Braunschweig. Der Technikerverein Braunschweig meldet eine Rekordteilnahme in der Volkswagenhalle und verteidigt die Tradition.

Rekordbesuch beim 135. Herrenabend des Technikervereins Braunschweig von 1887: Rund 900 Teilnehmer sind am Freitagabend in der Volkswagenhalle dabei, ausnahmslos Männer. Frauen werden traditionell nicht eingeladen.

11 Minuten und 50 Sekunden - dann war das Eisbein auf den Tischen

Ein weiterer Rekord wird allerdings verfehlt: Diesmal dauert es elf Minuten und 50 Sekunden, bis das ebenfalls traditionelle Eisbeinessen auf den Tischen ist. Das ging schon schneller. „Der Rekord liegt unter zehn Minuten“, sagt der Vorsitzende des Technikervereins, Sven Hansmeier, mit dem wir am Sonntag am Telefon über die Veranstaltung sprechen.

Am Mikrofon: Sven Hansmeier, 1. Vorsitzender des Technikervereins Braunschweig von 1887.
Am Mikrofon: Sven Hansmeier, 1. Vorsitzender des Technikervereins Braunschweig von 1887. © FMN | Bernward Comes

Aus dem Gespräch und der am Freitagabend als Pressemitteilung übermittelten Rede geht hervor, dass die Veranstaltung zu einem trutzigen Bekenntnis zur geübten Tradition geriet. Der Herrenabend sei „eine Selbstverständlichkeit in Braunschweig seit 136 Jahren“, so Hansmeier.

Hansmeier: Die Freiheit einzuladen, wen man will

Solche gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten hätten auch etwas mit Freiheit zu tun. Hansmeier: „Nur in einem Land, das die Freiheit der Individuen gewährleistet, kann es selbstverständlich sein, mit wem man sich in seiner Freizeit trifft, wen man einlädt, gemeinsam zu feiern, was man miteinander redet – natürlich unter Wahrung von Recht, Moral und Sitte – und was man miteinander isst und trinkt.“

Trotzdem hatte sich der Technikerverein, wie berichtet, veranlasst gesehen, am traditionellen Liederbuch Veränderungen vorzunehmen. Dies betrifft etwa eine gezeichnete Illustration aus den 1970-er Jahren, die eine nackte Frau zeigt.

Unbeirrt: Eine Veranstaltung fällt aus der Zeit, also bitte den Mund abwischen und dann mal Prost.
Unbeirrt: Eine Veranstaltung fällt aus der Zeit, also bitte den Mund abwischen und dann mal Prost. © FMN | Bernward Comes

Das kritisierte Lied „In einem Polenstädtchen“ wurde indes nicht getilgt. Mit Konsequenzen: Zwar sei das gemeinsame Absingen dieses Liedes ursprünglich nicht mehr vorgesehen gewesen, doch dann sei es aus mehreren Ecken laut vernehmlich gefordert worden, so Hansmeier. Also habe er entschieden: „Wenn es der Wunsch des Saales ist ...“

Drei Ex-Oberbürgermeister, ein Ehrenbürger: Gerhard Glogowski, Ulrich Markurth, Gerd Hoffmann, Richard Borek.
Drei Ex-Oberbürgermeister, ein Ehrenbürger: Gerhard Glogowski, Ulrich Markurth, Gerd Hoffmann, Richard Borek. © FMN | Bernward Comes

Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) nahm nicht teil. Das sei bedauerlich, so Hansmeier, immerhin sei es eine Jahrzehnte währende Tradition, „dass das Stadtoberhaupt am Herrenabend teilnimmt“. Doch im Vorfeld hatte es, wie ausführlich berichtet, auch aus der Ratspolitik heraus Kritik an der Veranstaltung gegeben, die am Freitagabend ihren Charakter nachdrücklich bestätigte.