VW-Händler attackieren Volkswagen

Wolfsburg  Bei aktuellen Vertragsverhandlungen kommt der Groll wegen des Abgas-Skandals zutage.

VW-Neuwagen stehen in der Morgendämmerung an einem Autohaus in Hannover.

VW-Neuwagen stehen in der Morgendämmerung an einem Autohaus in Hannover.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Lange hielten sie die Füße still. Nicht einmal anonym wollten sich Vertragshändler des VW-Konzerns dazu äußern, was der Abgas-Skandal für ihr Geschäft bedeutet. Umso heftiger fällt nun die öffentliche Kritik des Partnerverbands aus. Volkswagen will neue Verträge mit seinen Händlern und Werkstätten aushandeln. Die sehen sich dadurch in ihrer Existenz gefährdet.

Zu den geplanten Vertragsänderungen gehörten „massive Eingriffe in das bisherige Kerngeschäft des Handels“, schreibt Dirk Weddigen von Knapp, Geschäftsführer des Volkswagen- und Audi-Partnerverbandes, der nach eigenen Angaben knapp 2000 der gut 2300 in Deutschland niedergelassenen Händler der Marken Audi, VW PKW und VW Nutzfahrzeuge vertritt. Die deutschen Handels- und Servicepartner investierten täglich eigene Ressourcen, um die Folgen des Abgas-Betrugs geradezurücken und kämpften um jeden Kunden. „Anstatt diese Anstrengungen zu honorieren, nimmt man ihnen jetzt jede Planbarkeit und verschiebt die eigenen Kostenprobleme auf die Autohäuser“, so der Verbandschef.

Hintergrund der Vertragsverhandlungen ist der Umbruch in der Autoindustrie, vor allem durch die Digitalisierung. So sollen in Zukunft zum Beispiel einzelne Leistungen online buchbar sein, wofür der Kunde nicht mehr extra in die Werkstatt muss. Daneben beklagt der Verband, der Autobauer wolle den Verkauf von großen Flotten stärker selbst übernehmen und den Direktvertrieb übers Internet vorantreiben. Außerdem wolle Audi „erstmals in der Geschichte“ des VW-Konzerns nicht mehr jedem Partner die gesamte Produktpalette zur Verfügung stellen.

Die Premiumtochter hat die Gespräche mit den Partnern bereits aufgenommen. Die Inhalte sollen laut Verband jedoch mit den anderen Marken abgestimmt sein – er wertet sie als Konzernforderungen. Eine Konzernsprecherin sagte, VW stehe seit mehreren Monaten im intensiven Austausch mit Händlervertretern in ganz Europa, „um die bevorstehende und notwendige Transformation gemeinsam zu gestalten und auszuplanen“.

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