Corona in Wolfsburg: „Die Menschen nehmen alles zu leicht“

Wolfsburg.  Den Lockdown im Wolfsburger Awo-Heim haben Friedrun Schulze und Gertrud Grossmann gut weggesteckt. Doch sie erwarten eine zweite Corona-Welle.

Friedrun Schulze (links) und Gertrud Grossmann sind Bewohnervertreterinnen im Wolfsburger Awo-Heim Goethestraße.

Friedrun Schulze (links) und Gertrud Grossmann sind Bewohnervertreterinnen im Wolfsburger Awo-Heim Goethestraße.

Foto: Stephanie Giesecke

In der Hochzeit der Corona-Pandemie durften Senioren in Wolfsburg und ganz Deutschland ihre Pflegeheime monatelang nicht verlassen. Besuch war nicht oder nur sehr eingeschränkt erlaubt. Schrecklich, könnte man denken. Doch die Bewohnervertreterinnen des Awo-Heims in der Goethestraße haben die Zeit gut überstanden.

„Die erste Zeit fand ich es ganz schlimm, nicht mehr rauszudürfen“, erzählt Friedrun Schulze. „Aber dann hat man sich daran gewöhnt.“ Die 64-Jährige, die an Multipler Sklerose leidet, musste sogar ihren Hund weggeben. Trotzdem ist sie vor allem froh, dass es in ihrem Heim keinen Ausbruch gab.

Gertrud Grossmann hat den Corona-Frühling größtenteils in ihrem Zimmer verbracht

Aus Gertrud Grossmanns Sicht hätte es ebenfalls viel schlimmer kommen können. „Wenn wir den Chef nicht gehabt hätten! Dass der so durchgegriffen hat“, sagt die 85-jährige Seniorin. Nachdem ein Bewohner nach seinem Tod positiv auf das Coronavirus getestet wurde, stand das Heim unter Quarantäne. Grossmann hat die meiste Zeit in ihrem Zimmer verbracht. „Aber Langeweile habe ich nie“, betont sie fröhlich.

Inzwischen darf Gertrud Grossmann das Heim einmal pro Woche verlassen, Friedrun Schulze so oft sie will. Ganz so oft sind die Wolfsburgerinnen trotzdem nicht unterwegs. Grossmann sitzt im Rollstuhl, Schulze ist auf einen Rollator angewiesen. Die Einkäufe erledigen meistens ihre Töchter für sie.

Kein Abstand, kein Mundschutz: Sorglosigkeit befremdet Heimbewohnerinnen

Was sie in der Innenstadt zu sehen bekommen und erleben, befremdet die Frauen. Grossmann war kürzlich mit ihrer Tochter in der City-Galerie. „Wie viele da schon ohne Mundschutz waren!“, staunt sie. „Man muss selber mit aufpassen.“

Auch Schulze macht um Fremde sicherheitshalber einen großen Bogen. „Die Leute passen nicht mehr auf“, ärgert sie sich. Im Drogeriemarkt stellte sie vor einigen Tagen eine Frau zur Rede, die ihr an der Kasse zu dicht auf die Pelle rückte. „Die Menschen nehmen das alles zu leicht“, findet sie. „Ich glaube, es gibt bald eine zweite Welle.“ Die 64-Jährige befürchtet, dass die Infektionszahlen mit der Rückkehr der Urlauber steigen werden.

Heimbewohnerinnen zu Corona: „Man muss aufpassen, auch auf die anderen“

Und wenn die zweite Welle kommt? „Dann laufen wir hier eben wieder im Kreis“, sagt Schulze mit einem Blick zum großen Garten des Pflegeheims. „Am Bauch habe ich ganz schön zugenommen in der Zeit. Die Pralinen schmecken abends immer noch.“ Trübsal will sie auf keinen Fall blasen. Packt sie doch mal die Langeweile, putzt sie dagegen an.

Gut finden die Frauen, dass sie sich an die Mitarbeiter wenden können, wenn ein anderer Bewohner einen Durchhänger hat. „Dann werden mehr Gespräche geführt“, erklärt Schulze. „Man muss aufpassen, auch auf die anderen.“

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article230079632/Wolfsburger-Heimleiter-Es-reicht-wenn-einer-das-Virus-hat.html

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