Eine Schau des Unbekannten

Wolfenbüttel  Die HAB zeigt Werke von Karl Schaper.

Kein ungewöhnlicher, aber ein unbekannter Karl Schaper ist in der Herzog-August-Bibliothek zu entdecken. Die neue Ausstellung „Begleitmusik und Knoblauchzöpfe“ zeigt den Künstler aus Apelnstedt fernab großer Werke mit Skizzen, Collagen und Notizen, denen der Charme des Unfertigen anhaftet.

Inhaltlich rücken Schapers Auseinandersetzungen mit Sprache und Literatur sowie seine politisch konnotierten Alltagsbeobachtungen in den Fokus. Die bekannten Holzbriefe schlagen eine Brücke in diese Schau des Unbekannten.

„Er liebte Wortspielereien“, berichtete Susanne Schaper über ihren 2008 gestorbenen Mann. Sie löst auf, dass „p/un d’Apelnstedt“ nur eine Essenseinladung gewesen sei. Die Kunsthistorikerin Susanne Pfleger beschrieb in ihrer Einführung Sprache als ein zentrales Moment im Oeuvre des Künstlers. Schaper habe sie als künstlerische Form und Kommentar genutzt. „So dumm und Gomorrha“ sei ein beispielhafter Ausschnitt, der irritiere und bleibe, so die Wolfsburger Museumschefin. Sie nannte Schaper einen „Solitaire“ in der Kunstszene nach 1945. Sein Werk besteche durch Witz und Schärfe.

„Der letzte Krieg braucht keine Sieger – kein Orden braucht letzter Soldat“ steht als Linoldruck auf einem Papier. Daneben die Zeichnung einer skelettierten und einer fleischigen Hand, die mit Knochen trommeln. Rund ein Drittel der Werke harren laut Aussage seines Sohnes Hans noch der Erschließung.

Er berichtete, sein Vater habe in der HAB das Wandelbare der Sprache an antiken Klassikern wie Ovids Metamorphosen studiert. In der Auseinandersetzung sei 1982 der geschnitzte „Brief an Ovid“ entstanden, der sonst im Meißner-Haus zu sehen ist.

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