Mehr Zuversicht als Zweifel beim Weltwirtschaftsforum 2014

Davos  Das Finale wurde zur Stunde der Optimisten: Der Euro sei endgültig außer Lebensgefahr, die Erholung komme in Gang, hieß es zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums. Doch Risiken bleiben bestehen.

EU-Kommissar Rehn sieht den Euro nicht mehr in seiner Existenz bedroht.

Foto: Andy Rain/Archiv

EU-Kommissar Rehn sieht den Euro nicht mehr in seiner Existenz bedroht. Foto: Andy Rain/Archiv

Banker und Finanzpolitiker erwarten in diesem Jahr in Europa eine deutliche Konjunkturerholung. Die existenzielle Bedrohung des Euro sei abgewendet und der Prozess der Erholung habe begonnen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Samstag in einer der Debatten zum Finale des diesjährigen Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, bekräftigte die Entschlossenheit, «sämtliche vertraglich erlaubten Mittel» zum Schutz des Euro einzusetzen. Alle Augen sind nun auf die Banken-Stresstests gerichtet, denen sich in diesem Jahr 132 Finanzinstitute unterziehen müssen. «Ich hoffe, dass es dabei auch schlechte Nachrichten geben wird», sagte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. Nur dann könne man sicher sein, dass die Überprüfung der Krisenfestigkeit europäischer Banken auch wirklich tiefgreifend und zuverlässig sei. Es gelte, sämtliche versteckten Risiken aufzudecken. Die Stresstests müssten deshalb unnachgiebig durchgeführt werden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, Banken müssten notfalls auch untergehen können, wenn sie die Stresstests nicht bestünden. «Als Finanzminister sollte man aber nicht darüber spekulieren», fügte er hinzu. Die wirtschaftliche Erholung Europas hänge allerdings nicht allein vom Bankensektor ab. «Wir müssen die Probleme durch finanzielle Disziplin bei gleichzeitigen Strukturreformen lösen.» Die Schaffung der europäischen Bankenunion sei der richtige Weg.

Auf weiter bestehende Risiken wies Christine Lagarde hin, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die anhaltend niedrige Inflation in der Eurozone berge die Gefahr einer Deflation - also eines Teufelskreis aus verfallenden Preisen für Waren und Dienstleistungen und dadurch verursachtem Schrumpfen der Wirtschaft.

EZB-Chef Draghi erwiderte, die geringe Inflation sei maßgeblich durch das Sinken der Erdölpreise zu erklären. Zudem seien Phasen niedriger Inflation auch früher nach größeren Finanzkrisen beobachtet worden. Die Inflationsrate im Euro-Raum werde zwar noch längere Zeit sehr gering bleiben, dann aber auf etwa zwei Prozent anwachsen.

Insgesamt überwog beim WEF 2014 eindeutig der Optimismus. Jedoch waren in den Debatten der auch warnende Stimmen zu vernehmen. Ungeachtet guter Wachstumsprognosen der Weltbank und des IWF habe Europa die Folgen der Finanzkrise von 2008 keineswegs überwunden, sagte zum Auftakt der Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS, der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber. Das Wachstum in Europa sei mit lediglich einem Prozent zu kraftlos, um dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen. Europas Politiker dürften sich nicht zurücklehnen, sondern müssten Strukturreformen energisch vorantreiben.

Die WEF-Jahrestagung stand unter dem Motto «Die Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft». An dem Treffen beteiligten sich mehr als 2500 Politiker, Manager und Wissenschaftler. Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs reisten zum WEF nach Davos. (dpa)

WEF-Jahrestagung 2014

Andy Rain

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