So legte Corona Braunschweig lahm

Braunschweig.  In der Innenstadt ging die Zahl der Passanten um rund 75 Prozent zurück. Abends leert sich die City blitzschnell.

Braunschweig bleibt Zuhause - nur vereinzelt sieht man Passanten in der Innenstadt.

Braunschweig bleibt Zuhause - nur vereinzelt sieht man Passanten in der Innenstadt.

Foto: Peter Sierigk

Bleibt Zuhause! Halten sich die Braunschweiger an diesen Appell, um die Ansteckungsgefahr mit Corona zu verringern? Erste Untersuchungen belegen: Die Zahl der Passanten in der Innenstadt ging auf ein bislang unbekannt geringes Maß zurück. Selbst sonntags waren früher mehr Menschen auf der Straße als heute an Wochentagen.

Eine Gruppe junger Hacker hat ehrenamtlich im Auftrag der Bundesregierung Material zusammengetragen, das zeigt, wie sich in Zeiten der Corona-Krise das Leben in Deutschland verändert hat. Auf der Internetseite Everyonecounts.de wurden auch Teilbereiche des öffentlichen Lebens von Braunschweig erfasst. Es geht dabei um Daten von sieben Laser-Messgeräte in Braunschweigs Innenstadt. Sie registrieren, wie hoch die Zahl der Passanten im Erfassungsbereich ist. Mehrfachzählungen sind dabei möglich.

Betreiber der Messgeräte ist das Unternehmen Hystreet in Köln, das die Passantenzahlen normalerweise verkauft. Investoren sollen so Hinweise erhalten, wie gut eine Innenstadt-Lage von Passanten besucht wird. Hystreet-Sprecher Ulrich Becher sagt: „Solche Zählungen nehmen wir in 56 Städten Deutschlands vor. Unsere Zahlen haben wir in diesem Fall jedoch freiwillig und kostenlos zur Verfügung gestellt.“ Grund: „Die Virologen vom Robert-Koch-Institut benötigen verlässliche Daten, ob auf den Straßen tatsächlich weniger Menschen als früher unterwegs sind und somit das Ansteckungsrisiko sinkt.“ Die Messungen per Laser gelten als absolut verlässlich.

In die Auswertung flossen am Ende die Daten aller sieben Braunschweiger Mess-Stellen ein. Das Ergebnis: Die Zahl der Braunschweiger Innenstadt-Passanten ist drastisch gesunken. Das Ergebnis für März setzt sich auch im April fort. Becher verweist auf die Zählstelle Langer Hof. Dort befindet sich eine der besten Lagen Braunschweigs. Denn der Lange Hof, direkt am Rathaus gelegen, verbindet die Groß-Haltestelle Bohlweg und die Schloss-Arkaden mit Braunschweigs Fußgängerzone. Dort waren einst besonders viele Passanten unterwegs.

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Becher meint: „Der gewaltige Rückgang der Passantenzahlen macht es sehr wahrscheinlich, dass stets ein Abstand von 1,5 Meter zwischen den Passanten eingehalten wurde.“ Ob der schlagartige Rückgang der Passantenzahlen im März auf etwa 25 Prozent des Üblichen aber auch ein guter Wert ist, vermag Becher nicht zu sagen. „Eine Auswertung fehlt noch. Ein Rückgang auf 20 oder 25 Prozent scheinen jedoch normal zu sein. Es sind offenbar nur noch die unterwegs, die unbedingt dort unterwegs sein müssen.“ Eine Rolle spiele dabei: „Wer wohnt dort? Wer hat dort seinen Arbeitsplatz? Wie hoch ist dort die Zahl der Ärzte? All das hat ebenfalls Einfluss auf die Zahl der Passanten.“

Geht man ins Detail, so zeigt sich: Zur Mittagszeit fehlen Langer Hof rund 1000 Passanten stündlich. Die Passantenzahl entspricht dann in etwa der, die vor der Corona-Zeit gegen 7 Uhr morgens registriert wurde. Zudem leert sich abends die Innenstadt blitzschnell. Besonders die automatischen Zählungen von 19 Uhr an zeigen: Bereits ab diesem Zeitpunkt sind auf den Straßen der Innenstadt nur noch sporadisch Passanten anzutreffen.

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