Niedersachsens Behörden wegen Schweinepest alarmiert

Braunschweig.  Otte-Kinast: Wir sind auf den Ernstfall gut vorbereitet. Schweinehaltern droht jetzt schon ein Preisverfall.

Wildschweine verbreiten die Afrikanische Schweinepest. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich - sie können sie aber übertragen. Deshalb ist Vorsicht gefragt.

Wildschweine verbreiten die Afrikanische Schweinepest. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich - sie können sie aber übertragen. Deshalb ist Vorsicht gefragt.

Foto: Jens Büttner / dpa-tmn

Deutschland hat seinen ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest. Die für Menschen ungefährliche Tierseuche wurde bei einem toten Wildschwein im brandenburgischen Spree-Neiße-Kreis nahe der polnischen Grenze festgestellt, wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag mitteilte. Eine Einschleppung nach Niedersachsen will das für die Tierseuchenbekämpfung zuständige

Landwirtschaftsministerium in Hannover unbedingt verhindern. „Wir sind in höchster Alarmbereitschaft und müssen nun noch wachsamer sein, um zu verhindern, dass sich die Afrikanische Schweinepest nach Niedersachsen ausbreitet“, sagte Ministerin Barbara Otte-Kinast. Die CDU-Politikerin machte zugleich deutlich, dass Niedersachsen auf den Ernstfall gut vorbereitet sei.

„Für Schlachthöfe entfällt wesentlicher Wertschöpfungsteil“

Der Ausbruch der Schweinepest hierzulande ist vor allem für die schweinehaltenden Betriebe eine schlechte Nachricht. Denn der Virus kann auch Hausschweine befallen und löst bei ihnen meist eine tödliche Erkrankung aus. Wie Albert Hortmann-Scholten von Landwirtschaftskammer Niedersachsen erklärt, gilt Deutschland seit diesem Donnerstag nicht mehr als ASP-frei und darf infolgedessen kein Schweinefleisch mehr nach China exportieren. „Damit entfällt für die Schlachthöfe ein wesentlicher Wertschöpfungsanteil“, sagt Hortmann-Scholten. „Denn Teilstücke wie Schnauzen, Pfoten, Backenfleisch, Haut, Knochen und Innereien, für die es im Inland so gut wie keine Nachfrage gibt, wurden bisher sehr gut nach China und in andere asiatische Staaten verkauft.“ Die konkreten Auswirkungen für die 5300

schweinehaltende Betriebe in Niedersachsen ließen sich noch nicht abschätzen, aber es drohe wohl ein Preisverfall. „Der aktuelle Preis von 1,47 Euro pro Kilo Schlachtgewicht wird voraussichtlich kaum Bestand haben“, sagte der Experte.

In Niedersachsen leben 8,3 Millionen Hausschweine

Niedersachsen ist das Bundesland mit den meisten Schweinen: Hier werden von bundesweit knapp 28 Millionen Tieren 8,3 Millionen Schweine, Zuchtsauen und Ferkel gehalten. 2017 wurden 1,75 Millionen Tonnen Schlachtmenge an Schweinefleisch produziert, 450.000 Tonnen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro wurden exportiert. In unserer Region ist der Schweinebestand nach Angaben von Ulrich Löhr, Chef vom Braunschweiger Landvolk, allerdings „äußerst übersichtlich“. Die Massentierhaltung findet überwiegend im Nordwesten des Landes statt. Löhr rechnet nicht damit, dass es zwischen Harz und Heide Sperrbezirke geben wird. „Obwohl der Fall in Deutschland war, ist er geografisch nicht sehr viel näher, als vor drei Tagen“, sagte er. Das tote Wildschwein wurde zehn Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt auf deutscher Seite entdeckt. In Polen grassiert die Seuche seit 2014 und breitete sich langsam aber stetig gen Westen aus.

Ministerium: Keine fleischhaltigen Lebensmittel aus Ausland mitbringen

Laut Naturschutzbund ist für die Ausbreitung vor allem menschliches Handeln verantwortlich. Die Behörden appellieren deswegen an die schweinehaltenden Landwirte, absolute Hygiene einzuhalten. Aber auch Nicht-Landwirte sollen verstärkt darauf achten, keine fleischhaltigen Lebensmittel aus dem Ausland mitzubringen und „Speisereste unbedingt nur in dafür vorgesehene Behälter zu entsorgen“.

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