Idole – und die Sache mit der Filterblase

Braunschweig  Streetwords: Junge Autoren aus Braunschweig schreiben darüber, wer unsere Vorbilder sind – und ob wir überhaupt welche brauchen.

Von Otto Hannover

Heute ist nichts einfacher, als „Idole“ zu finden. Sie werden einem ja praktisch auf der Straße aufgedrückt. „Ich weiß, was du willst. Komm, nimm mit!“, flüstern listige Algorithmen, ihre feuchten Lippen unangenehm nah an deinem Ohr. Sie kennen ihre Kundschaft genau und haben ein scharfes Auge für jedermanns kommerziellen Fetisch. Diese fleischigen, aber erstaunlich wendigen Kreaturen kennen deine Schwäche und werten digitale Fußabdrücke einzigartig effektiv aus. Algorithmen spinnen ihr seidenes Netz. Die „Filterblase“.

Der Algorithmus frisst Cookies, die du großzügig verteilst, und füttert dich mit hübschen Bildern. Bilder von langen Beinen, vollen Lippen, perfekt aufgetragenen Lidstrichen. Wirklich zuvorkommend zugeteilte „Idole“.

Und doch kämpft sich manchmal etwas unabhängig von „Datenerhebungen von Traffic und Nutzertrends“ oder „personalisierter Werbung“ in deine Komfortzone. Womöglich die letzte Chance, nicht in einer Sphäre üppig mit Promotions ausgestatteter „Idole“ Däumchen zu drehen. Deine Chance sind Leute, die auch anderes thematisieren, als die Goods, die sie wieder in der Drogerie ergattert haben und dir mehr als 15 Prozent geben. Leute, von denen du was mitnimmst, das über das Wissen hinausgeht, wie du dich maximal edgy gibst, also besonders exzentrisch. Vielleicht bräuchtest du nur den Arm auszustrecken. Wäre da nicht die Sache mit der Filterblase…

Vorbilder verändern die Welt

Von Lina Probst

Ein Vorbild ist jemand, der etwas Außergewöhnliches geleistet hat. Jemand, der uns inspiriert, weil wir ähnliche Dinge erreichen wollen. Jemand, dessen Werte und Ideale mit den eigenen übereinstimmen.

Vorbilder verändern die Welt, im kleinen oder großen Rahmen. Sie sind mutig, wir wollen so sein wie sie. Zumindest ein bisschen. Höre ich diese Aufzählungen, dann denke ich in erster Linie an bekannte Persönlichkeiten: Nobelpreisträger, Schauspieler und Sportler. Dabei kann jeder von uns ein Vorbild sein, denn die Maßeinheit dafür ist nicht der Bekanntheitsgrad einer Person.

Ein Vorbild muss nicht immer alles richtig machen, und darf auch über rote Ampeln gehen – solange keine Kinder zuschauen. Ein Vorbild hilft der älteren Dame über die Straße, anstatt hektisch an ihr vorbeizulaufen. Ein Vorbild respektiert andere Meinungen, ohne seine eigene dabei aufzugeben. Ein Vorbild schwimmt gegen den Strom, doch darf sich auch mal treiben lassen. Ein Vorbild hat nicht für alles eine Lösung, aber lässt sich von Problemen nicht einschüchtern. Ein Vorbild ist mit sich zufrieden, und steht trotzdem nicht still.

Ein Vorbild ist nicht perfekt, sondern zeigt uns, dass Fehler menschlich sind. Mein Vorbild ist der Student, der einem Obdachlosen gerade ein Brötchen gekauft hat. Mein Vorbild ist der Lehrer, der sich seine Schüler zu Herzen nimmt, anstatt sie als Zahlen zu betrachten. Mein Vorbild ist derjenige, der einschreitet, wenn anderen Unrecht widerfährt. Mein Vorbild ist der Mensch, den ich eines Tages im Spiegel sehen könnte. Wer ist dein Vorbild?

Du bist mein Held

Von Danielle Wiesner

Du bist mein Licht, wenn es dunkel ist. Mein Manifest, wenn mich die Welt einmal vergisst.

Du bist Kraft und Mut, find’ ich’s schlecht, findest du es gut. Du bist meine Stütze, wenn da kein Halt ist, bist meine Mütze, wenn mir kalt ist.

Du bist mein Gedicht, meine Philosophie, bist das, dem mein Weltbild entspricht, meine innere Energie. Du befreist mich aus meiner Lethargie, verteufelst so manche Welthierarchie.

Du bist mein Fels in der Brandung, mein Antrieb und die Bahn für die Landung. Du bist Flügel auf meinem Rücken. Das große Ganze, gebastelt aus vielen kleinen Stücken.

Du bist Wurzeln unter meinen Sohlen. Den besten Tipp hast du mir empfohlen. Du bist mein Wegweiser. Bin ich zu laut, stimmst du mich leiser. Bin ich heiser, gibst du mir dein Wort und wenn ich reise, dann warst du schon längst an diesem Ort.

Du bist, wie ich gerne wäre, zu jedem Fehltritt gabst du mir die Lehre. Und spüre ich Leere, dann füllst du sie auf. Läuft’s bei mir rückwärts und bergab, schiebst du mich bergauf.

