Krieg in der Ukraine

Braunschweiger bringen ukrainischen Flüchtlingen Hilfsgüter

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Joshua Klauenberg packt die letzten Säcke in den Transporter. Die Hilfslieferung für ukrainische Flüchtlinge ging am Samstag nach Polen. Die Helfer sind bereits wieder zurück.

Joshua Klauenberg packt die letzten Säcke in den Transporter. Die Hilfslieferung für ukrainische Flüchtlinge ging am Samstag nach Polen. Die Helfer sind bereits wieder zurück.

Foto: Claudia Klauenberg

Braunschweig.  Auf eine überwältigende Hilfsbereitschaft traf Joanna Snieg-Andrzejewska, als sie startete, Hilfsgüter für die Ukraine zu sammeln. Das tut sie noch.

Als der Krieg in seinem Heimatland ausbricht, sagt Pavlo Hnativ zu Joanna Snieg-Andrzejewska: „Ich muss in die Ukraine fahren, wir werden mobilisiert.“ Snieg-Andrzejewska hat Angst um ihren Kollegen und Freund, der sich verantwortlich fühlt, als er hört, dass alle 18- bis 60-Jährigen das Land nicht verlassen dürfen. Aber er sei kein Soldat, sagt Snieg-Andrzejewska. Er lebe seit 2015 in Deutschland, habe eine Familie in Gifhorn, eine kleine Tochter. „Ich wollte ihm zeigen, dass er auch anders helfen kann.“ Als Hnativ sagt, dass er zur polnisch-ukrainischen Grenze fahren will, um zu sehen, ob er Flüchtlinge mit nach Deutschland nehmen kann, entgegnet Snieg-Andrzejewska, dass er nicht mit leeren Händen fahren soll. Sie schreibt Freunde über per Whatsapp an, fragt, wer etwas spenden will. Das, was dann folgt, habe sie selbst überwältigt, erzählt die Braunschweigerin mit polnischen Wurzeln. „Ich bin so stolz auf alle Freunde und Bekannte.“

Freunde und Bekannte sagen schnell zu, zu helfen

Am Freitag um 16 Uhr habe sie die Nachricht geschrieben, sechs Stunden später „waren zwei Zimmer meiner Wohnung bis unter die Decke voll. Hygieneartikel, Masken, Medikamente, auch Nahrung in Konserven oder als Riegel, Decken, Schlafsäcke, auch Kleidung und Schuhe und sogar zwei Zelte waren dabei. Auch ihre Freundin Madlen Arnold, die die Apotheken Ulrici- und Storchen-Apotheke führt, sagt sofort Unterstützung zu. Viel zu viel kommt zusammen, um es in ein Auto zu bekommen. Snieg-Andrzejewska ruft David Skuratowicz an, ein Freund, der bei dem Braunschweiger Messtechnik-Dienstleister „a3Ds“ arbeitet. Die haben Transporter. Ihr Freund sagt zu, zu helfen. Und noch mehr Helfer melden sich, sodass ein weiterer Transporter Richtung Polen aufbrechen kann: Robin und Joshua Klauenberg. Das Ziel: Przemyśl im Südosten Polens nahe der ukrainischen Grenze. Schon am Morgen des nächsten Tages, dem vergangenen Samstag geht es los.

Von dort sollten die Waren von Hnativs und Snieg-Andrzejewsks ukrainischen Kollegen entgegen genommen werden. Ihr Unternehmen Sumitomo Electric Bordnetze aus Wolfsburg hat ist mit einem Standort auch im ukrainischen Ternopil vertreten. Doch die Kollegen seien nicht durchgekommen, sodass die Waren an Hilfsorganisationen übergeben wurden. Die Transporter sind mittlerweile schon wieder zurück. Pavlo Hnativ konnte eine Familie mit nach Deutschland bringen. Ein eineinhalbjähriges Kind mit ihrer Mutter und Oma. Sie blieben nicht in Braunschweig, sondern reisten weiter nach Düsseldorf, wo sie Familie haben. Es gebe die Bereitschaft, Flüchtlinge auch hier aufzunehmen. „Freunde haben sich gemeldet, die Flüchtlingen Wohnungen zur Verfügung stellen wollen“, so Snieg-Andrzejewsk.

