Initiative stellt Gesichtsschutz mit 3D-Druckern her

Wolfsburg.  Mehr als 30 Freiwillige aus Wolfsburg, Braunschweig und Umgebung sind beteiligt. Die Ausrüstung wird an medizinische Einrichtungen verschenkt.

Christian Milbrandt (rechts) stellt Gesichtsschutz mit dem 3D-Drucker her. Hier ist er mit einem weiteren Projekt-Teilnehmer, Lars Andresen, im Braunschweiger Maker-Space zu sehen.

Christian Milbrandt (rechts) stellt Gesichtsschutz mit dem 3D-Drucker her. Hier ist er mit einem weiteren Projekt-Teilnehmer, Lars Andresen, im Braunschweiger Maker-Space zu sehen.

Foto: Privat

In der Coronakrise ist Schutzausrüstung ein rares Gut geworden. Zahlreiche Freiwillige engagieren sich deshalb, nähen Mundschutze selbst und verschenken sie an ärztliches Personal. So auch Christian Milbrandt: Nur dass er, zusammen mit mehr als 30 weiteren Personen aus Wolfsburg und Umgebung, nicht näht, sondern mit dem 3D-Drucker Ausrüstung herstellt. Genauer: Einen Gesichtsschutz mit einem Visier aus Plexiglas. Gerade habe das Klinikum Wolfsburg 1000 Stück bestellt, an das Hanns-Lilje-Heim habe er bereits 15 ausgeliefert, berichtet Milbrandt: 50 weitere seien dort bestellt worden.

Milbrandt lebt in Weyhausen, arbeitet aber in Wolfsburg – hier vermietet er Fotoboxen. Zuhause hat er gleich drei 3D-Drucker stehen. Über eine Facebook-Gruppe wurde er auf das Projekt „Maker vs Virus“ aufmerksam, erzählt er. „Da kann jeder beitreten: Sowohl Leute, die mitmachen wollen, als auch Einrichtungen und Ärzte, die Ausrüstung brauchen“, erzählt Milbrandt. Er sei einer Braunschweiger Untergruppe der Initiative beigetreten – eine Wolfsburger gab es nicht. Das Projekt finanziere sich über ein Spendenkonto.

Über die Webseite erhalten die Freiwilligen die notwendigen Daten, mit denen sie ihre Drucker füttern können. Damit können sie die Halterungen drucken, an denen das Visier befestigt werden kann. Pro Stück brauche ein Drucker etwa zwei Stunden, sagt Milbrandt. „Am Tag schaffe ich etwa 16 Stück“, erzählt er. Rechnet man die Erzeugnisse der mehr als 30 weiteren Freiwilligen in der Gruppe dazu, komme man auf eine nicht unerhebliche Zahl – abhängig davon, wie viele Drucker jeder besitze und wie viel Material jeder zur Verfügung habe. „Im Moment verdrucken wir alle unsere Reste – danach könnte es natürlich knapp werden, wenn der Nachschub auf sich warten lässt.“

Die Halterungen, die von den Druckern hergestellt werden, müssen noch mit einer Plexiglas-Scheibe ausgestattet werden: Erst dann ist der Gesichtsschutz fertig. „Das wird im Maker-Space in Braunschweig gemacht“, erzählt Milbrandt. In der offenen Werkstatt für Tüftler gebe es einen Laser-Cutter, mit dem das Plexiglas in die richtige Form geschnitten werden kann. „Die Teile liefern wir zusammen an Ärzte und Krankenhäuser aus: Dort werden sie zusammengesteckt, desinfiziert und verwendet“, erzählt Milbrandt. Unter dem Gesichtsschutz werde zusätzlich ein Mundschutz getragen.

Die erste Einrichtung, die von dem Engagement der Tüftler profitieren konnte, war das HEH in Braunschweig. Über private Verbindungen sei man miteinander in Kontakt gekommen, erzählt Pressesprecherin Anja Schweers. „Wir sind ganz begeistert von der Initiative“, sagt sie. Die Bestellungen des Klinikums Wolfsburg über 1000 Gesichtsschutze übernehme ein einzelner Projekt-Teilnehmer, da er eine erhebliche Anzahl an Druckern zur Verfügung habe, so Milbrandt.

Das Projekt „Maker vs Virus“ wendet sich sowohl an Tüftler, die Schutzausrüstung herstellen möchten, als auch medizinisches Personal, das solches benötigt. Über die Internetseite können sich verschiedene lokale Gruppen gründen – wie die von Christian Milbrandt. Diese nutzt für ihren Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker Datensätze, die von dem tschechischen Start-Up „Prusa Research“ kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Verteilung der fertigen Ausrüstung an die Einrichtungen ist für diese ebenfalls kostenfrei – dies ist eine Bedingung des Projektes „Maker vs Virus“.

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