Hier gibt es Volkswagen am Stück und in Einzelteilen

Im Autohaus Gitter treffen Mitarbeiter auf verärgerte Dieselkunden – und bleiben sachlich.

Andreas Jacobi (von links), Carolin Kuhlmann und Patrick Martschei arbeiten in Erfurt im VW-Autohaus Gitter.

Foto: Paul-Philipp Braun

Andreas Jacobi (von links), Carolin Kuhlmann und Patrick Martschei arbeiten in Erfurt im VW-Autohaus Gitter.

Direkt vor den Toren der thüringischen Landeshaupt Erfurt steht eine kleine Kapelle. Entstanden im 14. Jahrhundert und Sankt Georg geweiht, bildet sie – gleich neben einer langen Einfallstraße gelegen – ein kleines Tor zur Stadt.

Doch könnte diese kleine Kapelle eigentlich auch dem Heiligen Christophorus als Schutzpatron der Autofahrer geweiht sein – gehört sie schließlich seit einigen Jahren schon zum angrenzenden VW-Autohaus Gitter. Einem Erfurter Traditionsbetrieb, der in den 70er Jahren als kleine Trabant-Werkstatt begann und nach der Wende und dem damit verbundenen Ende des Trabbis auf VW umsattelte. Mehr als 160 Mitarbeiter gehören heute zu dem Unternehmen. Einer von ihnen ist Andreas Jacobi.

Aus dem Süden Thüringens kommend, lernte er in Erfurt den Beruf des KFZ-Mechanikers: „Ich fand Autos und das, was mit ihnen zu tun hat, schon immer spannend. Also schlug ich vor 16 Jahren meine Laufbahn in dieser Branche ein und habe es bis heute nie bereut.“ Auch wenn der

43-jährige Jacobi inzwischen privat lieber auf dem Mountainbike unterwegs ist, strahlt sein ganzes Gesicht, wenn er über seinen Beruf spricht.

Seit einem Jahr leitet der Familienvater die neu geschaffene Großkunden-Betreuung des Autohauses. Ein Bereich, der immer wichtiger werde, wie Jacobi berichtet: „Unser Haus betreut viele Geschäftskunden, die über große Fahrzeugflotten verfügen. Da gilt es dann, dass TÜV, Reifenwechsel und kleinere Reparaturen schnell und unkompliziert abgewickelt werden können.“

Unterstützt wird Jacobi dabei auch von seiner Kollegin Carolin Kuhlmann. Die 30-Jährige organisiert bei Gitter den Teiledienst. Nach beruflichen Stationen in Cottbus und in Dresden kam die gebürtige Brandenburgerin vor acht Jahren nach Thüringen. Inzwischen leitet Kuhlmann die Abteilung, von der nur wenige Kunden wissen, was sie genau macht – und die dennoch aus einem erfolgreichen Fahrzeughandel nicht wegzudenken ist. „Wenn mich jemand fragt, welche Aufgabe ich habe, so ist die Antwort einfach: Bei mir bekommt man einen Volkswagen in Einzelteilen.“

Doch auch Carolin Kuhlmanns persönliche Lebensgeschichte ist eng mit VW verbunden. „Mein Vater ist so lange ich denken kann ein Volkswagen-Kunde. Mein erstes Auto war ein Lupo in Jazzblue mit Perleffekt. Ich war damals richtig stolz darauf und wusste, dass deutsche Autoqualität so aussehen muss.“

Doch auch in Erfurt litt der Ruf des Autobauers, als im Herbst 2015 der Abgas-Skandal um VW durch die Medien ging. Einer, der damals an vorderster Front war, ist Patrick Martschei. Der 30-jährige Automobilkaufmann, dessen familiäre Wurzeln im Brandenburger Spreewald liegen, kam 2011 in das Erfurter Familienunternehmen Gitter und musste so nur einige Jahre nach seinem Berufsstart einen Vertrauensverlust bei den Kunden und Interessenten erleben.

„Es war eine wirklich schwierige Zeit für uns. Vor allem im Familien- und Freundeskreis sorgte die Diesel-Krise für Gesprächsstoff. Alle wollten wissen, wie es sein könnte, dass VW bei den Werten schummle.“ Und auch beim Neuwagenverkauf sei die Diesel-Krise selbstverständlich ein Thema gewesen – und sie bleibe es bis heute, sagt Patrick Martschei: „In der Regel hilft es aber, wenn man sachlich über die Vorfälle spricht und den Kunden erklärt, dass die beanstandete Software schnell zu entfernen ist. Einen vollkommenen Vertrauensbruch zwischen Kunden und VW, den habe ich selten erlebt.“

Auch sein Großkunden-Betreuer Andreas Jacobi kann der Einstellung seines Kollegen nur beipflichten: „Unsere Gewerbekunden sind ein immer wichtiger werdender Wirtschaftszweig. Wenn man ihnen nicht offen und ehrlich gegenübertritt, dann hat man sie schnell verloren.“

Es sei wichtig, da sind sich Jacobi und Martschei einig, dass sowohl bei Privat- als auch bei Geschäftskunden ein offenes und ehrliches Klima herrsche, um dem Mobilitäts-Bedürfnis der Menschen gerecht zu werden.

Und auch Caroline Kuhlmann ist sich sicher: „Die Entwicklung geht hin zu immer mehr Selbstfahr-Mechanismen und zur Elektro-Mobilität. Wenn wir Angebote schaffen, die den Kunden Mehrwert bieten, und dabei auch die eigene Geschichte nicht vergessen, dann haben wir auch für die Zukunft gute Chancen.“

Und vielleicht hilft auch hin und wieder ein kleines Gebet. Eine eigene Kapelle hat das Autohaus dafür ja schon.

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