Nibelungen startet Radverleih in Braunschweiger Quartieren

Braunschweig.  Die Nibelungen Wohnbau bietet jetzt auch Mobilität an – und das nicht nur für die Mieter. Ein Bikesharing-Projekt soll Pionierarbeit leisten.

Torsten Voß, Geschäftsführer der Niblungen Wohnbau, mit einem der neuen Leih-Fahrräder von Nextbike, vor dem Mobilitäts-Standort am Neubaugebiet Nördliches Ringgebiet.

Torsten Voß, Geschäftsführer der Niblungen Wohnbau, mit einem der neuen Leih-Fahrräder von Nextbike, vor dem Mobilitäts-Standort am Neubaugebiet Nördliches Ringgebiet.

Foto: Karsten Mentasti

Mehr als 100 Leihfahrräder an 20 Stationen im Stadtgebiet: Die kommunale Wohnungsgesellschaft Nibelungen Wohnbau startet am Pfingstmontag ihr Mobilitätskonzept für Jedermann, nicht nur für Mieter ihrer Wohnungen. Diese erhalten allerdings Sonderkonditionen. Das Projekt „Nibelungen-Bike“ ist ein Pilotprojekt, mit dem zwei Jahre getestet werden soll, wie gut Leihräder in der Stadt angenommen werden. „Um etwas herauszufinden, muss man mal etwas riskieren, das tun wir“, sagt Torsten Voß, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft.

An einer Station aufsteigen, an der anderen wieder absteigen – so funktioniert der Fahrradverleih

Das Wichtigste, um Kritiker zu beruhigen: Es ist nicht möglich, geliehene Räder einfach irgendwo abzustellen und sich aus dem System auszuloggen. Solche „Free-floating“-Systeme haben in vielen Städten zu großem Ärger geführt, weil Roller oder Fahrräder einfach irgendwo liegengelassen wurden. Räder müssen an den 20 Stationen abgestellt werden, nur dann können sich Nutzer ausloggen und die kostenpflichtige Mietdauer beenden.

In erster Linie können an den Stationen zwischen Nordstadt und Gartenstadt sowie zwischen Querum und Am Ölper Berge nördlich des Klinikums Celler Straße vom 1. Juni an normale, hochwertige Fahrräder ausgeliehen werden, um etwa aus dem Siegfriedviertel in die Stadt zu radeln. Dort kann das Rad abgestellt werden, um vielleicht nach der Arbeit oder dem Einkauf ein anderes Rad für den Rückweg auszuleihen – so funktioniert Bike-Sharing.

Über 100 Räder stellt die Nibelungen zur Verfügung

Die Nibelungen Wohnbau geht mit diesem Pilotprojekt an den Start, um eine erste Testphase mit Lastenrädern für ihre Mieterschaft nun auf ein breiteres Fundament zu stellen. Partner ist die Firma Nextbike GmbH aus Leipzig, die in mehr als 60 deutschen Städten präsent ist. Das Ausleihen kann über einen PC oder ein mobiles Gerät wie ein Smartphone organisiert werden, mit diesem kann ein Rad an einer Station dann entriegelt oder bei der Abgabe wieder abgeschlossen werden.

Nextbike stellt 100 normale Räder, sechs Lastenräder und zwei E-Bikes zur Verfügung, die beiden Elektro-Fahrräder haben allerdings als festen Standort mit Ladestation die Verleihstation („Sharing-Point“) Mitgaustraße direkt am ersten Abschnitt des neuen Baugebiets Nördliches Ringgebiet.

Die Wartung der Verleihräder wird von der Lebenshilfe übernommen

An jeder der 20 Stationen gehören mindestens vier normale Räder zur Grundausstattung. Lastenräder werden an der Freyastraße, der Mitgaustraße und am Harzstieg positioniert. Dass nur eine geringe Zahl an E-Bikes zur Verfügung gestellt wird, begründet Voß mit Umweltaspekten wegen des notwendigen Batterieaustauschs und dem finanziellen und logistischen Aufwand, an allen 20 Standorten Ladestationen einzurichten.

