„Ich fühlte mich gleich zuhause“

Braunschweig  Die italienische Tänzerin Alice Gaspari erzählt, wie sie das Leben in Braunschweig empfindet.

Braunschweig ist eine bunte Stadt. Rund 20 Prozent ihrer 250 000 Einwohner haben einen Migrationshintergrund beziehungsweise eine ausländische Staatsangehörigkeit. Wie leben diese Menschen in Braunschweig ? Fühlen sie sich angenommen, angekommen? Fragen, die uns Alice Gaspari beantworten kann. Sie ist seit der Spielzeit 2014/15 Tänzerin am Staatstheater – und Italienerin. Sie stammt aus Rimini. Von dort ging sie nach Leeds in England, um dort an der Northern School of Contemporary Dance ihre Ausbildung fortzusetzen. Freiberuflich arbeitete sie für verschiedene Choreografen und Kompanien, vornehmlich in Großbritannien.

Was mögen Sie an Braunschweig besonders?

Braunschweig hat sehr schöne Parks und Seen. Hier verbringe ich im Sommer gerne meine Freizeit. Den Prinzenpark und den Gaußberg, das Kennelbad und den Heidbergsee mag ich besonders. Und jeden Morgen führt mich mein Arbeitsweg zum Tanzsaal durch den idyllischen Theaterpark.

Was war Ihnen anfangs in Braunschweig völlig fremd?

Braunschweig war mir von Beginn an vertraut. Als ich zum Vortanzen kam, übernachtete ich in der Nähe des Gaußbergs, und die Gebäude dort erinnerten mich an italienische Berghäuser. Ich fühlte mich also gleich zu Hause.

Was vermissen Sie in Braunschweig?

Das Nachtleben in Braunschweig ist sehr überschaubar. Es gibt sehr wenige Bars und Cafés, in denen man mit anderen ins Gespräch kommen kann. Und sonntags ist leider kaum was los in der Stadt.

In welchen Städten haben Sie bereits gelebt? Wie schneidet Braunschweig da im Vergleich ab?

Bevor ich nach Braunschweig kam, lebte ich drei Jahre in London. Das kann man natürlich kaum vergleichen, es ist einfach eine andere Welt.

Wie beurteilen Sie die Lebensqualität in Braunschweig?

Die Lebensqualität in Braunschweig empfinde ich als sehr gut. Die Stadt ist nicht zu groß und nicht zu klein. Ich finde hier alles, was ich brauche, außer den oben genannten Punkten. Die Umgebung ist sehr schön, auch die Lage innerhalb Deutschlands ist von großem Vorteil.

Wenn Sie abends mal frei haben und mit Freunden losziehen, wohin treibt es Sie dann?

Wir gehen schwimmen, klettern oder wir gehen in die Spielkneipe Expertise, um zu spielen und gemeinsam Spaß zu haben. Gerne gehe ich auch mit Freunden vietnamesisch essen oder in eine Bar, um zu reden und zu feiern.

Halten Sie Braunschweig für eine aufgeschlossene, weltoffene Stadt?

Ich fühle mich schon sehr wohl in der Stadt und fühle mich auch willkommen, aber ich habe nicht den Eindruck, dass Braunschweig besonders weltoffen ist. Es gibt wenig internationales Flair, was ich ein wenig bedauere.

Halten Sie die Braunschweiger für kulturinteressiert? Verstehen sie was von Tanz?

Es gibt einen Teil der Braunschweiger, die sehr kulturinteressiert sind. Was den Tanz anbetrifft, gibt es auch eine sehr erfahrene Gemeinde, die auch beständig wächst. Wir arbeiten auch daran, Tanz für ein junges Publikum interessant zu machen, was sehr gut funktioniert. Ich spüre also schon ein sehr großes Interesse an unserer Kunstform.

Wie kommen Sie hier als Ausländerin klar? Werden Sie freundlich aufgenommen oder erleben Sie Ablehnung?

Anfangs konnte ich kaum Deutsch, was ziemlich schwierig war, da viele Leute hier in der Stadt kein Englisch sprechen. Aber insgesamt fühle ich mich sehr gut aufgenommen. Ablehnung habe ich in meiner Zeit hier nie erlebt.

Gibt es einen Lieblingsplatz für Sie in Braunschweig? Wo ist der? Und warum gerade dort? Und wie sah Ihr Lieblingsplatz aus an dem Ort, wo Sie vor Jahren aufgewachsen sind?

Mein Lieblingsort ist meine Küche. Hier kann ich kochen, Freunde einladen und mit ihnen essen und feiern. In Braunschweig habe ich auch meine erste eigene Wohnung bezogen und keine Mitbewohner um mich herum. Hier kann ich also tun und lassen, was ich will.

In Italien war mein Lieblingsort immer der Strand von Rimini. Aber damit kann Braunschweig leider nicht dienen …

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder