Lebensmittel mit Sonne kühlen

Wolfenbüttel  An der Ostfalia-Hochschule diskutierten Experten, wie Firmen Ressourcen sparen können. Denn das ist wichtig, um die Energiebilanz zu verbessern.

Blick in ein Kühlregal mit Milchprodukten – sie könnten ohne Strom mit Hilfe von Solarthermie gekühlt werden.

Blick in ein Kühlregal mit Milchprodukten – sie könnten ohne Strom mit Hilfe von Solarthermie gekühlt werden.

Foto: Uwe Zucchi/dpa

Na klar, wir versuchen, das Wasser nicht unnötig laufen zu lassen, das Licht auszuschalten, wenn wir einen Raum als Letzter verlassen. Und das Thema Stand-by ist auch bei vielen von uns angekommen. Darüber, dass das jedoch allein nicht reicht, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, waren sich die Teilnehmer der Regionalkonferenz Ressourceneffizienz einig. Sie kamen am Dienstag an der Ostfalia-Hochschule in Wolfenbüttel zusammen und diskutierten darüber, wie wir Energie und Rohstoffe noch besser nutzen und somit sparen können.

Holger Brüggemann, Professor an der Ostfalia-Hochschule und Vorstand der dort angesiedelten Niedersächsischen Lernfabrik für Ressourceneffizienz, einem Veranstalter der Konferenz, sagte, dass sich zwar viele Gedanken darüber machten, wie Energie aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt werden kann. „Aber bei der Energieeffizienz passiert wenig. Dabei steckt darin großes Potenzial.“ Auf Letzteres setzt auch das Bundesumweltministerium: „Eine Steigerung der Energieeffizienz dämpft den Anstieg der Energiepreise, senkt die Abhängigkeit von Energieimporten, mindert den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen und erhöht die Versorgungssicherheit.“ Doch wie ist das umzusetzen?

Nun, zunächst einmal ist eines zu klären: Ran müssen alle. Daher sei es auch wichtig, dass das Thema Ressourceneffizienz Bestandteil in Ausbildungen werde, sagte Manuel Weber vom Verein Deutscher Ingenieure. Doch vor dem Hintergrund, dass in Niedersachsen 46 Prozent der Energie von Unternehmen verbraucht wird, stünden sie bei dem Thema in gewisser Weise besonders im Fokus, sagte Brüggemann. Sie zierten sich allerdings ein wenig. Viele nähmen Förderprogramme nicht in Anspruch. Angesichts der vollen Fördertöpfe und der Fülle an Programmen sei das unverständlich, so Brüggemann. Zudem seien beispielsweise Mittel der KFW-Bank vergleichsweise einfach zu bekommen.

Dass es allerdings nicht nur um bürokratische Hürden geht, machte Michael Stieler, von der Stadt Goslar und für den Verein Goslar mit Energie tätig, deutlich: „Unternehmer müssen sich trauen, den Produktionsprozess aufzubrechen.“ Doch das lohne: „Danach arbeiten sie effizienter und wirtschaftlicher.“ Firmen müssten also überzeugt werden – und begleitet, wie Karin Oesten von der Allianz für die Region aufzeigt. Die Unternehmen müssten begleitet, bei der Beantragung von Fördergeld unterstützt werden, sagt sie. „Doch egal, welche Statistik man auswertet, die Region hat nicht die Struktur, um Unternehmen überhaupt ausreichend zu beraten.“ Daran müsse gearbeitet werden. Die IHK Braunschweig geht diesen Weg bereits, berät Mittelständler über Zuschussprogramme.

Cornelia Grote-Bichoel von den Grünen und für den Verein Goslar mit Energie in Wolfenbüttel dabei sagte, dass es bei der Einsparung nicht nur auf die Industrie, sondern auch auf Handel und Dienstleister ankomme. Sie könnten viel einsparen, beispielsweise mit der Beleuchtung. Supermärkte könnten zudem viel mit ihren Kühlsystemen einsparen. „Das kann man schlauer machen. Man kann mit Solarthermie kühlen. Dafür braucht man keinen Strom mehr.“ Bei der Kühlung mit Solarthermie werden durch die solare Wärme sogenannte Adsorptionskältemaschinen betrieben. Damit soll sich die Kälte sparsamer bereitstellen lassen als mit herkömmlicher Technik.

NATIONALE KLIMAZIELE

Das Ziel der Staatengemeinschaft, festgehalten im Kyoto-Protokoll, ist es, die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Die Bundesregierung will vor diesem Hintergrund die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 verringern. Das entspricht einer Minderung von rund 1250 Megatonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 1990 auf einen Zielwert von höchstens 750 Megatonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 2020. Das CO2-Äquivalent gibt an, wie viel eine festgelegte Masse eines Treibhausgases zur globalen Erwärmung beiträgt. Bis 2050 sollen die Emissionen um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden.

Gottfried Römer vom Energie-Forschungszentrum Niedersachsen betonte die Bedeutung der Kommunen: „Die CO2-Ziele können wir nicht erreichen, wenn die Kommunen nicht mitmachen.“ Viele Städte und Gemeinden scheuten Investitionen. Dabei stünden viele Fördermittel zur Verfügung – würden allerdings nur spärlich abgerufen. „Viele verwalten lieber den Mangel, als Neuland zu betreten.“

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