Eine große harmonische Familie

Wolfsburg  Grizzlys zum Anfassen – Eishockey in Wolfsburg ist kein beliebiges Sport-Produkt.

Familiäre Atmosphäre, Stars zum Anfassen, Bodenständigkeit und dazu zur nationalen Spitze zählend – das ist Eishockey in Wolfsburg! Hier mussten Arbeit und Leidenschaft nicht erst zum Leitbild erhoben werden. Maloche ist seit Jahren die Basis der Grizzlys, die in der Deutschen Eishockey-Liga seit 2009 Dauergast in den Play-offs sind.

Mehr als 2700 Zuschauer besuchen mittlerweile die Heimspiele in der Eis-Arena. Hier steht Stadion-Gastronom Nafi Öztan noch selbst hinter der Theke des VIP-Raums und fiebert zwischendurch von der Tribüne aus mit. Hier stehen die verletzten Profis während der Spiele noch oberhalb des Familienblocks und erfüllen gern Foto- und Autogrammwünsche. Hier können Heim- und Gästefans noch gemeinsam in der Pause am Kiosk ein Kaltgetränk einnehmen.

So manches ist noch nicht bis ins letzte Detail durchprofessionalisiert beim Eishockey. Eben diese Momente sind es, die den Sport so erfrischend anders erscheinen lassen. Ganz abgesehen davon, dass es die Grizzlys auf dem Eis bisweilen richtig krachen lassen. Die Fans stehen hinter ihrem Team, auch in schwierigen Phasen. Söldnertum? Fehlanzeige in der Wolfsburger Mannschaft. Manager Charly Fliegauf achtet bei der Zusammenstellung des Kaders penibel darauf, dass die Spieler zur VW-Stadt und zur Region passen.

So landen überdurchschnittlich viele Familienväter im Allerpark. „Es ist viel geboten für Familien mit Kindern hier“, sagten zum Beispiel erst kürzlich Grizzlys-Torwart Jerry Kuhn und seine Ehefrau Amanda, die aus den USA stammen und mit ihren beiden kleinen Kindern nun hier leben. Auch das Wohnen am Stadtforst in Detmerode zum Beispiel genießen viele Profis. Einige halten sich einen Hund und lieben die langen Spaziergänge im Grünen.

So mancher Grizzly ist mittlerweile heimisch geworden in Wolfsburg. Zum Beispiel Sebastian Furchner. Der gebürtige Kaufbeurer lebte und arbeitete zuvor lange in Köln. Seit 2008 ist er hier und möchte gar nicht mehr fort. Mittlerweile hat er ein eigenes Haus, in dem er mit seiner Familie lebt. Dank eines Anschlussvertrags soll der 35-Jährige nach dem Ende seiner Aktiven-Zeit in die Klubarbeit eingebunden werden. „Wolfsburg“, erzählt er, „ist mittlerweile unsere Heimat geworden. Unsere erste Tochter war noch ganz klein, als wir herkamen. Unsere zweite Tochter ist hier geboren.“

Auch Christoph Höhenleitner, seit 2007 in Wolfsburg, länger als jeder andere seiner Teamkollegen, hat mittlerweile auch in Steine investiert und sich ein Haus gebaut. Der aus dem bayrischen Dachau stammende Profi fand nicht nur sportlich sein Glück in Südostniedersachsen, sondern auch privat. Ehefrau Valerie lernte er drei Monate nach seiner Ankunft hier kennen. Stieftochter Helena sowie die gemeinsamen Kinder Simon und Madeleine komplettieren das Familienglück.

Auch viele der ausländischen Profis identifizieren sich mit dem Klub. Das spürt der Fan sofort. Die Grizzlys-Verantwortlichen kümmern sich intensiv um das Wohlergehen ihrer „Gastarbeiter“. Da steht auch schon mal Teamarzt Dr. Nazem Hamade mitten in der Nacht auf, weil ein Kind krank ist und sieht nach dem Rechten. Das hat sich herumgesprochen in der Liga. So mancher Star verzichtete in der Vergangenheit auf ein paar zehntausend Euro und zog das Wohlfühlpaket Wolfsburg einem besser dotierten Angebot vor. Weiche Faktoren als Plus im Transferpoker.

Doch die Grizzlys können auch knallhart sein. Drei Spieltage vor Hauptrunden-Ende haben sie die Play-off-Teilnahme so gut wie sicher in der Tasche. Im März beginnt die heißeste Eiszeit des Jahres. Nach drei Vize-Meisterschaften in der Vergangenheit strebt das Team von Cheftrainer Pavel Gross den Titel an. Für die Grizzlys ist Arbeit und Leben in Wonicht nur eine Floskel. Sie genießen beides und sind stolz darauf.

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