Die Lebenshilfe übernimmt die Verteilung der Leihräder, damit an den Stationen möglichst immer Fahrräder zur Verfügung stehen. Sie übernimmt auch die Wartung der Nibelungen-Bikes, die alle eine Siebengang-Schaltung haben und mit Nabendynamo ausgestattet sind.

Die Räder sollen keine Konkurrenz zum ÖPNV Braunschweigs sein, sondern eine Ergänzung

„Unser neues Mobilitätskonzept verbindet Fahrradmobilität, deren Stellenwert steigt, mit anderen Verkehrsmitteln“, betont der Nibelungen-Chef. Vertreter der Stadtverwaltung und der Verkehrs-GmbH hätten mit am Tisch gesessen, als dieses Pilotprojekt intern entwickelt worden sei. „Wir sind keine Konkurrenz zum Öffentlichen Personennahverkehr, sondern eine Ergänzung“, erläutert Voß. Etwa, wenn jemand morgens mit dem Leihrad zur Arbeit fahre, es am Nachmittag aber regne und die Person auf dem Weg nach Hause den Bus nehme.

Ein Leihrad kostet einen Euro pro 15 Minuten, in dieser Zeit ist eine Fahrt vom Nördlichen Ringgebiet in die City locker zu schaffen. Es gibt auch einen Monatstarif, der sich für Vielnutzer lohnen kann. Weitere Informationen gibt es auf den Internetseiten der Nibelungen Wohnbau und von Nextbike.

Mobilität nicht nur für die Mieter

An der Leihstation Mitgaustraße, wo auch die beiden Elektroräder stehen, werden über zwei Anbieter auch verschieden große Leih-Autos zur Verfügung gestellt. „Dieser Service gehört zum Mobilitätskonzept für unseren ersten Bauabschnitt mit 179 Wohnungen im Nördlichen Ringgebiet, den Lichtwerk-Höfen“, erläutert Voß. Durch die Angebotsmischung aus Leih- und Lastenleihrädern, E-Bikes und Car-Sharing sowie die Vernetzung mit Radwegen wurde die Auto-Stellplatzquote pro Bewohner gesenkt. Das ist im Bebauungsplan so festgeschrieben.

„Als kommunaler Wohnungsanbieter und Erschließungsträger von Baugebieten wollen wir nicht nur Mobilitätsangebote für unsere Mieter schaffen, sondern für ganze Quartiere“, betont der Nibelungen-Geschäftsführer und spricht von „intelligenter Vernetzung„und „Alternativen zum eigenen Auto“.

Nicht überall in Braunschweig gibt es die Leihräder

Das Nibelungen-Bike ist ein Versuch, von dem die Wohnungsgesellschaft in einem Flyer schreibt: „Kann Bike-Sharing effizient funktionieren? Das werden wir herausfinden!“ Die Ergebnisse sollen in ein flächendeckendes Fahrradverleih-Konzept für die gesamte Stadt einfließen. Die Weststadt und wesentliche Teile des Östlichen und Westlichen Ringgebiets profitieren von dem Pilotprojekt noch nicht. „Dann müsste man mit ganz anderen Zahlen an Leihrädern an den Start gehen“, begründet Voß.

Die Idee ist aber, dass weitere Firmen oder auch kommunale Einrichtungen sich zusammen mit dem Projektpartner Nextbike mit eigener Radflotte am Projekt beteiligen, um ihre Mitarbeiter zum Umstieg aufs Rad zu motivieren. Damit könnte der Fuhrpark für alle Nutzer erweitert und auch die Zahl der Fahrradstationen ergänzt werden. „Das kann ab sofort geschehen, also auch in der zweijährigen Testphase“, betont der Geschäftsführer der Nibelungen Wohnbau GmbH.

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