Berlin. Viele Deutsche über 65 Jahren müssten ihre Häuser und Wohnungen altersgerecht umbauen, doch immer mehr haben einen ganz anderen Plan.

Jeder zweite Deutsche möchte gerne im Alter in seiner jetzigen Wohnung leben bleiben. Das Problem dabei: 56 Prozent bezeichnen die Ausstattung ihrer Wohnung als nicht altersgerecht oder barrierefrei. Unter den über 65-Jährigen wollen sogar 59 Prozent in ihrem heutigen Domizil wohnen bleiben. Doch nur zehn Prozent halten ihre Wohnung für barrierefrei, weitere 35 Prozent bezeichnen sie als „in großen Teilen barrierefrei“. Dies hat eine repräsentative YouGov-Online-Umfrage unter 2000 Erwachsenen für die BHW-Bausparkasse ergeben.

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Barrierefreiheit ist ein blinder Fleck im – obwohl in absehbarer Zeit die Boomer-Generation ins Rentenalter kommt“, sagt Dietmar König, Vorstandssprecher der BHW-Bausparkasse. „Die Umgestaltung unseres Wohnungsbestands für eine alternde Gesellschaft ist neben der energetischen Sanierung die zweite große baupolitische Aufgabe unserer Zeit.“

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Je geringer die Einkommen der Menschen, desto seltener leben sie in altersgerecht ausgestatteten Wohnungen. So bezeichnen nur 29 Prozent der über 50-Jährigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis 2000 Euro ihre Wohnung als altersgerecht. Nur zwölf Prozent haben beispielsweise eine Dusche mit ebenerdigen Einstieg. Bei Gleichaltrigen mit höheren Einkommen über 5000 Euro verfügen 37 Prozent über eine altersgerecht gestaltete Wohnung.

Altersgerechtes Wohnen: Umbau scheitert an Finanzierung

Viele Haus- und Wohnungsbesitzer schieben eigentlich notwendige Umbauten ihrer Immobilien auf die lange Bank. 44 Prozent der befragten Immobilienbesitzer wollen darüber „später“ entscheiden, unter den über 65-Jährigen sagen dies sogar 48 Prozent. Nur 15 Prozent der Befragten haben bereits eine altersgerechte Sanierung durchgeführt, weitere 14 Prozent planen dies in den kommenden zwei Jahren.

Schick und barrierefrei: Eine Dusche mit ebenerdigem Einstieg.
Schick und barrierefrei: Eine Dusche mit ebenerdigem Einstieg. © Franziska Gabbert/dpa-tmn/dpa | Unbekannt

Die Gründe dafür sind unterschiedlich: 38 Prozent zweifeln an der Notwendigkeit einer Sanierung, 29 Prozent nennen die Finanzierung als Hinderungsgrund. Und dies, obwohl der Bund altersgerechte Sanierungen seit Februar wieder mit einem Zuschuss unterstützt. Insgesamt werden über die staatliche Förderbank KfW 150 Millionen Euro in diesem Jahr als Fördermittel zur Verfügung gestellt. 2023 wurden damit 31.000 Wohneinheiten umgebaut.

Unter den sanierungswilligen Immobilienbesitzern will jeder Zweite für den Umbau auf Erspartes zurückgreifen, nur 23 Prozent setzen auf Fördermittel vom Staat. „Menschen mit Wohneigentum sollten die Sanierung frühzeitig angehen“, rät König. „Hier initiativ zu werden, erhöht nicht nur den Wert von Haus oder Wohnung, sondern auch die Chance auf ein selbstbestimmtes, komfortables Wohnen im Alter.“

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Ein Drittel der Deutschen kann sich im Alter auch vorstellen, in eine Wohngemeinschaft zu ziehen. Für die befragten Über-65-Jährigen wäre dies für 24 Prozent eine Option. Jeder Fünfte fände es attraktiv, in seiner eigenen Wohnung eine WG zu gründen und diese dafür gegebenenfalls barrierefrei zu modernisieren. 29 Prozent wären bereit, in eine kleinere Wohnung zu wechseln, um barrierefrei zu leben. Jeder Fünfte lehnt unterdessen jede Veränderung seiner jetzigen Wohnsituation ab, unter den über 65-Jährigen sagen dies sogar 31 Prozent.