Nach den ersten Hilfstransporten gehen die Spendensammlungen weiter

Und auch die Hilfsbereitschaft, mit Gütern zu helfen, reist nicht ab. Claudia Klauenberg, deren Söhne bereits bei der Fahrt nach Polen am Wochenende dabei waren und die tausende Liter Desinfektionsmittel spendete, stellt Lagerräume ihres Unternehmens Oxygen Concept an der Hildesheimer Straße 30/31 zur Verfügung. Dort werden nun weitere Spenden gesammelt, die am Dienstagnachmittag in einen 40-Tonner verladen werden. Den wird ein polnischer Freund von Snieg-Andrzejewsk steuern, der mit einer Ukrainerin verheiratet ist. In Polen sollen die Waren dann in kleinere Transporter verladen werden, die in die Ukraine fahren.

Aber damit ist die Sammelaktion nicht beendet. „Es ist der Anfang, wir machen weiter“, sagt Klauenberg. „Montags bis donnerstags zwischen 8 und 17 Uhr können Spenden vorbei gebracht werden, freitags bis 13 Uhr.“ Hygieneartikel würden gebraucht, Windeln, Tampons, Zahnpasta, auch gut verpackte Lebensmittel, warme Decken und Isomatten, auch Kleidung, aber nicht mehr so viel, habe es geheißen, so Klauenberg.

Wichtig sei eine gute Verpackung in Kartons, Säcken oder Rucksäcken. Optimalerweise würden die Verpackungen in drei Sprachen beschriftet, deutsch, polnisch und ukrainisch.

Sie kennt die Lage in der Ukraine seit 15 Jahren gut. Als ihre Söhne klein waren, hatte sie Au-pairs aus der Ukraine, junge Männer, die sich um die Kinder gekümmert haben. Zu einem, der später in der Ukraine nahe der moldawischen Grenze ein Waisenhaus eröffnete, besteht der Kontakt bis heute. Klauenberg half regelmäßig, indem sie Spenden dorthin fuhr. „Wir haben schon gesagt, dass wir ihn, seine Familie und die Waisenkinder nach Deutschland holen, aber die Lage an der moldawischen Grenze sei ruhig und er will bleiben“, sagt Klauenberg.

Auch Anna-Lena Pape sammelt Spenden

Eine weitere Hilfsaktion initiierte Anna-Lena Pape, die bei ihrer Schwester in Watenbüttel, in Papes Gemüsegarten, Spenden gesammelt hat. Über Instagram sei sie mit einer Ukrainerin in Kontakt, „die in der Ukraine evakuierte Mütter mit Kindern betreut und welche aufgrund der aktuellen schrecklichen Situation vor Ort nur mit dem allernötigsten dort ankommen“, schreibt Pape in einer Whatsapp-Nachricht, die auch unsere Zeitung erreicht hat.

Benötigt würden Windeln, Feuchttücher, Babynahrung, Milchpulver, auch Medikamente wie Fieberzäpfchen, Schnuller, Spucktücher, warme Kleidung für Kinder und Frauen in allen Größen, so Pape. Der Transport zur polnischen Grenze sei gesichert.

Wenig später schickte sie eine weitere Nachricht: „Wir sind überwältigt von der schnellen und spontanen Hilfe aus allen Ecken! Aus einem Transporter voller Dinge wurde schnell ein LKW, und auch den kriegen wir wahrscheinlich ohne Mühe gefüllt! Aus diesem Grund müssen wir leider einen Aufnahmestopp aussprechen, da wir echt an unsere Kapazitätsgrenzen kommen! Es ist wirklich der Wahnsinn!“

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