihbücherei im sechs Kilometer entfernten Rühen.

Ein Solarmodul für

die Beleuchtung

Ganz überzeugt war sie zu Beginn selbst nicht. „Im Notfall hätte ich das ganze als Gartendusche oder Abstellplatz für Geräte genutzt.“ Pläne, deren Umsetzung einstweilen unnötig ist.

Denn die Parsauer lesen. Ob Krimis, Romane, Sachbücher oder Groschenhefte mit einem leichten Schwerpunkt bei Simmel, Konsalik und Konsorten: In Knielings leuchtend gelber Bücherei ist vieles von dem vertreten, was in Deutschland zwischen zwei Buchdeckel passt. Darunter sind sogar noch eingeschweißte Bücher, etwa „Die Maharani“, ein Roman aus der Kolonialzeit Indiens. Offensichtlich ein Geschenk, dass weniger gut ankam. Sogar Kochbücher oder Werke auf kyrillisch sind vertreten. Mangelware weil heiß begehrt sind speziell Kinderbücher, berichtet die Parsauerin.

Einige Tipps zum Ausbau der Bücherzelle hat sie schon bekommen: Ein Solarmodul für die Beleuchtung, beispielsweise. „Das Ganze ist noch ausbaufähig.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder