Live-Stream: In Zwickau startet der Bau des VW-Stromers ID.3

Wolfsburg.  Der Kompaktwagen ist das erste Modell einer rein elektrischen Fahrzeug-Familie. VW investiert in Sachsen 1,2 Milliarden Euro.

ID.3-Vorserienproduktion im Werk Zwickau.

ID.3-Vorserienproduktion im Werk Zwickau.

Foto: Oliver Killig/VW (ARCHIV)

Am Montag beginnt im VW-Werk im sächsischen Zwickau eine neue Zeitrechnung. Dann läuft die Produktion des ID.3 an. Das Auto im Golf-Format ist das erste Modell der rein elektrischen ID-Familie. Die ersten Planungen begannen Ende 2015 in Wolfsburg, das Werk Zwickau wird seit vergangenem Jahr umgerüstet. Der ID.3 selbst wurde erst im September auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Produktionsstart des ID.3 in Zwickau wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

Das Auto ist wie auch der Golf 8 für die Marke VW ein Hoffnungsträger. Mit den ID.-Modellen will der Autobauer das Tor in eine neue, CO2-ärmere Zukunft der Mobilität aufstoßen. Außerdem sollen die Autos gewährleisten, dass Volkswagen die strenger werdenden CO2-Auflagen erfüllt. Sonst wird es für die Wolfsburger wegen der drohenden Strafzahlungen richtig teuer.

Zwickau soll die erste Fabrik von VW werden, die ausschließlich E-Modelle produziert. VW investiert nach Angaben von Thomas Ulbrich, im Vorstand der Marke VW für die Elektro-Mobilität verantwortlich, 1,2 Milliarden Euro in den Umbau des Werks. Die Umstellung erfolgt schrittweise. Bis Mitte nächsten Jahres wird in Zwickau auch noch der Golf Variant gefertigt; die Golf-Produktion wird dann aber in Wolfsburg gebündelt. In einem nächsten Schritt sollen die Werke Emden und zum Teil auch Hannover auf die Produktion von Stromern umgerüstet werden.

Laut Ulbrich liegen für den ID.3 bislang mehr als 35.000 Vorbestellungen vor. Die Reichweite beträgt je nach Ausstattung zwischen 330 und 550 Kilometern. „Wie zuvor schon der Käfer und Golf soll nun auch der ID.3 den Maßstab für die individuelle Mobilität seiner Zeit setzen“, sagt Ulbrich.

In Zwickau sollen nach dem vollständigen Umbau ab 2021 bis zu 330.000 E-Autos jährlich produziert werden. Außer in Deutschland will VW Stromer in China sowie in den USA fertigen. „In den nächsten zehn Jahren wollen wir konzernweit 22 Millionen reine E-Autos verkaufen“, sagt Ulbrich. 2030 solle der Anteil der E-Fahrzeuge an den Auslieferungen der Marke VW auf mehr als ein Drittel steigen. Heute erreiche die E-Auto-Quote nicht mal ein Prozent.

VW wird auch sein neues Modell im Baukasten-System fertigen. Dafür wurde der Modulare Elektrifizierungsbaukasten entwickelt. Das Prinzip: Bauteile und Produktionsschritte werden vereinheitlicht. Das spart Kosten. Ulrich: „Mit jedem verkauften Fahrzeug steigt die Wirtschaftlichkeit. Volkswagen kann die Großserie, das beweisen wir seit vielen Jahren.“ Weil der Umbau auf die E-Mobilität Milliarden-Investitionen erfordert, ist VW darauf angewiesen, dass die E-Fahrzeuge möglichst rasch Gewinne einfahren.

Ein Hebel dafür ist quasi eingebaut. Denn E-Autos sind weniger komplex als Verbrenner. Daher wird die Produktivität in den Werken steigen. „Künftig bauen wir mit derselben Mannschaftsstärke deutlich mehr Autos“, sagt Ulbrich. Noch bis zum nächsten Jahr werden alle 8000 Mitarbeiter im Werk Zwickau in Schulungen auf die neue Technik vorbereitet. In Summe durchlaufen sie laut Ulbrich 13.000 Trainingstage. Zu den Inhalten gehört auch der Umgang mit Starkstrom.

Auch wenn der ID.3 in Zwickau gebaut wird, ist er doch auch ein „Kind“ unserer Region. Ulbrich: „Entwickelt wurde er in Wolfsburg. In Braunschweig bauen wir die Batteriesysteme. Die E-Maschine kommt aus Kassel mit wichtigen Komponenten aus Salzgitter.“ Perspektivisch sollen aus Salzgitter auch Batteriezellen kommen, die VW gemeinsam mit dem schwedischen Partner Northvolt in einer neuen Fabrik herstellen will.

Bei dem Umbau und den Produktionsläufen der Werke Emden und Hannover sollen die Erfahrungen, die VW in Zwickau gesammelt hat, helfen. „Wir wollen bei der E-Mobilität zu den Vorreitern gehören und den Automobilstandort Deutschland langfristig stark halten“, sagt Ulbrich.

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