Neuer Hingucker - der Nordkopf-Tower

Ein besonderer Clou sind die 45 000 Fassadenschindeln.

Wolfsburg. Was Architekten erdachten, Ingenieure planten und Handwerker bauten, nötigt Respekt ab: Der Wolfsburger Nordkopf-Tower steht. Im November 2017 eröffneten LSW und Stadtwerke ihr gemeinsames Kunden- und Verwaltungshochhaus.

Ein besonderer Clou ist die Fassade: Insgesamt 45 000 Fassadenschindeln wurden dort befestigt. Aus der Nähe betrachtet wirkt dies wie die Schuppen eines Fischs. Vorbild könnte das Guggenheim-Museum in Bilbao gewesen sein. Dort wurden ebenfalls Schindel verbaut - allerdings nur 33 000.

Gebäude, Linien, Achsen und Bauweisen der unmittelbaren Umgebung sind in die 34 Meter aufragende Stahlbeton-Konstruktion eingeflossen. In diesem als „Punkt“ errichteten Haus fließen sie zusammen, die ICE-Linie, die Heßlinger Straße und die Porschestraße (Kollerachse).

Von „Stadtkorrektur“ spricht Ansgar Schulz, dessen mit seinem Bruder Benedikt geführtes Büro in Leipzig den Nordkopftower entworfen hat. Nach zwei Jahren Bauzeit ist das Gebäude jetzt bezogen worden. Es hat das Gold-Zertifikat für nachhaltiges Bauen erhalten.

Oben, auf der Dachterrasse, sind die Schindeln greifbar. Sie fühlen sich metallisch an. Sind es auch: aus Aluminium. Ein spezieller Entwurf für dieses Haus, „die Haut“, sagt Schulz. Sie verleihen dem Tower ein metallisches, aber leichtes Aussehen – nicht unähnlich einer modernen Autokarosserie. Und ihre Schichtung mindert die enorme Höhe in ihrer Wirkung auf das menschliche Auge.

Die Außenwände verändern sich je nach Sonnenstand. An dunklen Tagen tauchen die oberen Etagen im Nachtschwarz ab, im Sonnenlicht strahlen sie hell und weit.

Der Bau eines Verwaltungs-Hochhauses war 2004 Bestandteil der Verschmelzung von „LandE“ und Stadtwerke zur LSW. 15 Millionen Euro waren dafür vorgesehen. Angesichts der Nachbarschaft mit Phaeno und Autostadt wurde die Messlatte an den Verwaltungsneubau höher gelegt und „architektonische Einzigartigkeit“ gewünscht.

Im Jahr 2008 verständigten sich die Entscheider bereits auf einen spektakulären Entwurf („Energie-Würfel“) eines Berliner Architektenbüros. Kosten: 22 Millionen Euro. In Zeiten der Finanzkrise fand sich indes kein solventer Co-Investor.

2012 wurde dann über eine abgespeckte Umsetzung des Entwurfs debattiert. Im Jahr 2013 legte man sich fest: Die Stadtwerke beteiligen sich am Neubau, im Frühjahr 2014 startete ein neuer Architektenwettbewerb. Ab Frühjahr 2015 rollten die Bagger, danach kamen die Kräne.

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