Tennistainment in Braunschweig

ATP-Tennisturnier in Braunschweig: Partyrausch und Partnertausch

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Die Soul-Röhre Sascha Münnich trat bei der Players Night des Braunschweiger ATP-Turniers mit der Band „The G-Fonics“ auf.

Die Soul-Röhre Sascha Münnich trat bei der Players Night des Braunschweiger ATP-Turniers mit der Band „The G-Fonics“ auf.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

Braunschweig.  Auch Basketballstar Dennis Schröder feierte bei der Players Night des Tennis-Turniers mit. Doch was geschah beim Speed Dating?

Das ATP-Turnier gilt als ideale Partnerbörse. Am Rande der Tennisplätze, auf dem Partyparkett, bei Prosecco oder Bier hat sich schon manche Ehe angebahnt. Veranstalter Harald Tenzer ist stolz drauf, dass es in Braunschweig noch mal richtig los geht, während bei anderen Tennisturnieren auf der Welt schon die Bürgersteige hochgeklappt werden.

Am Montagabend war auf der Anlage des BTHC im Bürgerpark im kuschelig intimen Zelt des Flamingo Rosso zum ersten Mal ein Speed Dating angesetzt. 1998 in den USA entworfen, um neue Flirt- oder Beziehungspartner zu finden, lässt sich diese Methode auch wunderbar zum beruflichen Netzwerken verwenden. Denn das steht bei diesem Tennisturnier mindestens ebenso hoch im Kurs wie eine treffliche Topspin-Rückhand zu Spiel, Satz und Sieg. In diesem Fall heißt die Devise aber: Kennenlernen, Kontakten und Kunden binden.

Das Turnier verstehen Organisatoren und Sponsoren nicht nur als sportlichen Leuchtturm für die Region, sondern auch als gesellschaftliche Plattform, die in dieser Form und für Tennisturniere dieser Größe ein Alleinstellungsmerkmal rund um den Globus darstelle, so Veranstalter Tenzer. Die Challenger-Kategorie ist im Welt-Tennis sozusagen die 2. Liga unterhalb der ATP-Turniere.

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion in Braunschweig (MIT) hatte das Speed Dating bei den BraWo Open für ihre Mitglieder und potenziellen Einsteiger angezettelt. An den runden Tischen tauschten sich die Teilnehmer im Minutentakt aus, stellten sich und ihre Unternehmen vor, diskutierten über Schwächen im Wirtschaftssystem, erörterten mögliche Problemlösungen, schauten zurück und nach vorn – bis das Glöckchen erklang und sich die Teilnehmer um die Tische neu formierten.

„Wir haben gerade einen neuen stark verjüngten Vorstand gewählt“, erklärt Sabine Worbs-Kehr vom MIT-Vorstand. Dadurch ergebe sich ein intensiver Austausch zwischen alteingesessenen Unternehmerinnen und Unternehmern und Gründerinnen und Gründern wie zum Beispiel Start-Ups.

Die MIT ist eine Vereinigung der CDU/CSU, die es auf verschiedenen Ebenen gibt: im Europaparlament, im Bund, in allen Bundesländern als Landesverbände und als Kreisverbände in den Städten und Kommunen. „Unser Anliegen ist es, die Themen der kleinen und mittelständischen Unternehmen bei den vielen Herausforderungen dieser Zeit zu unterstützen und diese an die Politik weiterzugeben.“ Sozusagen als Brücke zwischen Wirtschaft und Politik. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion organisiere auch regelmäßig Vorträge und Diskussionsrunden, um ihre Mitglieder gezielt über neue gesetzliche Bestimmungen und Fördermöglichkeiten zu informieren.

Digitale Transformation im Braunschweiger Trafo Hub

Beim Speed-Dating dabei war auch Johanna Heß vom Trafo-Hub. Die junge Unternehmerin hat mit ihrer Familie in der Sophienstraße einen Ort geschaffen, wo sich mutige Start-Up-Gründer in pfiffigem modernen Dschungel-Ambiente der digitalen Transformation hingeben und sich auch mit gestandenen Unternehmen austauschen können. „Im Fokus steht dabei das gemeinsame voneinander und miteinander Lernen“, betont sie.

Olaf Funke hat vor zwei Monaten nach 15 Jahren die Traditionsfirma Draht Thein in Rautheim verkauft. Der 55-Jährige will neue Wege gehen und hat sich mit seinem Sohn zwei Online-Shops zugelegt. Einen für Camping-Zubehör, den anderen für Nähtechnik. Beim Zäune-Spezialisten hatte Funke 50 Leute im Team, jetzt sind sie insgesamt nur noch zu fünft. Was allerorten befürchtet wird, spricht auch Funke aus: „Ich denke, dass die Geschäfte allgemein mühseliger werden.“

Jüngstes Vorstandsmitglied im MIT ist Jake Gerschler (18)

Interessant auch die Vita von René Röth. Der 24-Jährige lacht und meint: „Ich habe mein erstes Unternehmen mit 14 gegründet, bereits drei Kinder gezeugt und ein Haus gekauft.“ Augenzwinkernd sagt er: „Ich habe meine Jugend übersprungen.“ Röth bietet IT-Lösungen an, sorgt für Sicherheit seiner Kunden im Netz.

Jüngstes Vorstandsmitglied bei MIT ist Jake Gerschler. Er ist 18 und noch Schüler, geht ins Gymnasium Gauß-Schule. Nach den Ferien kommt er in die 13. Klasse. Jake ist bereits selbstständig, ein Fachmann für Game Design, der Figuren erfindet für Computer- und Konsolenspiele wie das legendäre Minecraft. Was er später mal studieren möchte? „Wirtschaft!“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen.

Heute Abend geht’s weiter mit einer Oktoberfest-Party

Heute Abend soll die Tennis-Anlage zur Wiesn werden. Statt Tischen gibt’s reihenweise Bierzeltbänke