Ein Fenster zum Herzen

Braunschweig  Die IHK Braunschweig zeichnete einen Wissenschaftler und zwei Unternehmer aus Braunschweig mit dem Technologietransferpreis aus.

Meinhard Schilling (Zweiter von rechts), Henning Böge (hinten, von links) und Martin Oehler haben den Technologietransferpreis gewonnen.

Meinhard Schilling (Zweiter von rechts), Henning Böge (hinten, von links) und Martin Oehler haben den Technologietransferpreis gewonnen.

Foto: Flentje

Zehn Jahre hat es von der Idee zur Marktreife gedauert. Im Herbst sind nun die ersten kompakten, sogenannten kapazitiven EKG-Geräte verkauft worden. Für diese Transferleistung – von der Wissenschaft in die Wirtschaft – sind gestern Meinhard Schilling, Professor am Institut für Elektrische Messtechnik und Grundlagen der Elektrotechnik der TU Braunschweig, sowie die Geschäftsführer und Gründer des Braunschweiger Unternehmens Capical, Martin Oehler und Henning Böge, ausgezeichnet worden. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig wurde in diesem Jahr bereits zum 29. Mal verliehen.

„Es war eine spannende Jurysitzung. So lange haben wir noch nie diskutiert“, sagte Werner Gramm, Vorsitzender der Jury. Die Entscheidung fiel dann aber einstimmig. Die Preisträger haben ein Produkt mit Zukunftschancen entwickelt. Der Markt für EKG-Geräte ist groß. Böge sagte: „In Europa wird er auf 500 Millionen Euro geschätzt.“ Böge und Oehler vertreiben das neue EKG-Gerät mit Namen „C-One“ über ihre 2010 gegründete Firma Capical mit Sitz in Braunschweig. Im Fokus haben sie zunächst Kliniken. Rund 10 000 Euro kostet ein solches Gerät. Es soll aber auch eine günstigere Version für Hausärzte entwickelt werden.

Helmut Streiff, erster Stellvertreter des IHK-Präsidenten, sagte gestern: „Ich bin sicher, dass das, was wir hier auszeichnen, Erfolg haben wird.“ Das zeigt sich bei dem Unternehmen schon jetzt. Es hat nicht nur in Deutschland Geschäftskontakte, sondern auch in der Schweiz, in der Türkei, in Österreich und in Saudi-Arabien.

Der Vorteil des „C-One“zu herkömmlichen EKG-Geräten: Die Elektroden müssen nicht mehr einzeln angelegt werden, daher können Fehldiagnosen verringert werden. 29 Elektroden sind fest platziert und übermitteln drahtlos an einen Computer die Patienten-Daten, die auf einem Monitor sichtbar werden. „Das ist das Fenster zum Herz“, sagte Schilling. Mehr als doppelt so viele Informationen über die Herzaktivitäten wie ein herkömmliches EKG soll es liefern und sogar durch die Kleidung hindurch funktionieren.

Gabriele Heinen-Kljajic, niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, die gestern die Festansprache hielt, sagte: „Die Preisträger haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass durch die Verbindung von Forschung, Praxisorientierung und unternehmerischem Mut großartige Produkte entstehen, die die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in unserem Land vorantreiben.“

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