Mit „Wolfenbüttel handelt“ erfinden sich die Kaufleute neu

Wolfenbüttel.  Trotz der Pandemie fassen Wolfenbütteler Händler Mut und gründen eine beispielhafte Initiative.

Martin Koj, Jens Kalweit, Doreen Mildner und Susann Hesse ziehen eine positive Zwischenbilanz zu dem Projekt "Wolfenbüttel handelt". 

Martin Koj, Jens Kalweit, Doreen Mildner und Susann Hesse ziehen eine positive Zwischenbilanz zu dem Projekt "Wolfenbüttel handelt". 

Foto: Stephanie Memmert

Das hat es in Wolfenbüttel noch nicht gegeben. Auf der Langen Herzogstraße und in benachbarten Straßen herrscht Maskenpflicht. Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt. Restaurants und Kneipen sind geschlossen. In Geschäfte dürfen nur so viele Kunden hinein, wie es coronabedingt erlaubt ist. Die Pandemie hat die Stadt fest im Griff. Und trotzdem: Nach den stillen Tagen wird Wolfenbüttel festlich geschmückt. Die Kaufleute lassen den Mut nicht sinken.

Da ist zum Beispiel die Initiative Wirtschaft Wolfenbüttel (IWW). Sie zieht eine positive Zwischenbilanz zu ihrem Projekt „Wolfenbüttel handelt“. „Es hat uns wirtschaftlich betrachtet das Leben gerettet“, sagt Susann Hesse. Kurz nach dem Lockdown hatten sich die 62 inhabergeführten Geschäfte, die in der IWW zusammengeschlossen sind, entschieden, auf facebook auf sich aufmerksam zu machen und so die Kunden an sich zu binden.

Händler entdecken Facebook

„Jeder muss sein Geld verdienen. Wir haben uns gedacht, wenn die Kunden nicht zu uns kommen können, dann müssen wir zu den Kunden gehen“, schildert Jens Kalweit die Situation vom März. Und so hätten sie Facebook für sich entdeckt. Nachdem sie sich mit Kira Jahnke von der Stadt Wolfenbüttel zusammengesetzt hatten, war die Idee vollkommen: „Wolfenbüttel handelt“ stellt inhabergeführte Geschäfte auf der besagten Internet-Plattform in Wort, Bild und Film vor.

„Die Kunden sehen dabei auch die Produkte, die es bei uns zu kaufen gibt. Wenn sie sich dafür interessieren, konnten sie sich während des Lockdowns per Telefon, E-Mail oder Whats-App melden und das Produkt bestellen. Wir haben es dann verpackt und zum Kunden ausgeliefert“, berichtet Susann Hesse. Am Ablageort sei ein Foto gemacht und dem Kunden über Handy geschickt worden. Auf diese Weise habe es keine persönlichen Kontakte zwischen den Händlern und den Kunden gegeben. Zugleich habe der Kunde gewusst, dass seine Ware nun am verabredeten Ort zugestellt worden sei.

Videos kamen super an

„Am ersten Montag nach dem Lockdown sind wir in unseren Geschäften von den Kunden praktisch überrannt worden“, erzählt Kalweit weiter. Heute gibt es die Facebook-Seite „Wolfenbüttel handelt“ immer noch. Die Kunden können sich weiterhin über die Unternehmen informieren und Produkte anschauen. Dann aber begeben sie sich direkt in die Geschäfte, um die gewünschten Produkte zu kaufen. Nur auf besonderen Wunsch werden die Waren den Kunden auch noch an die Haustür geliefert.

„Die Fotos und vor allem auch die Videos sind super angenommen worden“, sagt Martin Koj. „Unsere Kunden sehen, dass hinter den Geschäften eben Menschen stehen“, ergänzt Susann Hesse. Sie gibt ein Beispiel: „Erst haben wir eine Jacke auf einem Bügel an eine Tür gehängt und fotografiert.“ „Ein Stillleben“, sagt Koj und lacht. Dann habe Susann Hesse die Jacke angezogen und das Foto von sich bei Facebook gezeigt. „So konnten die Kunden sehen, wie die Jacke sitzt“, erzählt die Geschäftsfrau.

Kosten konnten gestemmt werden

Mit „Wolfenbüttel handelt“ hätten die Geschäftsinhaber zwar nicht das aufgeholt, was sie ohne Lockdown verdient hätten, aber: „Unsere laufenden Kosten konnten wir stemmen“, sagt Kalweit. Ein ganz großes Dankeschön sagt die IWW der Stadt und dem Kreis Wolfenbüttel sowie der Kurt Mast Jägermeister Stiftung für den aufgelegten Solidarfonds. „Es ist noch Geld da“, meint Koj. Wer Mittel benötige, müsse nur bei der Stadt einen Antrag stellen. „Wolfenbüttel handelt“ jedenfalls soll fortgesetzt werden.

Unterdessen erarbeitet der Wolfenbütteler Unternehmensberater Michael Heimbs mit Einzelhändlern und Gastronomen einen neuen Lieferservice. Wenn die Kunden die Ware telefonisch oder online bestellen, soll sie noch am selben Tag bei ihnen zu Hause ausgeliefert werden. Und die Stadt Wolfenbüttel kündigt an, dass die Innenstadt vor Weihnachten noch üppiger als sonst geschmückt werden soll: mit Lichtinstallationen, Fotospots und Hunderten von Weihnachtsbäumen.

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