VW will Entwicklung autonom fahrender Autos beschleunigen

Wolfsburg  Dafür schließt der Konzern mit dem US-Unternehmen Aurora eine Partnerschaft.

Der Sedric von Volkswagen auf der Automesse IAA im vergangenen Jahr. Die 42 steht für die „Weltformel“ 42 aus dem Film „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Der Sedric von Volkswagen auf der Automesse IAA im vergangenen Jahr. Die 42 steht für die „Weltformel“ 42 aus dem Film „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Foto: Boris Roessler, Uli Deck/dpa

Die Studie Sedric zeigt, wie sich der Volkswagen-Konzern die Zukunft der Mobilität vorstellt. Der Sedric ist ein selbstfahrendes Mobil, in dem sich die Passagiere wie in einer Seilbahn-Gondel gegenübersitzen. Weil sie sich nicht mit so „lästigen“ Dingen wie dem Steuern des Gefährts abgeben müssen, haben sie Zeit zum Arbeiten, für Spiele, zum Lesen oder gar zum Dösen. Der Verkehr rauscht also an ihnen vorbei. Der Sedric wurde Anfang vergangenen Jahres auf dem Autosalon in Genf vorgestellt. Der Name steht für Self dri ving Car – selbstfahrendes Auto.

Nun will Volkswagen das Thema autonomes Fahren beschleunigen. Wie der Konzern gestern mitteilte, vereinbarte er mit dem US-Unternehmen Aurora eine strategische Partnerschaft. Aurora beschäftigt nach VW-Angaben ein weltweit führendes Entwicklerteam von Soft- und Hardware für fahrerlose Autos und Mobilitätsdienstleistungen in Städten und auf dem Land. Aurora-Chef Chris Urmson arbeitete bis 2016 für Google und war dort einer der Verantwortlichen für das selbstfahrende Google-Auto.

Der Wolfsburger Konzern will durch die Partnerschaft mit dem US-Unternehmen seinem Anspruch gerecht werden, bei der Entwicklung selbstfahrender Autos eine führende Rolle zu spielen. So soll es in einigen Jahren nicht nur Autos wie die Studie Sedric geben, sondern auch selbstfahrende Pendelbusse, mobile Packstationen und LKW ohne Fahrerkabine.

Bei diesem Modell der Mobilität steht nicht mehr der Besitz eines Fahrzeugs im Mittelpunkt. Stattdessen soll Mobilität auf Knopfdruck ermöglicht werden – natürlich gegen entsprechende Bezahlung und als ergänzendes Geschäftsmodell zum Fahrzeugbau. VW-Chef-Digitalisierer Johann Jungwirth sagte: „Auf Knopfdruck steht für die Einfachheit der Bedienung und des Zugangs. Nutzer können dann unsere Mobilitäts-App oder den intelligenten digitalen Assistenten verwenden, um ein selbstfahrendes Elektrofahrzeug zu rufen und bequem von Tür zu Tür gebracht zu werden.“

Aurora-Chef Urmson bezeichnete die Kooperation mit Volkswagen als „tiefe Zusammenarbeit“, in die Aurora sein Know-how für das autonome Fahren einbringen werde. „Gemeinsam werden wir selbstfahrende Fahrzeuge in großem Maßstab auf den Markt bringen“, sagte er. Durch die Partnerschaft könnten beide Unternehmen ihre Ziele schneller erreichen.

Fraglich ist allerdings, ob diese neue Kooperation zwischen den Wolfsburgern und dem US-Unternehmen überall bei Volkswagen freudig begrüßt wird. Denn eigentlich hat bei der Entwicklung des selbstfahrenden Autos innerhalb des Volkswagen-Konzerns die Premium-Tochter Audi den Hut auf.

So soll das Top-Modell, der Audi A8, in seiner nächsten Generation bereits technisch befähigt sein, im Stau bis Tempo 60 eigenständig zu fahren. Auf der Autobahn 9 zwischen Nürnberg und München erprobt Audi zudem einen A7, der autonom fährt. Gut möglich also, dass Aurora in der Ingolstädter Audi-Zentrale als ungemütliche Konkurrenz empfunden wird.

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