Die Zuckerbäcker machten die Stadt weltweit bekannt

Dietmar Dolle erinnert an die Bundesfachschule für das Konditorenhandwerk

Die Bundesfachschule für das Konditorenhandwerk in Wolfenbüttel schloss am 31. Dezember 2004. Amateur-Historiker Dietmar Dolle erinnert in einer Ausstellung an die Geschichte dieser Einrichtung.

Die Bundesfachschule für das Konditorenhandwerk in Wolfenbüttel schloss am 31. Dezember 2004. Amateur-Historiker Dietmar Dolle erinnert in einer Ausstellung an die Geschichte dieser Einrichtung.

Foto: Archivfoto: Udo Starke

Sie sorgte dafür, das die Stadt Wolfenbüttel weltweit bekannt wurde. 2004 musste die Bundesfachschule für das Konditorenhandwerk aber ihre Pforten schließen. Die Schülerzahl reichte für den Betrieb nicht mehr aus.

An die 77-jährige Geschichte der Konditorenausbildung in Wolfenbüttel erinnert der Amateur-Historiker Dietmar Dolle in seiner neuen Ausstellung, die ab sofort im Fenster der Aktionsgemeinschaft Altstadt im Kleinen Zimmerhof zu sehen ist.

Lambrecht Schulgründer

Begründet wurde die Schule 1928 von Bernhard Lambrecht, der zunächst an der Großen Schule sein Abitur ablegte und danach in der Konditorei seines Vaters Hermann Lambrecht im Cafe Lambrecht an der Langen Herzogstraße 59 eine Konditorenlehre begann.

Dolle hat über den Begründer der Fachschule herausgefunden: "Der künstlerisch vielseitig interessierte Lambrecht wollte, auch angeregt durch die Stilbestrebungen des Weimarer Bauhauses, die herkömmliche Formgebung der Konditorenerzeugnisse erneuern und seinen Berufszweig von der Stufe der Zuckerbäckerei zu einem echten Kunst-Handwerk erheben."

Zu diesem Zwecke gründete er Anfang 1928 in Wolfenbüttel die "Privatschule für neue Konditorei-kunst". Die Konditorenschule wurde in einer Villa mit Anbau in der Lessingstraße in Wolfenbüttel, das jetzige Haus Nummer 30, eröffnet.

Sie reichte jedoch schon bald für die steigenden Schülerzahlen nicht mehr aus. Mit Unterstützung der Stadt Wolfenbüttel entstand am Neuen Weg 51a in nur wenigen Monaten ein Neubau mit Flachdach. Er wurde im Oktober 1930 bezogen. Hier konnte nun auch praktischer Unterricht im Backen angeboten werden.

Aufgrund des international schnell erworbenen guten Rufes kamen viele Besucher und Lehrlinge schon in den 1930er-Jahren aus dem Ausland, so aus Amerika, Kanada, Brasilien, Island, Holland, Schweden, Norwegen, Österreich, Ungarn, Rumänien. Später war die Schule auch in Japan sehr begehrt.

Bundesweites Zentrum

1971 starb Lambrecht. Bis 1995 wurde die Schule von Gregor Frey geleitet, danach bis zu ihrer Schließung von Wolfgang Weber. Bis in die 90er-Jahre war Wolfenbüttel das einzige bundesweite Zentrum für die überbetriebliche Ausbildung von Konditor-Lehrlingen oder – wie sie in Wolfenbüttel gern genannt wurden - von Zuckerbäckern. Als jedoch weitere Fachschulen eröffneten, reichte die Schülerzahl für Wolfenbüttel nicht mehr aus.

Ende 2004 musste die Schule, die Jahre zuvor noch für Helmut Kohl eine Kanzler-Torte kreiert hatte, schließen. Das Gebäude wurde vom Klinikum erworben und zum Verwaltungssitz umgebaut. Damit endete die 77-jährige Konditorenausbildung in Wolfenbüttel.

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