Schüler sezieren Schweineaugen im Phaeno

Wolfsburg.  Schulen sollen künftig noch mehr von den Bildungsangeboten in Wolfsburg profitieren. Das Phaeno wird so zum Klassenzimmer.

Volker Burgdorf, pädagogischer Mitarbeiter im Phaeno, seziert ein Schweineauge. Vian (von links), Leonie und Almira von der Wolfsburger Oberschule schauen gebannt zu.

Volker Burgdorf, pädagogischer Mitarbeiter im Phaeno, seziert ein Schweineauge. Vian (von links), Leonie und Almira von der Wolfsburger Oberschule schauen gebannt zu.

Foto: Lorena Hartmann / Phaeno

Als Volker Burgdorf die Plastikdose öffnet und darin mehrere Augäpfel hin und her kullern , schlägt Leonie die Hand vor den Mund. „Oh, mein Gott! Sind die echt?“, ruft die Zwölfjährige. Ja, sind sie. Der pädagogische Mitarbeiter im Phaeno seziert gleich Schweineaugen. Die Schüler der Klasse 6a der Wolfsburger Oberschule verfolgen gebannt jeden seiner Handgriff.

„Willst du mal riechen?“, fragt Burgdorf. Der zwölfjährige Ismael zögert. „Augen riechen nicht“, erklärt Burgdorf weiter. Fünf Schüler dürfen ihm bei seiner Arbeit direkt auf die Finger schauen. Für alle anderen wird per Videokamera auf eine Leinwand übertragen, wie Burgdorf mit einem Skalpell die Lederhaut des Auges bearbeitet und den Glaskörper entfernt.

Nur eine Stunde Physik in der Schule

Die Sechstklässler der Wolfsburger Oberschule nehmen an einem Projektangebot im Fach Physik zum Thema Optik teil. „Die Schüler sind vier Tage lang von 8.30 bis 13 Uhr bei uns im Phaeno“, sagt Phaeno-Mitarbeiterin Mareike Wilms, die das Programm betreut. „Sie lernen hier so viel wie sonst in einem halben Schuljahr“, so Wilms weiter. Jana Rössing, Naturwissenschaftslehrerin an der Oberschule, nickt zustimmend: „Wir haben normalerweise eine Stunde Physik in der Woche.“ Ihre Schüler seien begeistert von der Projektwoche im Wolfsburger: „Sie dürfen hier viel mehr experimentieren als in der Schule.“ Am Ende der Woche gibt es für die Schüler auch Noten.

Wie können Schulen im naturwissenschaftlichen Unterricht noch mehr von den Bildungsangeboten in Wolfsburg profitieren? Ausgehend von dieser Fragestellung entwickelte das Phaeno gemeinsam mit Lehrkräften der Hauptschule Fallersleben und der Wolfsburger Oberschule dieses neue Programm, das in das Physik-Curriculum der Schulen passt. „Wir haben in Wolfsburg ein unglaubliches Potenzial an außerschulischen Bildungsangeboten“, betont Marjatta Kießl vom Bildungsbüro der Stadt Wolfsburg. „Das wollen wir besser verfügbar machen“, fügt sie hinzu. Phaeno, Autostadt oder Hochschule könnten nicht nur einmalige Ausflugsziele, sondern regelmäßige Anlaufpunkte für Schulen sein, meint Kießl.

Angebot soll ausgeweitet werden

„Wir würden unser Projektangebot gerne für Wolfsburger Schulen erweitern“, zeigt sich Phaeno-Mitarbeiterin Wilms von der Idee begeistert. Diese Art des Unterrichts in der Projektwoche biete eine gute Möglichkeit, die Schüler durch eigenständiges Experimentieren zu motivieren und gleichzeitig individuell auf Leistungsunterschiede in der Klasse einzugehen. „Wir haben noch Kapazitäten frei und freuen uns, wenn der Dialog auch mit anderen Schulen stattfindet“, so Wilms weiter.

Bei den Wolfsburger Oberschülern kommt die Projektwoche sehr gut an – vor allem natürlich das Sezieren des Schweineauges durch Phaeno-Mitarbeiter Burgdorf. „Ich hatte zuerst Angst, dass das Auge platzt oder explodiert, als er reingestochen hat“, erzählt Vian. „Ich war erstaunt, was alles im Auge ist.“ Auch Leonie hatte ihr anfängliche Scheu schnell abgelegt: „Wir haben in der Schule nur ein Auge als Modell gesehen. Ich war neugierig, wie es von innen aussieht.“

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