Wolfsburg. Konrad Stöckel kennt man vor allem aus dem Fernsehen. In Wolfsburg führt der Künstler seine Wissenschaft-Experimente auf der Bühne vor.

Ist es Zauberei, ist es ein wissenschaftliches Experiment, ist es Comedy? Konrad Stöckel kombiniert all diese Elemente. Am Sonntag, 25. Februar, ist er im Hallenbad in Wolfsburg zu sehen. Zuvor spricht er im Interview über seine Albert-Einstein-Gedenkfrisur, Chemie-Unterricht an der Schule und verrät, wie so manches Experiment funktioniert.

Hand aufs Herz, das ist eine Perücke, oder?

Nein, das sind meine Haare.

Oh. Pardon.

Ich habe von Natur aus Locken, ich brauche nur ein bisschen Haarspray und eine Bürste für die Frisur.

Aber die gehört schon zu Ihrer Bühnenpersona, oder?

Klar. Ich stehe ja schon als Zauberkünstler auf der Bühne, seit ich zehn Jahre alt war. Irgendwann, Anfang der 2010er Jahre, sprach mich dann jemand vom NDR an, ob ich nicht auf der Bühne Experimente durchführen wolle. Warum denn gerade ich, fragte ich da. Und die Antwort lautete, nun, du siehst doch schon so aus.

Wie der stereotype, verrückte Wissenschaftler? Haben Sie denn auch eine persönliche Verbindung zur Wissenschaft, die über Haare hinaus geht?

Nun ja, für die Zauberkunst braucht man auch bestimmte Kenntnisse aus der Chemie oder der Physik, zum Beispiel, um die Zaubertricks zu präparieren. Damit hatte ich also schon Erfahrung.

Wie entwickeln Sie Ihre Experimente?

Ich bin immer fasziniert von der Forschung und neuen Ergebnissen. Nicht alles davon lässt sich auf der Bühne vermitteln, wenn etwas innerhalb von fünf Tagen in einem Reagenzglas passiert, ist das vielleicht für die Wissenschaft spannend, aber nicht für eine Show wie meine. Aktuell bin ich zum Beispiel hochinteressiert an der Entwicklung eines Stoffs, der die Eigenschaften einer Lubor-Linse hat. Die wiederum bricht das Umgebungslicht so, so dass ein dahinter liegendes Objekt sozusagen unsichtbar wird. Übertrage das auf einen Stoff – und du hast einen Unsichtbarkeits-Umhang wie bei Harry Potter. Und damit lässt sich arbeiten.

Aber es wirkt ja nicht jedes wissenschaftliche Experiment gleich gut auf der Bühne. Es braucht den Unterhaltungscharakter. Und noch mehr?

Ein Überraschungseffekt ist immer gut – oder, wenn es einen Alltagsbezug gibt.

Nennen Sie ein Beispiel?

Klar: den Staubsauger! Bei 900 Watt hat eine Staubsaugerröhre mit zwei bis drei Zentimetern Durchmesser eine Anziehungskraft von ungefähr einem Kilo. Wenn Sie die Röhre in die Luft halten und einen ein Kilogramm schweren Gegenstand dransetzen, dann fällt er also nicht runter. Wenn Sie den Durchmesser der Röhre erweitern – ich baue zum Beispiel einfach einen Kochtopf dran –, dann potenziert sich die Saugkraft. Mit dem Kochtopf am Staubsauger kann ich einen Menschen an einer Traverse an den Sauger halten und er fällt nicht herunter. Je größer die Röhre, desto höher die Anziehungskraft, ich habe auch schon mal einen VW Golf mit einem Dyson Staubsauger hochgehoben.

Klingt angemessen eindrucksvoll für eine Bühnenshow. Sind Ihnen auch schon mal Experimente missglückt?

