Bürgerinitiative gestaltet Winnigstedt neu

Winnigstedt.  Bürger setzen sich für das Dorf ein. Die Ideen sind mannigfaltig.

Der Dorftreff "Grenzenlos" trifft sich mindestens zweimal wöchentlich.

Der Dorftreff "Grenzenlos" trifft sich mindestens zweimal wöchentlich.

Foto: Tanja Reeve

Zunächst erscheint Winnigstedt im Südosten des Landkreises Wolfenbüttel wie ein niedersächsischer Durchschnittsort. Etwa 680 Einwohner leben dort. Es gibt so gut wie keine Geschäfte mehr. Aber: Die Initiative „Grenzenlos“ bietet einen Treffpunkt an und will die Menschen wieder zusammenrücken lassen.

Bürger geben nicht einfach auf

Das ist auch der Grund dafür, dass die Dorfbewohner nicht resignierten, als Apotheker, Schlachter, Bäcker und Supermarkt Anfang des Millenniums schlossen. Sie kämpften für den Erhalt der Grundschule und waren erfolgreich. Auch einen Kindergarten gibt es in Winnigstedt. Der Kiosk hält sich tapfer. Das Engagement der Bürger gipfelte vor anderthalb Jahren in der Schaffung des Dorftreffs. Der trifft sich nun immer montags und freitags.

Der Dorftreff begrüßt jedermann

„Wir haben unsere Erwartungen nicht hoch geschraubt“, erzählt Angelika Christ. Die 58-jährige Winnigstedterin hat mit anderen aktiven Dorfbewohnern den Dorftreff „Grenzenlos“ initiiert. Um 15 Uhr schließt sie montags mit Jennifer Burtzlaff und Dagmar Kasten den Treffpunkt an der Teichstraße auf. Ein Holzschild weist auf die Existenz der Initiative hin.

In sämtlichen leeren Schaufenstern und Schaukästen hängen die Frauen Hinweisschilder auf den Dorftreff auf. Mit Erfolg? „Die Jüngeren, ich sage mal die 40-Jährigen, sind schwierig“, erklärt Dagmar Kasten. Die Berufstätigen seien durch den Beruf einfach zu beschäftigt. Die 74-Jährige war jahrzehntelang Sekretärin in der Grundschule. Sie kennt jeden – und jeder kennt sie. Mit Herzblut engagiert sie sich für die Gemeinschaft. „Man könnte einen Tag in der Woche am Schützenhaus einen Stand vom Biobauern und vom Schlachter aufstellen“, überlegt sie.

Ein Supermarkt fehlt

Überhaupt ist die Nahversorgung ist dominantes Thema, wenn es um das Leben in Winnigstedt geht. „Früher sah es ganz anders aus“, erzählt Luzia Dessaul. Die 90-Jährige flüchtete von Oberschlesien nach Niedersachsen. Vor sechzig Jahren habe es in Winnigstedt beispielsweise mehrere Schlachter und Bäcker gegeben. Vor 17 Jahren machte die Apotheke zu, 2015 schloss der letzte Kaufladen des Ortes. Heute müssen Bewohner mit dem Auto in die nächste Stadt fahren, um versorgt zu sein. „Schlimm, ganz schlimm“, pflichten die Tischnachbarn beim Dorftreff der alten Dame bei.

Der Bürgermeister weiß, wie Winnigstedt Aufmerksamkeit erzielt

Auch Bürgermeister Michael Waßmann geht zum Dorftreff. Der Sozialdemokrat versucht mit Hilfe des Internets, den Ort attraktiver zu machen. Ein Banner wirbt an der Hauptverkehrsstraße für die Internetseite der Gemeinde. In jenem Internetauftritt wirbt der Rat für Bauplätze und das kulturelle Leben. Seit aktiv Öffentlichkeitsarbeit betrieben werde, so Waßmann, gebe es auch mehr Zuhörer bei den Gemeinderatssitzungen. Auch die Einwohnerzahlen wachsen wieder – in den vergangenen Wochen habe es auch wieder Interessenten für Bauplätze gegeben. „Das ist nicht selbstverständlich“, meint der Kommunalpolitiker. Für ihn ist ganz klar: „Wir müssen von uns reden machen.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder