Wolfsburg. Alles muss raus im gemeinnützigen Second-Hand-Shop am Laagberg. „Der Laden“ kann die steigenden Personalkosten nicht mehr stemmen.

Der gemeinnützige Second-Hand-Shop „Der Laden“ am Laagberg schließt nach 25 Jahren. Am Freitag und Samstag, 1. und 2. Dezember, sowie Freitag und Samstag, 8. und 9. Dezember findet in der Breslauer Straße 198 der Räumungsverkauf statt.

Alles muss raus: Zwischen 11 und 17 Uhr gibt es Weihnachtsdeko, Hosen, Jacken und Pullover, Abendgarderobe und Orchesterkleidung, Schuhe, Handtaschen und Modeschmuck, Bettwäsche und Gardinen, Stoff- und Wollreste, diverse Haushaltsgeräte und Werkzeug zum halben Preis. Später werden dann auch Käufer für Regale, den Verkaufstresen und andere Einrichtungsgegenstände gesucht.

In Wolfsburger Second-Hand-Shop beginnt der Räumungsverkauf

Die Deutsche Presse-Agentur vermeldete vor nicht allzu langer Zeit, dass Second-Hand-Ware in Deutschland im Trend liege. Der Handelsverband Deutschland prognostizierte für das Gebrauchtwarensegment in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von acht Prozent auf rund 15 Milliarden Euro. Die Wolfsburgerin Elke Braun merkte davon allerdings nichts.

„Leider kann ich den Trend in Wolfsburg im Second-Hand-Laden des Vereins Tabula nicht bestätigen“, sagte die ehemalige Ratsfrau im Spätsommer. „Der Laden besteht seit 25 Jahren, aber nun ist leider Ende des Jahres Schluss.“

„Der Laden“ hat zu wenig Kundschaft

Obwohl das gemeinnützige Geschäft in der Breslauer Straße 198 nach Brauns Schilderung qualitativ gute Kleidung und oftmals Artikel bekannter Marken führte, kauften dort nicht genug Menschen ein. „Wir haben gute Kundinnen, aber zu wenig“, sagt die Leiterin. Zugleich seien – unter anderem durch die Mindestlohnerhöhungen – die Personalkosten gestiegen. Das Defizit trage, über den Bildungsverein Tabula, der Steuerzahler.

Darum muss bis zum Ende des Jahres alles raus: Hemden, Pullover und Jacken, Taschen und Schuhe, Bilderrahmen, Kochtöpfe, Weihnachtsdeko und andere gebrauchte Waren. „Wir haben unendlich viele Sachen und müssen zusehen, dass wir sie alle loswerden“, kündigte Braun an. Sie schilderte auch, dass die Wolfsburger die aus ihrer Sicht verrücktesten Dinge in dem Laden neben dem Jugendhaus X-Trem abgaben. Mitte September lagen dort drei funktionierende Föhne und ein Lockenstab. „Ich weiß nicht, warum die Leute uns sowas alles bringen“, so Braun.

Zu wenig Kunden, zu hohe Personalkosten

„Der Laden besteht seit 25 Jahren, aber nun ist leider Ende des Jahres Schluss.“
Elke Braun, über den Second-Hand-Laden an der Breslauer Straße

„Der Laden“ wurde vor 25 Jahren durch das Selbsthilfewerk gegründet. Dazu gehörte auch das Café Extrem, für das sich keine Mitarbeiter und Auszubildenden mehr fanden, sowie ein mobiler Hilfsdienst. 2016 löste sich das Selbsthilfewerk nach mehr als 30 Jahren auf. Das Café Extrem wurde geschlossen.

Den Hilfsdienst übernahm die Wolfsburger Beschäftigungsgesellschaft. Der Second-Hand-Shop am Laagberg wurde formal vom Verein Tabula weitergeführt. Inoffiziell schmiss die ehemalige Selbsthilfewerk-Vorsitzende Braun weiter den Laden.

Second-Hand-Kleidung, Deko und Haushaltswaren müssen raus

In den vergangenen Jahrzehnten hat sie einige Trends miterlebt. Eine zeitlang hätten junge Leute Vintage-Kleidung gesucht. Nach der Retrowelle hätten junge Frauen plötzlich Poloshirts gekauft. Und vor etwa drei Jahren wollten alle große Lederjacken.

„Viele kaufen ganz bewusst aus Nachhaltigkeitsgründen Second Hand“, sagt Elke Braun. Die Kundinnen – zu 90 Prozent kauften Frauen im Laden ein – kämen aus der Gegend, aber auch aus dem Osten. Außerdem freuten sich Studenten, bei Heimatbesuchen am Laagberg Schnäppchen machen zu können: In anderen Städten sei Second-Hand-Mode teurer.

Am Freitag und Samstag gibt es Schnäppchen in der Breslauer Straße

Der deutsche Second-Hand-Boom wird aktuell vor allem durch den Online-Handel getragen. In einer nicht repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC gab etwa die Hälfte der Befragten an, schon einmal gebrauchte Kleidung für Erwachsene gekauft zu haben. Ebenso viele hatten dafür schon einmal Apps und Portale wie „Vinted“ oder „Kleinanzeigen“ genutzt.

Der Laden“ ist außerhalb der Räumungsverkaufstage unter der Telefonnummer (05361) 3 08 19 80 erreichbar.

Mit Material von dpa

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