Du bist mein Sonnenaufgang, der Grund, warum ich den Tag anfang’. Du bist die Farbe, möchte ich meine Wand gestalten. Es sind deine Arme, die mich im Dunkeln halten.

Du bist der Herzschlag an meinem, ich die Hände an deinen. Du bist die Erinnerungen, die bleiben, die Geschichten, die sich mit dir viel besser schreiben. Du bist mein Lieblingsfoto an der Wand, meine Wahrheit, hab’ ich mich in Lügen verrannt.

Du bist mein Held, mein kleines Stück Heimat auf dieser Welt. Du bist im Labyrinth meine Karte, bist, auf was ich stundenlang warte.

Du bist eine Tasse wärmender Tee, hinter der Kamera, beim Fotoshooting im Schnee. Du bist eine Kerze, wenn ich einsam bin, die Erleichterung, wenn ich Zeit gewinn’.

Du bist der Mensch, dem ich so viel sagen will. Aber du, du bist so unergründlich still. Du bist mein ganzes Herz, bist gleichzeitig Liebe und Schmerz.

Du bist all das für mich. Nur bin ich es nicht für dich.

Zwing’ dir keine Idole auf!

Von Aramis David

Menschen spiegeln sich in Menschen. Wie fühlt sich dieses Spiegeln an? Die Menschen, in denen man sich besonders gerne spiegelt, werden deine Idole. Sie spiegeln unsere Haltung, unsere Moral oder Gefühlsebene. Sie können fern sein, oder auch ganz nah. Das Idol zeigt die Eigenschaften, die dir angenehm sind – weil sie deine eigenen sind! Oder werden können...

Zwing dir keine Idole auf! Sie entwickeln sich ganz von allein... Fühlst du dich deinem Vorbild nahe, so passt es zu dir. Das Idol inspiriert dich. Es hilft dir dabei, dich in eine dir gerechte Richtung weiterzuentwickeln!

Idole sind wichtig – und hilfreich. Deine Idole sind ein Teil von dir.

Du bist ein Vorbild – also verhalte dich so!

Von Hannah Butzke

Verantwortung. Eine Aufgabe, der sich jeder stellen muss, der Vorbild ist oder sein möchte. Aber welche Personen nehmen diese Rolle ein? Das sind nicht nur Eltern, die sich als ein solches für ihre Kinder sehen sollten, sondern ein jeder sollte verstehen, welchen Einfluss man auf Andere hat. Vor allem Kinder suchen sich meist unbewusst Vorbilder, die sie dann nachahmen.

Zum einen helfen uns Vorbilder, unsere eigenen Werte zu finden und uns unsere Meinung zu bilden. Auf der anderen Seite können sie auch ihre Macht missbrauchen, indem sie durch ihr Verhalten falsche Werte weitergeben. Deshalb ist es so wichtig, sich klar zu machen, welche Verantwortung man für sich selbst und andere trägt. Viele sind sich dieser Verantwortung jedoch nicht bewusst und sagen: „Ist doch seine Entscheidung. Ich habe damit nichts zu tun.“ Das muss aufhören!

Die Herausforderung besteht darin, sein eigenes Bewusstsein so weit zu schärfen, dass man erkennt, wann man für seine Mitmenschen – egal, ob groß oder klein – ein Vorbild ist. Das heißt jedoch nicht, perfekt sein zu müssen, sondern man selbst zu sein in dem Wissen, dass andere sich an den Werten und Erfahrungen, die man weitergibt, orientieren.

Wenn die Maske des Vorbilds fällt

Von Cynthia Seidel

Jeder kennt sie. Wir alle haben sie. Am liebsten würden wir sein wie sie: Idole. Es ist nicht immer der A-Promi, den wir bewundern. Familienmitglieder und Freunde können genauso Idol sein, wie jeder andere auch. Eine bestimmte Art und Persönlichkeit ist es, von der wir so begeistert sind. Der Einsatz für soziale oder politische Minderheiten, die Hingabe zur Kunst, Musik oder zum Sport, der Kampf für moralische Werte. Es sind die kleinen Dinge, die diesen einen Menschen ganz groß erscheinen lassen.

Doch urplötzlich, wie aus dem Nichts, kann eine alles verändernde Nachricht ans Tageslicht geraten. Bei den ganzen Fake-News heutzutage schenkt man der aber zunächst keinen Glauben. Die sich häufenden Schlagzeilen erwecken jedoch Zweifel. Die Annahme, dass man sich nur in einem schlechten Film befindet, weicht immer mehr. Es bleibt: die Realität.

Explosionsartig, wie eine Bombe im Kopf, breitet sich die Wahrheit im Leben aus. Sie zerstört nicht nur die Illusion unseres Idols, sondern rüttelt auch an unserem Selbstbild. Enttäuscht und ein wenig orientierungslos sieht man die Maske fallen – vielleicht. Vom perfekten Schein getrogen, folgt man seinem Idol oft, ohne es zu hinterfragen. Vertrauen ist gut, blindes Vertrauen kann riskant sein.

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