Wolfenbüttel – So was Liebes hast Du noch nicht gesehen!

Wolfenbüttel.  Eine Frau namens „Nika“ schrieb 1927 eine Ansichtskarte aus Wolfenbüttel an den weltberühmten Schriftsteller Stefan Zweig.

Diese Ansichtskarte schickte 1927 eine Nika aus Wolfenbüttel an den weltberühmten Schriftsteller Stefan Zweig nach Salzburg.

Diese Ansichtskarte schickte 1927 eine Nika aus Wolfenbüttel an den weltberühmten Schriftsteller Stefan Zweig nach Salzburg.

Foto: Collage Jürgen Runo

Die schon mehrfach verfilmte „Schachnovelle“ hat den Schriftsteller Dr. Stefan Zweig (lebte von 1881 bis zu seinem Selbstmord im Jahr 1942 in Petropolis/Brasilien) weltberühmt gemacht. Der 1881 in Wien geborene Schriftsteller bekam im Jahre 1927 eine Ansichtskarte aus Wolfenbüttel von einer Bekannten, die damals die Lessingstadt besuchte. Wittmars Ortsheimatpfleger Rainer Krämer kam rein zufällig in den Besitz dieser Karte, die am 31. Mai 1927 in Wolfenbüttel abgestempelt wurde.

Auf der Ansichtskarte ist das Wolfenbütteler Schloss und das Lessinghaus zu sehen in einer Aufnahme, die von der Herzog August Bibliothek aus gemacht worden war. Auf der Bildseite der Ansichtskarte hatte die Absenderin noch handschriftlich notiert: „Alles Beste! Deine Nika“.

Zweigs Bekannte, „Nika“, war von der Stadt Wolfenbüttel sehr beeindruckt und schrieb ihm: „Lieber Stefan, nein aber Wolfenbüttel, Wolfenbüttel, Wolfenbüttel ! So was Liebes hast Du noch nicht gesehen! Ich sitze hier im blühenden Garten der Bibliothek (von der es in diesem verschlafenen Nest keine Ansichtskarte gibt) und alles ist so still u. ausgeschlafen u. bezaubernd.“

Der von Krämer entzifferte Text geht anschließend in den persönlichen Bereich über. Wer diese „Nika“ war, das konnte Krämer bisher nicht ermitteln. Die Karte wurde von Wolfenbüttel nach Salzburg geschickt, wo Zweig nach Ende des Ersten Weltkriegs das desolate Paschinger Schlössl am Kapuzinerberg gekauft hatte, um es später zu bewohnen. Im Januar 1920 hatte Zweig die von dem Journalisten Felix Winternitz geschiedene Friderike Winternitz, die zwei Töchter in die Ehe brachte, geheiratet. Ob diese Friderike zufällig „Nika“ ist, das konnte bisher nicht ermittelt werden. Und ob Zweig jemals Wolfenbüttel oder die Herzog August Bibliothek besucht hat, dazu gibt es bisher auch keine Informationen. Ebenfalls noch offen ist, seit wann es Ansichtskarten von der Bibliothek in Wolfenbüttel zu kaufen gab.

Stefan Zweig wurde vor allem durch seine Prosawerke und romanhafte Biografien (Joseph Fouché, Marie Antoinette) bekannt. Das Gesamtwerk zeichnet sich durch eine hohe Dichte an Novellen und historisch basierten Erzählungen aus. So finden historische Persönlichkeiten von Ferdinand Magellan, Lew Tolstoi, Fjodor Dostojewski, Napoléon Bonaparte, Georg Friedrich Händel, Joseph Fouché bis Marie Antoinette in einer stark subjektiv personalisierten Geschichte Eingang in Zweigs Werk.

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