Nutzer des E-Calls sollen abschalten können

Wolfsburg  Verbraucherschützer warnen vor der Daten-Gier der neuen Notrufsysteme und fordern strenge Regeln, damit Daten der Verbraucher nicht an Dritte gelangen

Ab April 2018 wird das Notruf-System in neuen Fahrzeugmodellen in Europa Pflicht.

Foto: Screenshot

Ab April 2018 wird das Notruf-System in neuen Fahrzeugmodellen in Europa Pflicht. Foto: Screenshot

Datenschützer denken beim E-Call nicht nur Sicherheit. Sie machen sich Sorgen, was mit den gesammelten Verbraucherdaten passiert. Ein Sprecher der Datenschutzbeauftragten für Niedersachsen prangert an, dass der Fahrer beim E-Call nicht die Möglichkeit hat, das System abzuschalten. Dagegen seien die Vorkehrungen zur Datensicherheit ausreichend.

Das liegt vor allem daran, dass nur eine kleine Anzahl an Information gesendet und die Aktivierung des Dienstes nur bei einem Unfall auslöst. Die Datenschützer fordern, dass es durch den E-Call nicht möglich sein soll, ein genaues Bewegungsprofil des Wagens und damit des Fahrers zu erstellen, wie es bei Handys möglich ist. Es sei wichtig, dass keine personenbezogenen Daten unbefugt weitergegeben und dafür genügend Sicherheitsmechanismen geschaffen werden.

Auch der ADAC fordert, das Positionsdaten nur im Notfall gesendet und dann nur für die Rettung genutzt werden dürfen. Der Automobilclub wünscht sich zudem, dass der Fahrzeugbesitzer selbst wählen kann, wer den Notruf entgegennimmt.

Der Nutzer soll den Anbieter bei Bedarf wechseln können, sagt Alexandra Kruse vom ADAC Niedersachsen: „Einige Hersteller haben eigene Hotlines, bei denen die Notrufe dann eingehen. Es muss aber möglich sein, die Notrufnummer als direkten Ansprechpartner wählen zu können oder ein anderes Unternehmen zu beauftragen – nicht nur den vom Hersteller vorgegebenen Dienst.“

Marion Jungbluth, Teamleiterin im Fachgebiet Mobilität beim Bundesverband der Verbraucherzentrale, sieht die Gefahr, dass Autohersteller und Versicherungen durch die neuen Systeme einen einfachen, neuen Weg zum Kunden gefunden haben: „Es ist nicht transparent dargestellt, welche Verbraucherdaten an die Hersteller gegeben werden. Wir fordern, dass die Systeme auf Wunsch des Kunden, abgesehen von der direkten Verbindung zur Notrufzentrale, abgeschaltet werden können.“ Vor allem Versicherungen könnten an der Auswertung der Fahrerdaten durch den E-Call interessiert sein, sagt Jungbluth. Außerdem sei es wichtig, neben der Notruf-Taste eine Pannenruf-Taste einzubauen, um eine unnötige Blockierung der Notrufnummern zu vermeiden.

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