Fallersleben. 1500 Besucher rockten beim zünftigen Oktoberfest in Fallersleben das Festzelt. Darum stand beim Fassanstich ein Saarländer im Rampenlicht.

Diese Sause hatte es mal wieder in sich. Dass es weit nördlich vom Weißwurst-Äquator gelingen kann, ein Oktoberfest nach bayrischem Vorbild zum Dauerbrenner zu machen, stellte die erste Herrenhandball-Mannschaft des VfB Fallersleben um Uwe Wacker bei der achten Auflage der alpenländischen Gaudi eindrucksvoll unter Beweis.

Für die bereits seit neun Wochen ausverkaufte zünftige Party im Festzelt am Windmühlenberg, hatten sich die 1500 Besucher fast ausnahmslos mit Dirndlkleid und lederhose passend schick in Schale geworfen. In weiß-blauer Bierzeltatmosphäre wurde zur Musik der bayrischen Partyband „Members“ bereits am frühen Abend ausgelassen gefeiert.

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Damit mehr Besucher direkte Tuchfühlung zur Bühne haben, war das pulsierende Herzstück erstmals mittig und die Tische in U-Form drum herum aufgebaut. Zudem gab es erstmals eine Sektbar. Serviecepersonal in Trachtenlook hatte alle Hände voll zu tun, um den Durst nach Bier zu stillen. Die Maß Bier kostete 12 Euro. Das sind locker zwei Euro weniger, als sie die Besucher des Münchner Oktoberfestes hinblättern müssen, das am gleichen Tag eröffnet wurde.

Während dort Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter beim Fassanstich den Holzhammer schwang, hatte Wacker für das Eröffnungsritual in Fallersleben einen Saarländer verpflichtet. Das war dem Umstand geschuldet, dass SPD-Landtagsabgeordneter Immacolata Glosemeyer wegen Krankheit abgesagt hatte. Erik Roersch bescherte das die Rolle im Rampenlicht. „Für mich ist das eine besondere Herausforderung“, sagte er augenzwinkernd. „Ich komme aus einer Weingegend, wo es eher gilt, den Korken rauszuziehen, als den Pfropfen reinzuschlagen.“ Die unerwartete Hauptrolle hatte bei Roersch, der auf Wackers Einladung extra zum Oktoberfest angereist war, den Ehrgeiz auf den goldenen Schlag geweckt. Das gelang nicht ganz, aber nach dem zweiten Schlag floss das Freibier in Strömen.

Ich komme aus einer Weingegend, wo es eher gilt, den Korken rauszuziehen, als den Pfropfen reinzuschlagen.
Erik Roersch stach das Fass an

Band „Members“ heizt Oktoberfest-Fans in Fallersleben ordentlich ein

Partystimmung herrschte ab dem Moment, als die „Members“ die Bühne betraten. Ohne Aufwärmphase verlangten die Musiker den Besuchern charmant die erste Schunkelrunde ab. „Für den nächsten Song hängen wir uns direkt beim Nachbarn oder bei der Schwiegermutter rein“, rief der Bandleader ins Mikro. Das ließen sich die Besucher nicht zweimal sagen. Von da an rollte die Partywelle an den Tischen und bebte das Parkett vom kollektiven Stampfen.

Es mag dahingestellt sein, ob die Geschichte stimmte, wonach Sängerin Silva tags zuvor auf einer Dating-App Klaus aus Fallersleben gematcht hatte, der im Publikum gesucht wurde. Immerhin gab sie den Startschuss dafür, dass sich die Tanzfläche schlagartig füllte. Zu früher Stunde schwangen sowohl Discofox tanzende Paare als auch im Pulk hüpfende Teile der Dirndl-Fraktion zu deutschem Schlagern und alpenländischen Hits das Tanzbein.

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Zum Trachtenlook hatte es bei Sebastian nur oberhalb der Gürtellinie gereicht. „Ich habe es nicht geschafft, mir eine Lederhose zu kaufen“, berichtete der Wolfsburger, der das Fest als Hahn im Korb mit vier jungen Damen besuchte. Eine davon war Ehefrau Heike, die wie ihre Begleiterinnen Sportschuhe zum feschen Dirndl trug. „Damit lässt sich später besser auf die Bänke steigen“, erklärte Lena aus Wolfsburg den Beweggrund bei der Wahl des Schuhwerks, das bei der Damenwelt an diesem Abend dominierte. Das Quartett verschmähte das Bier, das die Kellner an ihrem Stehtisch vorbei an die Tische schleppten. Stattdessen gönnten sie sich zur Einstimmung einen Aperol-Spritz.

Organisator Wacker war von der Stimmung zum Auftakt beseelt. „Es tut mir leid, dass wir vielen absagen mussten, die gerne jetzt dabei gewesen wären“, sagte er. Weniger gut besucht war die Party, die am Vorabend an gleicher Stelle stattgefunden hatte. „Wir müssen überlegen, ob wir künftig den Freitag noch anbieten“, sagte Wacker.