Super laufen auf dem neuen Schnitzelweg

Braunschweig  Die Finnenlaufbahn im Prinz-Albrecht-Park wartet auf Jogger. Wir haben sie getestet.

Mitten in der Stadt laufen wie im Wald: Das geht jetzt auf der Finnenlaufbahn im Prinz-Albrecht-Park.

Mitten in der Stadt laufen wie im Wald: Das geht jetzt auf der Finnenlaufbahn im Prinz-Albrecht-Park.

Foto: Lars Rücker

Zwei Kilometer grauer Asphalt. Zwischendurch rutschiges Kopfsteinpflaster. Mein Kopf hochrot, die Beine schon jetzt zittrig und die ersten Seitenstiche machen sich auch schon bemerkbar. Hoffentlich erreiche ich überhaupt noch meinen Wunschort, den Prinzenpark, schwirrt es mir durch den Kopf.

Dann endlich das ersehnte Ziel: eine Laufbahn ausgelegt mit Holzhackschnitzeln. Der Untergrund ist feucht, die Luft riecht nach Regen, gehacktem Holz und frisch gemähtem Gras.

Heute teste ich die neue Finnenlaufbahn im Prinzenpark. Sie soll das Laufen weich und angenehm machen. Als Gelegenheits-Jogger würde ich mich bezeichnen. Meine sportlichen Ambitionen halten sich daher in Grenzen – doch diese Bahn interessiert mich. Ist es wirklich so angenehm, auf Holzhackschnitzeln zu laufen? Federt die Bahn meine Füße wirklich ab, dass meine Gelenke geschont werden?

Die Fakten zur Finnenlaufbahn im Prinzenpark

Die zwei Meter breite Laufbahn führt auf einer Länge von rund 2,2 Kilometern parallel zum asphaltierten Promenadenweg im Prinz-Albrecht-Park entlang.

„Eine Finnenlaufbahn zeichnet sich durch einen weichen Belag aus Holzhackschnitzeln aus“, informiert Rainer Keunecke, Pressesprecher der Stadt Braunschweig. Wie ein Waldboden federe sie beim Auftreten, so dass die Gelenke geschont werden sollen.

Als ich vom Asphalt auf die Holzhackschnitzel wechsele, ist das Gefühl zunächst etwas wackelig. Wie auf Eiern laufe ich die ersten paar Schritte. Der Untergrund fühlt sich weich an. Er kommt einem moosigen Waldboden nahe und federt meine Füße wirkungsvoll ab. Bei jedem Schritt sinke ich ein klein wenig in die Holzspäne ein.

Sobald sich meine Füße an den neuen Belag gewöhnt haben, geht das Laufen fast wie von selbst – na ja, fast – wenn meine Kondition mitspielen würde, wäre es noch angenehmer.

Der Regenschauer vor wenigen Minuten hat seine Spuren hinterlassen. Der Boden ist feucht, immer wieder laufe ich an Pfützen vorbei. Ein netter Nebeneffekt: Der Duft von gehacktem Holz und frisch gemähtem Rasen strömt in meine Nase. Für mich, ein Mädchen vom Land, ein heimatlicher Geruch. Ein wohliges, entspanntes Gefühl überkommt mich. Die Laufstrecke ist so nicht nur anstrengend, sondern wird auch zu einem Erholungserlebnis.

Mitten in der Stadt –und laufen wie im Wald. Die Augen nach vorn gerichtet, erkenne ich kleinere Unebenheiten und kann sie umlaufen. Dann kommen mir auf der Strecke zwei Hunde entgegen: Sie buddeln und tollen in den Holzhackschnitzeln herum. Jetzt wird mir klar: Die Unebenheiten sind vermutlich auch von ihnen verursacht. Beim Laufen stören die kleinen Löcher jedoch nicht. Auch im Wald muss ich schließlich darauf achten, wo ich hintrete.

Dann überquere ich die Ebertallee. Hier muss ich ein Stück auf der Straße laufen, bevor ich wieder die angenehmen Schnitzel betrete. Die Runde führt einmal rund um den Prinzenpark herum. Ich laufe an Bäumen und weitläufigen Wiesen vorbei, wie ich sie so nahe an der Innenstadt nicht erwartet hätte. Das Gefühl, eigentlich mitten in der Stadt zu laufen, verschwindet hier komplett – auch unter meinen Füßen.

Ein richtiger Sport-Parcours soll entlang der Strecke entstehen

„Im Sommer soll ein Calisthenics-Parcours installiert werden: Die Finnenlaufbahn wird dann vier Stationen mit insgesamt rund 20 Sportgeräten verbinden“, erklärt Keunecke. Calisthenic ist eine Form des körperlichen Trainings mit dem eigenen Körpergewicht. Rund um die Finnenlaufbahn entstehe so ein Parcours mit öffentlich zugänglichen Fitnessgeräten, die auch noch senioren- und behindertengerecht sind.

Zum Hintergrund: Die Projekte fußen auf dem Masterplan Sport 2030, den der Rat im vergangenen Jahr beschlossen hat. „Eine Bevölkerungsbefragung zum Sportverhalten hatte ergeben, dass die meisten Bewegungsaktivitäten auf sogenannten Sportgelegenheiten im öffentlichen Raum ausgeübt werden“, sagt Keunecke.

Der Test über die Finnenlaufbahn fällt positiv aus

Unter meinen Füßen fühlt sich die Finnenlaufbahn super an. Ich habe ein gemütliches Lauftempo und nicht den Drang, schnell von der Stelle wegzukommen. Jedoch habe ich auch einen kleinen Sprint-Test gemacht. Das Fazit: Zum schnelleren Laufen ist die Bahn noch etwas zu weich. Die Füße kommen nicht richtig von der Stelle weg und versinken etwas in den Holzhackschnitzeln. Ein Kritikpunkt: Nicht selten schleudert man mit den Füßen die Schnitzel auf die asphaltierte Straße – besonders für Inlinefahrer wird das dann zum Ärgernis.

Die Stadt weiß das. Sprecher Keunecke sagt: „Die Laufbahn muss sich zunächst setzen. Holzschnitzel, die auf die geteerte Fläche gelangen, werden bei der Parkpflege zurückgefegt.“ Ob diese Kosten auch von der Stadt eingeplant waren, frage ich: „Ein separater Betrag ist dafür nicht ausgewiesen“, so Keunecke.

Ich bin in jedem Fall froh, als ich die Runde hinter mir habe. Den Prinzenpark verlasse ich gehend – genug gelaufen bin ich jetzt auf alle Fälle!

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