Sidonienbrücke: Wird der Neubau zu schmal?

Braunschweig.  Braunschweigs Fahrradverbände protestieren. Die Grünen fordern von den Planern Nachbesserungen.

Die Sidonienbrücke ist eine wichtige Okerbrücke, die die Innenstadt mit dem Westlichen Ringgebiet verbindet. Nur Fußgänger und Radfahrer können sie benutzen.  

Die Sidonienbrücke ist eine wichtige Okerbrücke, die die Innenstadt mit dem Westlichen Ringgebiet verbindet. Nur Fußgänger und Radfahrer können sie benutzen.  

Foto: STACHURA / JS

Mittlerweile weiß man: Braunschweig hat einen großen Fehler begangen, als die Ringgleis-Brücke Berufsfeuerwehr gebaut wurde. Die Brücke ist viel zu schmal für die vielen Radfahrer und Fußgänger. Nun gibt es Befürchtungen: Braunschweig lernt nicht aus Fehlern und baut die neue Sidonienbrücke ebenfalls zu schmal.

Ein kleines Wunder ist es, dass die Sidonienbrücke so lange durchhält. Mehr als 100 Jahre ist sie bereits alt und mittlerweile Braunschweigs einzige Holzbrücke im Bereich der Umflutgräben. Doch obwohl ständig an der Holzkonstruktion nachgebessert wurde, so sind die Schäden mittlerweile so groß, dass ein Neubau her muss. 1,8 Millionen Euro soll das kosten. Im Oktober 2020 soll der Abriss erfolgen.

Allerdings: Im Laufe der Zeit wurde die Sidonienbrücke immer wichtiger. Sie ist die einzige Brücke im Westen der Stadt, auf der keine Autos unterwegs sind. Und darum haben die Verkehrsplaner die Brücke in ihrer Funktion als Verbindung zwischen Westlichem Ringgebiet und Innenstark gestärkt. Dort mündet die Kreuzstraße, eine Fahrradstraße. Auf dem anderen Okerufer wartet der Hohetorwall, ebenfalls eine Fahrradstraße. Viele fahren aber weiter, um über die ruhigen Tweten bis in die Innenstadt zu gelangen.

Dass während der zehnmonatigen Bauphase der Radverkehr auf den Madamenweg umgeleitet werden soll, hat viele bereits beunruhigt. Denn auf dem Madamenweg gibt es keine Radwege. Doch nun kommt die Sorge hinzu: Der Umbau misslingt. Die Radfahrer-Lobbyisten vom ADFC protestieren bereits und die Grünen pflichten ihnen bei. Rainer Mühlnickel, der planungspolitische Sprecher, sagt: „Wir fordern eine Umplanung. Das heißt: Der von der Stadtverwaltung vorgesehene Zeitplan wird sich nicht einhalten lassen. Doch die Planung hat so große Schwächen, das können wir nicht einfach durchwinken.“

Grundproblem sei, so Mühlnickel: „Die Sidonienbrücke ist keine Brücke im Bürgerpark, die vergleichsweise wenig genutzt werden. Die Sidonienbrücke ist bereits heute eine sehr wichtige Brücke und sie wird in Zukunft noch wichtiger.“ Denn: „Wir wollen das Gelände des Klinikums Holwedestraße in ein Wohngebiet verwandeln. Das Klinikum Holwedestraße liegt direkt an der Sidonienbrücke. Eine schmale Brücke, so wie sie jetzt geplant ist, können wir nicht akzeptieren. Die neue Sidonienbrücke muss so breit gebaut werden, dass sie auch den Anforderungen der Zukunft gerecht wird.“

Die heftige Kritik der Radfahr-Verbände entzündet sich am Umstand: Die Sidonienbrücke hat gegenwärtig eine Breite von 4,6 Metern. Nach dem Umbau soll sie zwar 6 Meter breit werden. Doch nur in der Brückenmitte. Die Enden der Brücke sollen hingegen nur eine Breite von 4 Metern haben. Ein- und Ausfahrt wären also schmaler als heute. Außerdem: Gegenwärtig sei die Brücke als gemeinsamer Fuß- und Radweg geplant. Das sei zu gefährlich. Fuß- und Radwege auf der Brücke müssen getrennt werden.

Verwiesen wird zudem auf einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2012. Der sieht vor: Die Planer sollten sich an die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen orientieren. Das sei im Fall der Sidonienbrücke nicht geschehen, sagt Mühlnickel: „Wir haben das geprüft. Die Brücke entspricht tatsächlich nicht den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen.“ Für ihn sei das „verblüffend. Es wird in den nächsten Wochen darum gehen, die anderen Fraktionen davon zu überzeugen, dass wir auf Nachbesserungen bestehen müssen.“

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