24-jähriger Neonazi stellt sich der Polizei

Braunschweig  Im Dezember war er als NO-Schläger verurteilt worden. Jetzt geriet er nach einer Demo im Mai 2016 in Erfurt ins Visier der Thüringer Polizei.

Symbolfoto: Archiv

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Foto: Archiv

Der 24-jährige Neonazi, der im Februar 2016 zwei Schüler der Neuen Oberschule brutal attackiert hatte und vom Amtsgericht Braunschweig im Dezember zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war, ist in das Visier der Thüringer Polizei geraten und war nach möglichen Übergriffen bei einer Neonazi-Demo im Mai 2016 in Erfurt zur Fahndung ausgeschrieben worden. Der Vorwurf: Widerstand und Körperverletzung.

Wie die Thüringer Kriminalpolizei unserer Zeitung bestätigte, hat sich der 24-Jährige mittlerweile bei der Braunschweiger Polizei gestellt, nachdem er sich offenbar selbst auf dem Fahndungsfoto erkannt hatte. Braunschweigs Polizeisprecher Wolfgang Klages bestätigte dies gegenüber unserer Zeitung. Der 24-Jährige habe sich am Freitagabend auf dem Polizeikommissariat Nord gemeldet und erklärt: „Das bin ich.“ Daraufhin wurden seine Personalen festgestellt. „Er wurde nicht festgenommen“, sagte Klages.

Bereits zuvor hatte auch die Braunschweiger Polizei den Thüringer Kollegen bereits übermittelt, dass es sich bei dem Gesuchten offenbar um den 24-Jährigen handeln könne. Dies hätten die zuständigen Kollegen bei der Inaugenscheinnahme des Fotos „mit großer Wahrscheinlichkeit“ festgestellt, sagte Klages.

Am 1. Mai 2016 hatte es in Erfurt eine Demo der Partei „Die Rechte“ gegeben. Dabei waren auch Beamte der Bereitschaftspolizei Thüringen angegriffen worden. Die Vorwürfe lauten nach Angaben der Polizei in Erfurt auf Widerstand und Körperverletzung. Der mit einem Fahndungsfoto Gesuchte habe einem Polizeibeamten mutmaßlich ins Gesicht geschlagen und eine Flasche geworfen. Dies sei auf Video aufgenommen worden.

Im Polizeikommissariat Nord äußerte sich der 24-Jährige nach Angaben des Pressesprechers nicht zu den Vorwürfen. Seine Daten werden jetzt nach Thüringen übermittelt. Nach dem Tatortprinzip muss von den dortigen Behörden über das weitere Verfahren entschieden werden. Eine Vernehmung könnte in Braunschweig stattfinden.

Die lange Zeitdauer zwischen der Demo im Mai 2016 und der jetzigen Suche mit einer Öffentlichkeitsfahndung erklären Fachleute mit den hohen Hürden, die vor die Veröffentlichung eines solchen Aufrufes mit Foto gesetzt sind. Weil die Persönlichkeitsrechte zu berücksichtigen sind, prüft zunächst die zuständige Staatsanwaltschaft, dann muss ein Richter entscheiden. Erst dann kann das Foto eines Gesuchten veröffentlicht werden, so wie jetzt in Thüringen geschehen.

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