Forscher entwickeln Elektro-Schneemobil aus Holz

Wolfsburg.  Der nachhaltigere Werkstoff ersetzt Stahl. Eine Wolfsburger Konferenz beschäftigt sich mit Leichtbau.

Prof. Klaus Dröder von der TU Braunschweig zeigt ein österreichisches Schneemobil, dessen Stahlkern durch Holz ersetzt wurde. Die Firma Weitzer hat so 140 Kilogramm Gewicht eingespart – und damit auch den Energieverbrauch des batteriebetriebenen Fahrzeugs reduziert.

Prof. Klaus Dröder von der TU Braunschweig zeigt ein österreichisches Schneemobil, dessen Stahlkern durch Holz ersetzt wurde. Die Firma Weitzer hat so 140 Kilogramm Gewicht eingespart – und damit auch den Energieverbrauch des batteriebetriebenen Fahrzeugs reduziert.

Foto: LARS LANDMANN / regios24

In Crashtests ist das Schneemobil mit Holzeinsatz immer wieder mit 30 Kilometern pro Stunde gegen eine Wand gefahren. „Das Mobil mit seiner hochfesten und steifen Tragkomponente aus Holz hat dabei sogar besser abgeschnitten als das mit Aluminium“, sagt Thomas Krenke, Leiter des österreichischen Energie- und Innovationszentrums Weiz, dass dieses sogenannte Überschneefahrzeug entwickelt hat.

Holz hat gegenüber Stahl im Automobilbau entscheidende Vorteile, erklärt Prof. Klaus Dröder von der TU Braunschweig, der auch Vorstand der Open Hybrid Lab Factory (OHLF) in Wolfsburg ist. Der entscheidendste ist wohl seine Leichtigkeit. „Er ist leichter als jedes Metall. Aluminium zum Beispiel ist dreimal so schwer wie Buchen- oder Birkenholz“, sagt Dröder. Das Schneemobil mit Holzkorpus ist demnach 140 Kilogramm leichter. Ein zweiter Vorteil: Holz sei quasi das Synonym für Nachhaltigkeit – im Gegensatz zu energieintensiv hergestellten Stahlprodukten.

Holz ist günstiger als Stahl

Die TU, die OHLF und die Innovationsgesellschaft Braunschweig richten am 23. September zum wiederholten Mal eine Konferenz zum Thema Produktion der Zukunft und hybride, also gemischte Strukturen aus. Der Fokus liegt in diesem Jahr auf hybriden Bauteilen, die benötigt werden, um Fahrzeug- und Antriebskonzepte der Zukunft umzusetzen, beispielsweise die E-Mobilität. Konferenzleiter Dröder: „Bei der Produktion klimafreundlicher Fahrzeuge rücken neben alternativen Antriebskonzepten immer stärker auch nachhaltige Werkstoffsysteme und neue Produktionstechniken in den Vordergrund.“

So ein nachhaltiger Werkstoff ist laut Dröder etwa Holz. Ein weiterer Vorteil dessen: Holz ist sehr viel günstiger als Stahl. Und in E-Autos dämpft Holz dem Wissenschaftler zufolge Geräusche besser als Stahl. „Weil das Motorengeräusch in E-Fahrzeugen wegfällt, hört man andere viel stärker, zum Beispiel das Reifenabrollgeräusch.“ Holz zu verwenden, sei deswegen auch in dieser Hinsicht ein Vorteil. Und wie steht es um den Brandschutz? Nach Angaben der österreichischen Entwickler von Weiz hat die Antwort darauf vor allem etwas mit der Modifikation von Holz zu tun, also damit, den Werkstoff Holz so durch beispielsweise chemische Verfahren zu verändern, dass es schwer entflammbar wird. „Holz kann auch so eingestellt werden, dass wir mit Brandschutz kein Problem haben“, sagt Wolfgang Knöbl, Leiter des Innovationsmanagement bei Weitzer Parkett.

20 Prozent Gewinneinsparung

Hybride, leichtere Strukturen im Autobau sind aber auch ohne Holz möglich. So stellt Prof. Dröder von der TU etwa eine Batteriewanne für Elektro-Autos vor, die mehrheitlich aus Kunststoff besteht, ansonsten aus Metall. Das reduziert das Gewicht des Bauteils laut Dröder um 22 Prozent. Die Kombination von Kunststoff und Metall sei auch bei Mitteltunneln möglich, den Bauteilen, die zwischen Fahrer und Beifahrersitzen liegen. Das sei vor allem für Sportwagenbauer interessant. „Wir haben dabei 20 Prozent Gewichtseinsparung gegenüber Blechtunneln, und das bei sehr moderaten Mehrkosten“, sagt Dröder.

Neben Innovation und Nachhaltigkeit ist den Forschern von der OHLF, die der – wegen Corona – virtuelle Veranstaltungsort der Konferenz sein wird, die Wirtschaftlichkeit der Produktionstechnik wichtig. Rechnet sich eine Innovation also für die Industrie oder nicht? Die Nähe zu Volkswagen erleichtert es den Wissenschaftlern nach eigenen Angaben, auch diesen Faktor mitzudenken und die eigene Forschung praxisnah zu machen.

30 Vorträge internationaler und nationaler Experten

In 30 Vorträgen und Diskussionsforen tauschen sich internationale und nationale Forscher, Entwickler, Biologen und Experten aus der Industrie zu diesen Themengebieten aus, darunter sind auch zahlreiche aus unserer Region. Außerdem stellen fünf Start-ups in einem Innovationswettbewerb ihre Ideen zu neuen Produktionstechniken für den hybriden Leichtbau vor.

Die Konferenz:

- Die „Conference on Future Production of Hybrid Structures“ richtet sich an ein Fachpublikum

- Die Tagung findet am 23. September von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr virtuell statt

- Kosten: 250 Euro (Studierende: 50 Euro), Anmeldung unter www.fphs2020.com

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