So lebte es sich am Zonenrand: Autor Pook liest in Schladen

Schladen.  Wie lebte es sich einst an der Zonenrandgrenze? Autor Uwe Pook gab Antworten – er las in Schladen aus seiner Romanbiografie.

Uwe Pook beschreibt in seiner Romanbiografie nach Nachkriegslebensgefühl im damaligen Zonenrandgebiet.

Uwe Pook beschreibt in seiner Romanbiografie nach Nachkriegslebensgefühl im damaligen Zonenrandgebiet.

Foto: Frank Schildener

Einen spannenden ersten Winterabend des Fördervereins Heimathaus Alte Mühle in Schladen versprach die Lesung mit dem Alt-Vienenburger Uwe Pook. Wegen des Andrangs wurde die Lesung ins Dorfgemeinschaftshaus verlegt. Im Heimathaus wäre es zu eng geworden. Worum ging es? Pook hat eine Romanbiografie geschrieben, die unter dem Titel „Heimat an der Zonengrenze“ Einblicke in die unmittelbaren Nachkriegsjahre und beginnende Wirtschaftswunderzeit versprach. Nicht alles, was Pook las, entsprach den Erfahrungen anderer, stellten einige Besucher, Zeitgenossen und mit dem seit vielen Jahren in Köln beheimateten bekannten Pook fest. Der Titel als Romanbiografie hatte dies bereits vermuten lassen.

Fiktion vermischt sich mit tatsächlich Erlebtem

Fiktion vermischte sich mit tatsächlich Erlebtem, das teilweise im Vorgetragenen, mehr noch aber im Gespräch im Anschluss an die Lesung deutlich wurde. „Es geht auch darum, ein Gefühl für die Zeit zu vermitteln“, so Pook. Auch Frank Überall, lange Jahre mit dem Autor bekannt und Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes, erklärte den Kunstgriff. Er hatte das Buch lektoriert und ein spannendes Lesevergnügen attestiert. Er moderierte den Abend.

Spannend war das vorgetragene allemal. Pook hatte seine ersten elf Lebensjahre bis 1955 in Vienenburg verbracht. Verwandtenbesuche führten ihn stellenweise nach Schladen oder Beuchte. So berichtete er von Schulbesuchen, die von Kopfnüssen oder Rohrstockschlägen begleitet waren, Jugendstreichen und Abenteuern im Zonenrandgebiet. Davon, dass viele Ältere, heute ebenso kaum mehr vorstellbar wie die Schläge als Erziehungsmittel, scharfe Waffen daheim hatten. Er beschrieb die drückende Stimmung Ende der 40er Jahre, als in Vienenburg ein Polizist ermordet worden war und man zunächst die Russen jenseits der Grenze als Täter vermutete. Dies sei eine der fiktiven Geschichten über jene ereignisreiche Zeit. Die drückende Stimmung habe es damals gegeben, trieb doch Serienmörder Rudolf Pleil in jenen Tagen vorwiegend im Zonenrandgebiet am Harz sein Unwesen. Immerhin sollen in den ersten fünf Nachkriegsjahren 13 Polizisten dort umgekommen oder ermordet worden sein.

Ausbüxen endet vor russischem Gewehrlauf

Neben dem vermeintlich oder wahr persönlich Erlebtem gab es auch Zeitgeschichte. Über die Geschichte Vienenburgs zum Beispiel. Auch über die eigene Freude, nach vielen Jahren das sanierte Bahnhofsgebäude in der Vorharzstadt zu sehen. Zu den wahren Abenteuern zähle auch sein „Ausbüxen“ von zu Hause. Das endete erst jenseits der Zonengrenze vor einem russischen Gewehrlauf und schließlich vor der Kutsche des Bruders in Schladen. So schloss sich der Kreis.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder