Vorfall mit radioaktivem Jod: Bericht liegt vor

Braunschweig.  Bei GE Healthcare in Thune waren Ende letzten Jahres 40 Milliliter verschüttet worden. Wie konnte es dazu kommen?

GE Healthcare produziert ein Medikament, das bei Erkrankungen der Schilddrüse eingesetzt wird. Es handelt sich um radioaktive Kapseln mit Jod-131, die hinter diesen dickwandigen Türen hergestellt werden.

GE Healthcare produziert ein Medikament, das bei Erkrankungen der Schilddrüse eingesetzt wird. Es handelt sich um radioaktive Kapseln mit Jod-131, die hinter diesen dickwandigen Türen hergestellt werden.

Foto: GE Healthcare

Bei GE Healthcare Buchler in Thune hatte es im November 2017 einen Zwischenfall mit radioaktivem Jod gegeben: 40 Milliliter waren verschüttet worden. Das Unternehmen stellt Kapseln her, die zur Diagnose und Therapie bei Erkrankungen der Schilddrüse eingesetzt werden. Die Öffentlichkeit wurde damals erst einige Tage nach dem Vorfall informiert. Viele Anwohner in Thune waren darüber empört – auch wenn laut GE Healthcare und dem Umweltministerium in Hannover zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung von Mensch und Umwelt bestanden hat.

Wie es zu der Panne kommen konnte und wie Derartiges künftig vermieden werden kann, sollte das Unternehmen in einer Analyse darlegen. Auf eine Anfrage unserer Zeitung vom 31. Mai nach den Ergebnissen dieser Analyse hat sich GE Healthcare bislang nicht geäußert. Auskünfte gibt es hingegen vom Ministerium – einerseits auf eine Anfrage unserer Zeitung, andererseits auch auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag.

Demnach hat GE Healthcare einen Zwischenbericht vorgelegt. Daraus geht hervor, dass das Jod beim Ausschleusen eines Abfallbehälters aus einer Produktionsbox verschüttet wurde – und zwar durch einen unbeabsichtigten Handhabungsfehler, so das Ministerium. Der Behälter sei von der Tür eines Transportwagens gequetscht worden. Die Ursache: Eigentlich sorge ein speziell geformtes Tablett dafür, dass der Behälter sicher positioniert werde – dieses Tablett sei jedoch nicht verwendet worden.

Vertreter des Ministeriums und ein externer Sachverständiger haben vor Ort die Arbeitsabläufe überprüft, wie Ministeriumssprecherin Sabine Schlemmer-Kaune mitteilt. „Hieraus sind Empfehlungen hinsichtlich der Arbeitsschritte und der eingesetzten Gerätschaften abgeleitet worden“, sagte sie. „Die Umsetzung der Empfehlungen wurde unter Zuziehung eines Sachverständigen aufsichtlich begleitet.“ Als Sofortmaßnahme habe GE Healthcare veranlasst, dass radioaktive Lösungen zusätzlich in dicht verschlossenen Gefäßen in den Abfallbehälter überführt werden – somit bestehe eine zweite Barriere. Zudem habe man in einer Betriebsanweisung schriftlich festgelegt, dass das Transporttablett zwingend zu verwenden sei.

„Diese Sofortmaßnahmen werden vom Ministerium und dem zugezogenen Sachverständigen als geeignet bewertet, um eine Wiederholung eines solchen Ereignisses zu verhindern“, so Schlemmer-Kaune. Mittelfristig seien noch verschiedene technische Vorkehrungen geplant, um das Sicherheitsniveau weiter zu erhöhen. Wenn all diese Schritte umgesetzt sind, soll die Firma einen Abschlussbericht erstellen.

Für die Grünen im Landtag ist all das nicht wirklich beruhigend: „Im Unternehmen wurde fahrlässig gehandelt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Abgeordneten Imke Byl. „Der Unfall hätte verhindert werden können – und damit die Strahlenbelastung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die Umwelt.“

Auch die Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS) meldete sich am Montag sehr kritisch zu Wort: „Der Störfall hat einmal mehr bewiesen: Firmen, die mit radioaktiven Stoffen hantieren, gehören nicht in ein Wohngebiet“, so BISS-Sprecher Peter Meyer. „Egal, wie viele Vorschriften es gibt: Menschliches Versagen ist nach wie vor nicht ausgeschlossen. Und der Weg für freigesetztes radioaktives Jod durch die Abluftanlage nach außen bleibt bestehen.“

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