Corona-Fall in Braunschweig bestätigt – weitere Verdachtsfälle

Braunschweig.  Eine Braunschweigerin wurde positiv auf das Virus getestet. Sie befindet sich in häuslicher Isolation. Die Stadt beruft einen Expertenstab ein.

Der Fall wurde dem Gesundheitsamt gemeldet (Symbolbild).

Der Fall wurde dem Gesundheitsamt gemeldet (Symbolbild).

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Das Corona-Virus hat Braunschweig erreicht. Am Donnerstag hat die Stadtverwaltung darüber informiert, dass es einen ersten bestätigten Fall einer Corona-Infektion gebe: Das Gesundheitsamt sei am späten Mittwochabend über die Leitstelle informiert worden, „dass eine Braunschweigerin positiv auf das Virus getestet wurde“, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Die junge Frau soll sich im Urlaub auf den Kanarischen Inseln angesteckt haben. Nach ihrer Rückkehr habe sie leichte Krankheitsanzeichen verspürt. „Die Frau hat keine schweren Symptome, daher befindet sie sich in Absprache mit dem Gesundheitsamt in häuslicher Isolation“, heißt es weiter. Die Frau lebt in einer Wohngemeinschaft: Auch alle Mitbewohner befinden sich nun in Isolation. Aus Datenschutzgründen hat die Stadt keine weiteren Angaben zu den betroffenen Personen gemacht.

Zwei weitere Verdachtsfälle werden geprüft

Zwei weitere begründete Verdachtsfälle, bei denen Abstriche genommen wurden, seien aktuell in Prüfung. Zudem befinden sich zwölf Menschen, die Kontakt zu einer (möglicherweise) infizierten Person hatten, in Isolation, „um mögliche Ansteckungsketten zu unterbrechen“, wie Braunschweigs Sozialdezernentin Christine Arbogast erklärt.

Am Donnerstagvormittag hat die Stadt kurzfristig einen Expertenstab zusammengerufen, dem neben der Sozialdezernentin Vertreter des Gesundheitsamtes, des Städtischen Klinikums, der kassenärztlichen Vereinigung, der Polizei und der Berufsfeuerwehr als Trägerin des Rettungsdienstes angehören.

„Grundsätzlich ändert sich für die Bevölkerung durch das Auftreten des ersten Corona-Falls nichts“, sagt Torge Malchau, Leiter der Berufsfeuerwehr Braunschweig und damit zuständig für die Organisation der Gefahrenabwehrleitung. Bislang werde auch nicht daran gedacht, größere Veranstaltungen wie das Reitturnier Braunschweig Classico oder die Baumesse am kommenden Wochenende abzusagen. Arbogast: „Es gibt bislang keine Veranlassung dafür, dass das öffentliche Leben in Braunschweig zum Stillstand kommen müsste.“ Heißt: Es werden vorerst keine Veranstaltungen verboten.

Schulen, Kitas und Krippen bleiben weiterhin geöffnet. Arbogast sagt aber auch: „Sollte eine Infektion in einer Einrichtung nachgewiesen werden, dann müssen wir diese schließen.“ Es sei wichtig, die Ansteckungskette so gut wie möglich einzudämmen: „Alles, was uns Zeit verschafft, ist gut.“

Betroffene sollen sich telefonisch melden

Eine dringende Bitte haben die Experten an Personen, die Symptome vorweisen und in einem der Krisengebiete waren oder Kontakt zu jemandem hatten, bei dem das Virus nachgewiesen wurde: Sie sollen nicht in die Notaufnahmen der Kliniken oder in die Hausarztpraxen gehen, sondern sich telefonisch beim Hausarzt melden, um das Virus nicht unnötig weiterzutragen. Die Stadt hat eine Telefon-Hotline für allgemeine Fragen an das Gesundheitsamt eingerichtet: (0531) 4707000, die am Donnerstag ab 16 Uhr freigeschaltet wird.

Personell wurde in der Verwaltung so umgeplant, dass die Hotline bestmöglich besetzt ist. Außerhalb der Sprechzeiten der Hausärzte und am Wochenende können sich Bürger telefonisch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden unter 116117.

Unsicherheit in der Bevölkerung wächst

Die Behörden haben die Medien um eine angemessene und zurückhaltenden Berichterstattung gebeten – und keine Gerüchte weiterzutragen. Denn die Unsicherheit in der Bevölkerung wächst: In vielen Supermärkten wurden in den vergangenen Tagen verstärkt langhaltbare Lebensmittel wie Mehl, Nudeln und Reis gekauft, auch die Regale mit Hygieneartikeln wie Desinfektionssprays und Toilettenpapier sind mitunter leer.

Klinikum schränkt die Besuchszeiten ein

Das Klinikum appelliert an potenzielle Besucher, „die Notwendigkeit von Besuchen generell zu hinterfragen“. Insbesondere in der Geburtsklinik und den Frühchen-Stationen sowie in der Onkologie und Geriatrie befänden sich Menschen, die den Risikogruppen angehören. Ziel sei es, die Wahrscheinlichkeit von Ansteckungen so gering wie möglich zu halten. Besuche bei Patienten, die wegen einer Infektionserkrankung isoliert werden, werden zudem eingeschränkt: Grund sind die Lieferengpässe bei Gesichtsmasken und Schutzkleidung. Vor diesem Hintergrund will die Klinikleitung den Verbrauch beschränken: „Die medizinische und pflegerische Versorgung hat Priorität.“

Großveranstaltungen wie Reitturnier und Baumesse finden statt

Die Organisatoren von Großveranstaltungen wie dem internationalen Reitturnier Braunschweig Classico in der VW-Halle und der Baumesse, die am kommenden Wochenende in der Millenium-Halle stattfindet, beobachten die Lage aufmerksam.

Tim Erlei vom Marketing des Veranstalters der Baumesse, zu der die Veranstalter rund 12.000 Besucher erwarten, sagt auf Anfrage: „Wir werden die Baumesse nicht absagen, es sei denn, die Behörden verlangen dies von uns.“ Man werde Schilder aufstellen, die auf die Ratschläge des Robert-Koch-Instituts hinweisen, etwa dass man regelmäßig und gründlich die Hände waschen solle. „Unsere Messe ist eine regionale Veranstaltung und ist nicht international aufgestellt wie andere Großveranstaltungen im Bundesgebiet, die bereits abgesagt wurden“, so Erlei.

Kirsten Maier, Sprecherin von Braunschweig Classico, sieht auch keinen Grund, das internationale Reitturnier in der VW-Halle abzubrechen: „Wir haben alle Vorkehrungen getroffen.“ Die Verkehrswacht indes hat ihren Flohmarkt für Kinderfahrzeuge, der für Samstag geplant war, abgesagt.

Verantwortung für Schüler und Lehrkräfte

Die Schulen verteilen Hinweise an Eltern, was das richtige Händewaschen angeht. Der Leiter eines Gymnasiums teilt auf Anfrage mit, man werde alle größeren Veranstaltungen, die für die nächsten Tage geplant sind, auf den Prüfstand stellen – so auch die Info-Veranstaltung für die neuen Fünftklässler. „Wir sind nicht in Panik. Aber bei uns liegt die Verantwortung dafür, unsere Schüler und Lehrkräfte bestmöglich zu schützen – also müssen wir bei jeder Veranstaltung überlegen, ob wir diese verantworten können“, so der Schulleiter.

- der Text wird laufend aktualisiert -

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