Absatz der Marke VW bricht ein

Wolfsburg.  Die Kernmarke des Konzerns verkauft im Corona-Jahr 2020 15 Prozent weniger Autos. Auslieferungen von Elektro-Autos verdreifachen sich.

SUV verkaufen sich weiter wie geschnitten Brot. VW hat nun auch einen vollelektrischen in der Modellpalette, den ID4. Weltweit waren nur vier Prozent der von VW ausgelieferten Autos im vergangenen Jahr Elektro-Fahrzeuge.

SUV verkaufen sich weiter wie geschnitten Brot. VW hat nun auch einen vollelektrischen in der Modellpalette, den ID4. Weltweit waren nur vier Prozent der von VW ausgelieferten Autos im vergangenen Jahr Elektro-Fahrzeuge.

Volkswagen konzentriert sich in seiner Pressemitteilung zu den Absatzzahlen im Jahr 2020 lieber auf die guten Nachrichten: Demnach haben sich die Auslieferungen der vollelektrischen Fahrzeuge im vergangenen Jahr verdreifacht. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die Gesamtzahl der Auslieferungen um rund 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen ist. Grund dafür sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Insgesamt setzte die Kernmarke des VW-Konzerns 5,3 Millionen Autos ab, wie VW am Dienstag mitteilte.

VW konnte Weltmarktanteil trotz Pandemie halten

2019 waren es knapp 6,3 Millionen Fahrzeuge. Zum Jahresende setzte die für unsere Region wichtige Marke zum Schlussspurt an. So verkaufte VW im Dezember schon fast auf Vorjahresniveau 603.100 Fahrzeuge. Im Dezember 2019 waren es zwei Prozent mehr gewesen. Trotz des schwierigen Marktumfelds in der Corona-Pandemie konnte die Marke mit ihren Modellen Golf, Tiguan, Passat und Co. ihren Marktanteil ausbauen, wie VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer erklärte. „Volkswagen hat 2020 Stärke bewiesen“, betonte Zellmer. Trotz aller durch die Pandemie verursachten Einschränkungen im Autohandel habe VW seinen Weltmarktanteil halten und in einigen Regionen sogar leicht ausbauen können.

Absatzeinbrüche bei allen Herstellern

Der Absatzeinbruch in der Autoindustrie betrifft bis auf Elektroauto-Pionier Tesla alle Hersteller. Volumenhersteller wie VW müssen dabei höhere Absatzverluste verbuchen als Premiumhersteller wie beispielsweise Porsche, BMW oder Mercedes. Frank Schwope, Auto-Analyst der Nord-LB, geht deswegen davon aus, dass die Absatzzahlen des gesamten VW-Konzerns mit seinen zwölf verschiedenen Marken nicht ganz so stark eingebrochen sind wie die der Kernmarke. Die Zahlen gibt Volkswagen am heutigen Mittwoch bekannt. Während der Absatz der Autos mit konventionellem Antrieb im Corona-Jahr also einkrachte, verzeichnete VW bei den Elektro-Fahrzeugen einen sprunghaften Anstieg.

„Das Jahr 2020 war für Volkswagen ein Wendepunkt und der Durchbruch für das Thema Elektromobilität“, erklärte dazu Ralf Brandstätter, der Chef der Marke Volkswagen. VW verkaufte 2020 demnach mehr Hybrid- und Elektrofahrzeuge aus als je zuvor, insgesamt 212.000 – ein Plus von 158 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Der Anteil am Gesamt-Absatz ist mit 4 Prozent allerdings gering. Knapp 134.000 Autos davon waren rein batteriebetriebene Fahrzeuge. Brandstätter sieht die Marke „auf einem guten Weg unseren Anspruch zu erreichen, Marktführer bei batterieelektrischen Fahrzeugen zu werden“. In Deutschland stieg der Anteil von Hybrid- und Elektroautos bei den Auftragseingängen auf knapp 22 Prozent nach knapp 5 Prozent in 2019. Angetrieben wurden die Verkäufe von staatlichen Umweltprämien.

56.500 Einheiten von ID3 ausgeliefert

Die Marke VW hatte im September vergangenen Jahres mit viel Marketing-Getöse ihr erstes Modell der rein elektrischen Modellfamilie ID auf den Markt gebracht, den ID3. Er wurde 56.500 mal ausgeliefert, was Nord-LB-Analyst Schwope allerdings als „enttäuschend“ bezeichnet. Schwope: „Trotz Corona hätte ich mir höhere Zahlen versprochen.“ Wie VW mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 68.800 ID3 bestellt, aber nicht alle Bestellungen konnten ausgeliefert werden. Der Produktionsstart des Stromers war mit einigen Schwierigkeiten versehen, unter anderem hatte VW bei dem Modell mit Software-Problemen zu kämpfen. VW-Vertriebschef Zellmer erklärt dennoch: „Mit dem ID3 haben wir einen echten Volltreffer gelandet.“

Erfolg des ID.3 in Schweden groß

Er habe in vielen Ländern die Spitze der Verkaufscharts erreicht, im Dezember etwa in Finnland, Slowenien und Norwegen. „In Schweden war der ID.3 im Dezember 2020 sogar absolut das meistverkaufte Auto -- unabhängig von der Antriebsart“, heißt es von VW. Von den insgesamt 56.600 ausgelieferten Einheiten 2020 gingen nach Angaben der Wolfsburger 14.400 Autos an Kunden in Deutschland. Damit erreichte die Marke VW hierzulande im vergangenen Jahr Platz eins unter den vollelektrischen Fahrzeugen mit einem Anteil von 23,8 Prozent. Der E-Golf verkaufte sich laut VW weltweit 41.300 mal, der Passat GTE wurde 24.000 mal ausgeliefert und lag damit auf Platz drei der meist verkauften Elektro-Modelle bei VW.

Mehr als ein Drittel der Auslieferungen sind SUV

In 2020 hatte die Marke VW insgesamt neun neue Elektro- und Plug-In-Hybridmodelle auf den Markt gebracht. Der Absatzanteil dieser Fahrzeuge an den gesamten Auslieferungen kletterte in Europa von 2,3 Prozent in 2019 auf 12,4 Prozent in 2020. Damit laufen die Elektromodelle den Geländelimousinen aber noch längst nicht den Rang ab. Weltweit stieg der Anteil der SUV an den gesamten Auslieferungen bei Volkswagen von 29,8 Prozent in 2019 auf 34,8 Prozent in 2020. In diesem Jahr will VW diesen Marktanteil noch einmal steigern. Einen vollelektrischen SUV hat VW mit dem ID4 inzwischen auch in der Modellpallette.

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