Ortsrat Ehmen/Mörse plötzlich ohne Vize-Ortsbürgermeister

Ehmen/Mörse.  Nach einer geheimen Wahl und einem Patt gibt’s eine rechtlich kuriose Situation. Das Hohnstedter Holz soll Naturschutzgebiet werden.

1996 war Hans Herbert Maiwald erstmals in den Ortsrat Ehmen/Mörse gewählt worden.

1996 war Hans Herbert Maiwald erstmals in den Ortsrat Ehmen/Mörse gewählt worden.

Foto: LARS LANDMANN / regios24 (Archiv)

Mindestens bis zur nächsten Sitzung steht der Ortsrat Ehmen/Mörse ohne Vize-Ortsbürgermeister da: Hans Herbert Maiwald (SPD) hatte aus Altersgründen seinen Rückzug erklärt. Nach einer Kampfkandidatur entstand nach geheimer Wahl zunächst ein Patt. Und als zum zweiten Wahlgang plötzlich ein weiteres Ortsratsmitglied eintraf, gab’s eine rechtlich kuriose Situation, die sich auf die Schnelle in der Sitzung am Donnerstagabend nicht klären ließ.

Als nach der unentschiedenen Wahl ein zweiter Wahlgang fällig wurde, traf nämlich Sabrina Höfs (CDU) ein. Damit stand die Frage im Raum, ob sie am nächsten Wahldurchgang überhaupt teilnehmen dürfte. Ortsbürgermeister Peter Kassel (CDU) unterbrach die Sitzung, und schließlich verständigte sich der Ortsrat einstimmig, die Wahl des neuen Vize zu vertagen.

Hans Herbert Maiwald hörte aus Altersgründen auf

Zuvor hatte Kassel seinem Stellvertreter, der wegen der Corona-Situation vorsorglich nicht gekommen war, „ganz herzlichen Dank“ für dessen Engagement ausgesprochen. Gemeinsam kandidierten sie 1996 erstmals für den Ortsrat, „wir waren sogar Gegenkandidaten für das Ortsbürgermeister-Amt“.

Maiwalds „Dank für die vertrauensvolle, gute Zusammenarbeit“ an Kassel und für die Kollegialität an den Ortsrat richtete SPD-Fraktionssprecher Ingolf Viereck aus. „Er bedauert es sehr, heute nicht dabei sein zu können. Er hat aus Altersgründen gesagt: Mit 72 ist Schluss.“

Kampfkandidatur fürs Amt als Vize-Ortsbürgermeister

Als SPD-Mitglied rücke Ute Schmidt nach; die Mörserin (55) wurde einstimmig gewählt. Doch mit der Einigkeit vorbei war es, als der Ortsbürgermeister die Neue als seine Vertreterin vorschlug. Sogleich präsentierte Rüdiger Golz (PUG) den parteilosen Ex-FDP-Mann Frank Hocke (61) aus Mörse als Gegenkandidaten. Da half es auch nichts, dass Kassel und Viereck an die Tradition erinnerten, den Vize nach Fraktionsstärke zu wählen. Was deutlichen Widerspruch von PUG und Grünen auslöste.

Die Brisanz der Situation deutete sich bereits an, als Viereck darauf hinwies, dass abwesenheitsbedingt drei Ortsratsmitglieder fehlten – allesamt von der Christdemokraten, die offensichtlich gewillt waren, die SPD-Kandidatin mit den nur noch zwei Mitglieder starken Sozialdemokraten mitzuwählen. Die etwas später eintreffende Sabrina Höfs hätte daher im zweiten Wahlgang die Wahl zugunsten von CDU und SPD entscheiden können.

Hohnstedter Holz soll Naturschutzgebiet werden

An einem Strang zog der Ortsrat bei thematischen Entscheidungen: Einstimmig bei drei CDU-Enthaltungen empfahl er die Aufwertung des Hohnstedter Holzes vom Landschaftsschutzgebiet zum Naturschutzgebiet nach EU-Recht. Auf kritische Nachfragen stellte Claudia Leyers vom Umweltamt klar, dass sich die Nutzer von einzelnen Trampelpfaden verabschieden müssen: „Es gilt das Wegegebot – aber man könnte Ausnahmen festlegen.“

Geschlossen stimmte der Ortsrat für Erweiterungs- und Sanierungsarbeiten am Grundschul-Standort Mörse für knapp 1 Million Euro. Zum nächsten Schuljahr sollen die neuen Mobilbau-Module stehen, versicherte der Schul-Geschäftsbereichsleiter Christoph Andacht.

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