Studenten erfinden veganes „Leder“

Braunschweig  Michelle Grüne und Arved Bünning experimentierten mit Pilzen und wurden mit dem Braunschweiger Klimaschutzpreis ausgezeichnet.

Leder ist aus der Modeindustrie kaum wegzudenken. Doch das Verwerten von Tierhaut ist umstritten – und Kunstleder ist auch nicht jedermanns Sache. Zwei Braunschweiger Studenten haben nun eine Alternative entwickelt: veganes „Leder“ namens „Amberskin“. Für ihr Produkt wurden Michelle Grüne und Arved Bünning kürzlich mit dem Klimaschutzpreis ausgezeichnet.

Veganes Leder? Ja! Vor zweieinhalb Jahren fing alles an. Damals studierten die beiden Industriedesign in Kiel. Im Studium kam die Frage auf: Wie lassen sich Produktionsprozesse anders gestalten – also vor allem mehr im Einklang mit Umwelt und Natur? Eine Frage, mit der sich die beiden ohnehin befassen: Sie leben auch vegan und verzichten auf alle Produkte, die tierische Bestandteile enthalten.

Michelle Grüne und Arved Bünning starteten also ein Projekt und probierten einiges aus. „Wir waren selber so begeistert davon, dass wir weitermachen wollten“, sagt Michelle Grüne.

Aber aller Anfang ist schwer, schließlich stößt man nicht versehentlich auf eine Alternative zu echtem Leder. Es waren intensive Recherchen und unzählige Versuche nötig – das WG-Zimmer wurde zum Labor umfunktioniert. „Irgendwann will man seine Experimente aber nicht mehr neben dem Bett stehen haben“, merkt Arved Bünning an.

Doch was genau kann man sich unter veganem „Leder“ vorstellen? Michelle Grüne erklärt den Produktionsablauf so: „Zuerst mischen wir eine zuckerhaltige Flüssigkeit mit dem Kombucha-Pilz. Auf diesen Pilz sind wir bei unseren Recherchen gestoßen.“ Es handelt sich dabei um keinen herkömmlichen Wald-Pilz, sondern um ein Gemisch aus Hefe und Bakterien. Nach und nach bilde sich in dieser Substanz eine Art Hautschicht auf der Oberfläche, sagt sie.

Zum Wachsen benötige das Material drei bis vier Wochen, dann könne man die Schicht abziehen. „Im letzten Schritt wird das entstandene Leder gewaschen und eine Woche getrocknet“, so Michelle Grüne. Das Produkt nennen die beiden „Amberskin“: amber = Bernstein, skin = Haut. Die Inspiration für diesen Namen kam von Bünnings Oma. „Als wir ihr unser Leder gezeigt haben, meinte sie, es habe die Farbe von Bernstein – und daraus wurde dann einfach Amberskin.“

Was Michelle Grüne und Arved Bünning besonders am Herzen liegt: Bei ihrer alternativen Produktionsweise werden Tiere verschont. Außerdem werde das Leder ohne Ausbeutung von billigen Arbeitskräften, geschweige denn Kinderarbeit hergestellt. Darüber hinaus sei die Herstellung sehr umweltfreundlich, so Michelle Grüne: „Die Industrie verbraucht pro Quadratmeter Leder ungefähr 5500 Liter Wasser. Bei uns sind es nur 40 bis 50 Liter. Die Dicke ist aber vergleichbar mit dem Industrieleder“, sagt die 26-Jährige. Außerdem werde „Amberskin“ nicht mit Chemikalien behandelt. „Unser Leder ist natürlich und nicht giftig. Deshalb könnte man es sogar essen“, meint Michelle Grüne lachend. „Und weil es nur aus organischen Stoffen besteht, ist es auch ökologisch abbaubar“, betont Arved Bünning. Ihr gemeinsames Ziel haben die beiden erreicht – und zum Großteil selbst finanziert: „Wir wollten den Menschen eine positive, unkomplizierte Alternative zum herkömmlichen Leder anbieten“, sagt Arved Bünning stolz. Und warum bewarben sie sich für den Braunschweiger Klimaschutzpreis? Weil sie zeigen wollen, was möglich ist. Da der Preis zum ersten Mal verliehen wurde, sind sie überzeugt: Hier ändert sich etwas, hier kommt etwas in Bewegung.

Mit „Amberskin“ wollen die beiden die Welt verbessern – und stoßen damit auf Zuspruch und Unterstützung. „Eine Freundin von mir hat bereits eine eigene Modekollektion mit unserem Leder entworfen. Das hat sich echt gut verkauft“, sagt Grüne. Arved Bünning ergänzt: „Momentan gibt es fast überall einen Trend für vegane Produkte. Wir hoffen jetzt, dass das so bleibt.“

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