Viren sollen gefährliche Krankenhauskeime bekämpfen

Braunschweig  Antibiotikaresistenz ist ein globales Problem. In Braunschweig sucht man nach Lösungen. Grund genug für eine neue Serie.

Dr. Christine Rohde zeigt in ihrem Labor bei der DSMZ einen Phagencocktail aus Georgien.

Dr. Christine Rohde zeigt in ihrem Labor bei der DSMZ einen Phagencocktail aus Georgien.

Foto: Johannes Kaufmann

Es ist eine düstere Zukunftsvision: Das in den 1940er Jahren mit der Massenproduktion des Penicillin eingeläutete Zeitalter der Antibiotika könnte bald enden. Davor warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Grund dafür ist die Ausbreitung von Bakterien, die resistent geworden sind gegen die Wirkstoffe. Kann der Einsatz von Bakteriophagen (kurz: Phagen) die Probleme lindern? Phagen sind Viren, die Bakterien infizieren. In einer vierteiligen Serie beleuchten wir ab heute dieses Thema.

Die Folge der Antibiotika-Resistenzen können fatal sein: der Rückfall in eine Zeit, in der die Infektion einer Wunde nicht selten tödlich endete. Schon jetzt sterben weltweit etwa 700 000 Menschen im Jahr an Infektionen mit resistenten Keimen, davon geschätzt 50 000 in Europa und den USA. Besonders weit verbreitet ist das Problem in Südostasien, wo resistente Tuberkulose allgegenwärtig ist. Aber auch in Kliniken unserer Region ist beispielsweise jede vierte Probe des Bakteriums Staphylokokkus aureus bereits gegen mehrere Antibiotika resistent (MRSA).

Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung wird heute daher wieder intensiv nach neuen antibakteriellen Wirkstoffen geforscht. Doch neben dieser unverzichtbaren Suche werden auch alternative Ansätze erforscht. Dazu zählt auch der Einsatz von Phagen, der zu vielen Hoffnungen Anlass gibt.

Multimedia-Reportage: Phagen - Die Bakterienfresser

Eine der größten Sammlungen solcher Phagen lagert in Braunschweig. Mehr als 600 dieser Viren umfasst die Datenbank der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) mittlerweile. „Wir sammeln Proben aus der Umwelt, aus Flüssen, Teichen, Tümpeln, Klärwasser, Kanalisation, Erde“, sagt Christine Rohde, Kuratorin der Phagen-Sammlung an der DSMZ.

An Bakterienkulturen wird getestet, ob die gesammelten Proben passende Phagen enthalten – erkennbar an Löchern, die im „Bakterienrasen“ entstehen. Anschließend werden die Phagen klassifiziert und ihr Erbgut sequenziert. Sie werden in die Datenbank aufgenommen und können dann von anderen Forschungsinstituten bestellt werden. Das macht die DSMZ zum Knotenpunkt in einem internationalen Netzwerk der Phagenforschung.

In der Serie wird unsere Zeitung einigen Fäden dieses Netzwerks folgen. Wir beleuchten Forschungsprojekte, präklinische Studien, den Einsatz in der Tiermedizin und schließlich eine Phagenklinik im georgischen Tiflis.

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