Kristina Schippling ist die erste Filmfest-Filmpädagogin

Braunschweig  Die 33-Jährige zeigt Kindern, wie Filme funktionieren. Wenn sie mit ihnen dreht, versucht sie immer auch, die Lebenswelt der Kinder einzufangen.“

Kristina Schippling ist die erste Filmpädagogin des Braunschweiger Filmfests.

Kristina Schippling ist die erste Filmpädagogin des Braunschweiger Filmfests.

Foto: Peter Sierigk

Filme machen bringt mehr als Filme schauen. Jedenfalls bei Kindern. Davon ist Kristina Schippling überzeugt. Die 33-Jährige ist die erste Filmpädagogin des Braunschweiger Filmfestivals. „Wenn Kinder beim Filmemachen mit allen Sinnen an die Sache herangehen, mit viel Körperlichkeit und nicht nur mit dem Geist, dann eröffnet das ganz andere Dimensionen zum Verständnis. Das geht über eine reine Filmanalyse weit hinaus.“

Kristina Schippling steht seit eineinhalb Jahren im Dienst des Filmfestvereins – mit bis zu acht Wochenstunden, die sie in filmpädagogischen Projekten bündelt. So hat sie mit Kindern gedreht im Rahmen der Aktion „Ferien in Braunschweig“ und mit Acht- bis Zehnjährigen an der Musischen Akademie den Kurzfilm „Geister-Vampire im Aufzug“ erarbeitet. Der ist sogar nominiert beim regionalen Schülerfilmwettbewerb „Filmklappe“. Am Freitag um 11 Uhr ist Preisverleihung im C1-Kino.

Beim Filmemachen könnten Kinder sehr viel mehr über das Medium lernen, wenn sie’s selber machten, wenn sie lernten, die Arbeitsweise und die Tricks der Filmemacher zu verstehen. Wie Kino als Illusion wirke. Vom Zuschauer zum Akteur. „Dabei versuche ich in den Projekten, immer auch die Lebenswelt der Kinder einzufangen.“

Derzeit sei das Thema Mobbing offenbar bei Schülern sehr präsent. Immer wieder werde es als Filmthema ins Spiel gebracht. Sie selbst versucht bei den Projekten, erst einmal herauszufinden, in welcher Weise sie gebraucht wird: ob sie unterstützend eingreifen soll oder inspirierend oder ob ihre filmtechnischen Fähigkeiten gefragt sind. Damit diene sie der Sache immer am besten. „Ganz wichtig ist es für die Kinder, dass es immer gerecht zugeht. Nichts finden sie schlimmer als Ungerechtigkeit.“

Kristina Schippling, geboren in Halle an der Saale, promoviert dort auch gerade an der Martin-Luther-Universität mit einer filmpädagogischen Arbeit. Sie hat Kunst studiert sowie Pädagogik und dann an der HBK in Braunschweig auch noch Darstellendes Spiel draufgesattelt. Mit ihren Staatsexamen kann sie an Gymnasien unterrichten.

Kristina Schippling hat übrigens zu Hause keinen Fernseher. „Seit ich selbst Filme mache, konsumiere ich sie weniger.“ Sie habe wohl auch ein anderes Sehverhalten als die meisten Menschen: „Ich schaue mir Filme ganz langsam an. Manchmal brauche ich für eine DVD drei oder mehr Anläufe. Dafür kann ich aber in den einzelnen Szenen auch sehr viel entdecken.“

Am liebsten schaue sie sich Filme von Freunden oder Bekannten an. „Grundsätzlich erkenne ich erst mal alles an und frage mich: Was wollte der Film erreichen? Und dann: Konnte er es auch schaffen?“

Sie selbst hat am Mittwoch beim Festival ihren Langfilm „Ungleich“ vorgestellt. „Eine Selbstreflexion über das Filmemachen, mit einem Protagonisten, der eine multiple Persönlichkeit hat“, erklärt sie. Filme seien für sie wie eine Box, in die sie unterschiedliche Kunstformen wie Malerei, Computerspiel, Stopp-Motion integriere. „Filme sind wie eine große Wundertüte“, sagt sie lächelnd.

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