Wolfenbütteler erinnert sich an seine Reise nach Sibirien

Wolfenbüttel.  Der Wolfenbütteler Ekkehard Senf erinnert sich an seine Reise mit drei Freunden vor 40 Jahren nach Sibirien.

Ekkehard Senf liest in einer historischen Ausgabe der Wolfenbütteler Zeitung über seine Sibirienreise von damals. Gern erinnert er sich an die Reiseerlebnisse von damals. 

Ekkehard Senf liest in einer historischen Ausgabe der Wolfenbütteler Zeitung über seine Sibirienreise von damals. Gern erinnert er sich an die Reiseerlebnisse von damals. 

Foto: Privat

Es war einmal – so fangen viele Märchen an. Und auch die Sibirienreise vier junger Männer aus Wolfenbüttel könnte so anfangen. Denn ihre Reise ist nun schon sage und schreibe 40 Jahre her. Die lange Fahrt führte sie von Wolfenbüttel bis zum Baikalsee. „Einer dieser jungen Männer war ich“, sagt Ekkehard Senf und legt die Wolfenbütteler Zeitung von damals auf seinen Gartentisch.

Dann schwelgt er in Erinnerungen, denn im Herzen sind die Männer auch heute noch jung geblieben. Ihr Ziel sei es damals gewesen, mit der Transsibirischen Eisenbahn zu dem See zu reisen, dessen Schönheit in russischen Balladen nach wie vor besungen wird. Doch viel ist passiert seit der Reise, die damals noch in die Sowjetunion führte. Das war Ostern 1980.

Ekkehard Senf schrieb damals ein Tagebuch über die Reise. Sein Reisebericht wurde in mehreren Folgen in der Wolfenbütteler Zeitung abgedruckt. Mit Blick darauf, dass es sich um eine Reise in die Sowjetunion, also in ein Land hinter dem eisernen Vorhang handelte, erinnert er sich noch genau an die erste Reaktion in seinem Freundeskreis: „Und Ihr wollt immer noch fahren? – Jetzt, nach Afghanistan, da hätte ich aber Angst.“ Der bewaffnete Konflikt in Afghanistan hatte 1978 begonnen.

Doch die jungen Männer ließen sich nicht beeindrucken. Zu ihnen zählten: Thomas Hellemann, Jürgen Koszewski, Bernd Wolter und ihr Protokollant Ekkehard Senf. Um die 30 Jahre waren sie damals alt. Als Reisetermin hatten sie sich die Osterferien ausgesucht. Um Mitternacht war Treffpunkt im Contor, einer Gaststätte in Wolfenbüttel. Mit einem Taxi wollten sie zum Braunschweiger Bahnhof. Als der Taxifahrer fragte, wo die Reise denn hingehen soll, antworten die Männer: nach Sibirien. „Ja, ja“, habe der Taxifahrer gesagt und ihnen natürlich nicht geglaubt.

Mit dem Zug ging es nach Westberlin. Weiter nach Ostberlin. Um 9.35 Uhr sollte der Vogel in Schönefeld starten. Senf notierte damals: „Am Flughafen vor der Flughafenkontrolle anstellen. Koffer abgeben. (Keinen Film im Koffer lassen, weil der bei der automatischen Kontrolle belichtet wird.) Handgepäck mitnehmen; ich bin der Vorletzte. Das Handgepäck wird auch durchleuchtet. Zweifelndes Gesicht der Beamtin zu einem Offizier. Der sieht auch auf die Mattscheibe des Gerätes. ,Würden Sie bitte mitkommen. Persönliche Kontrolle. Warum gerade ich?“

Senf sitzt in seinem Gartenstuhl und denkt an damals. Gedanklich ist er noch einmal in dem kleinen Raum, in dem er seinen Parka mit schwarz-rot-gold an den Schultern ablegen musste. Er weiß noch, wie der Offizier ihn abtastete. Dann musste er seinen kleinen Koffer öffnen: Da! Ein Korkenzieher und ein Flaschenöffner lagen übereinander im Koffer. „Das muss gefährlich ausgesehen haben auf dem Bildschirm“, schreibt Senf im Nachhinein.

Ob er so eine Reise heute noch einmal machen würde? Senf blickt von der Wolfenbütteler Zeitung auf: „Wissen Sie, als Tourist fühlte man sich dort damals sicher, obwohl es eine Diktatur war. Man konnte nicht überfallen werden. Also, wenn ich noch mal 30 wäre, dann würde ich die Reise auch noch einmal machen.“ Fortsetzung folgt.

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