Es kommt nicht alles beim Publikum an. Einer meiner Favoriten ist zum Beispiel der aufgeblasene Luftballon, den ich mit flüssigem Stickstoff mit einer Temperatur von minus 196 Grad übergieße. Dadurch wird die Luft im Ballon so kalt, dass sie flüssig wird, das passiert nämlich schon bei minus 191 bis minus 193 Grad. Der Luftballon wird dann platt wie eine Briefmarke. Nehme ich ihn aus dem Stickstoff heraus und die Luft erwärmt sich, bläst sich der Ballon von alleine wieder auf. Das finde ich stark, ist aber nicht der Applauskracher.

Was ist Ihnen wichtig für Ihre Experimente?

Sie sollen Spaß und Freude bringen. Ich mache ja eine Familienshow, die Erwachsenen gefällt, aber eben auch Kinder inspiriert. Und das finde ich gerade in Zeiten des Lehrermangels, in der es oft so ist, dass Lehrkräfte auch andere Fächer als ihre eigenen unterrichten müssen, wichtig. Wenn eine Lehrerin, ein Lehrer aushilfsweise Physik oder Chemie unterrichtet, wird der- oder diejenige wahrscheinlich nicht so viele Experimente machen; aber gerade damit erweckt man doch die Faszination und das Interesse an den Fächern. Vor allem fürchte ich, dass die bürokratischen Hürden, Experimente durchzuführen, so hoch sind, dass immer weniger an den Schulen durchgeführt werden.

Zum Beispiel?

Sie müssen das Experiment für einen bestimmten Tag anmelden, ein Gefahrenprotokoll anfertigen, ein Gefahrenvermeidungsprotokoll erstellen. Wenn Sie dann an dem Tag, für den das Experiment angemeldet ist, verhindert sind, müssen Sie es neu anmelden. Ich kenne das, ich muss das für meine Shows auch machen; ich muss auch meine Requisiten durch den Tüv zertifizieren lassen. Ich habe schon überlegt, ob ich nicht einfach meine ganze nächste Bühnenshow zertifizieren lasse.

Klingt nach Aufwand.

Ja, aber da ich meine Shows drei Jahre lang durchspiele, lohnt es sich. Nur für Schulen stelle ich mir das schwieriger vor.

Sie haben gesagt, Sie kamen von der Zauberei zur Wissenschaft. Ist das nicht ein Gegensatz?

Nicht unbedingt: Zauberkunst tut ja nicht so, als wäre das wirklich Magie, was da passiert. Da erklärt Ihnen nur nachher keiner, wie der Trick funktioniert. Aber Wissenschaft ist es trotzdem. Nehmen Sie den Trick, bei dem der Magier einen zwei Meter Zauberstab in einem 20 Zentimeter hohen Zylinder verschwinden lässt. Wie das klappt? Ganz einfach, der Zauberstab ist aus Styropor. Im Hut befindet sich Aceton, und der Magier löst den Styroporstab in dem Aceton ganz einfach auf. So passt ein zwei-Meter-Stab in einen 20-Zentimeter-Hut.

Manch ein Magier tut ja schon so, als sei das übernatürlich, was da geschieht.

Das finde ich unseriös. Uri Geller zum Beispiel ging auch zu Eltern entführter Kinder und erzählte denen, er könne ihre Kinder wiederfinden, obwohl die längst tot waren. So etwas ist schädlich für das eigene Image und es ist auch schädlich für die Zauberkunst. Ich finde, solchen Leuten sollte man keine Bühne bieten, jedenfalls nicht, ohne kritisch zu hinterfragen.

Wie passt die Comedy in die Wissenschaft?

Lachen entspannt – vor allem, wenn vorher ein kleiner Schockmoment kam. Das ist gut für den Körper.

Und wie erhalten Sie sich selbst die Freude an Ihren Shows?

Ich baue mir gerne selbst kleine Herausforderungen ein. Mich faszinieren die Experimente selbst immer wieder und ich finde es toll, dass im Zweifelsfall alles überprüfbar und reproduzierbar ist. Für mich ist es ja auch ein Lerneffekt, genau wie für das Publikum. Und natürlich ist es auch schön zu sehen, wie sich auch die Erwachsenen fühlen wie Kinder, wenn sie die Experimente sehen und sich begeistern lassen.