Braunschweiger im Rennen um den Deutschen Computerspielepreis

Braunschweig  Zwei Braunschweiger haben das Spiel „Imagine Earth“ entwickelt. Der Deutsche Computerspielepreis hat es für den Award „Best Game Design“ nominiert.

Das Strategiespiel findet auf einem ganzen Planeten statt. Der Spieler muss den globalen Kollaps trotz des Zwangs zum stetigen Wachstum verhindern.

Das Strategiespiel findet auf einem ganzen Planeten statt. Der Spieler muss den globalen Kollaps trotz des Zwangs zum stetigen Wachstum verhindern.

Foto: Serious Brothers Studio

Das Strategiespiel „Imagine Earth“ zeigt dem Computerspieler die Grenzen des hemmungslosen Wachstums der Zivilisation. Wenn der Spieler voll auf fossile Energie setzt, schmelzen durch die Erderwärmung seine Polkappen. In der Folge versinken seine Küstenstädte wegen des steigenden Meeresspiegel. Atomkraft wäre ein anderer Weg, doch der Spieler braucht dann eine Lösung für den Atommüll.

„Geblieben ist über die ganze Zeit unser persönlicher idealer Anspruch hinter unserem Umweltspiel.“
Jens Isensee, Spieleentwickler über sein Computerspiel „Imagine Earth“

Jens Isensee und Martin Wahnschaffe haben mit „Imagine Earth“ ein komplexes Umweltspiel entwickelt. Die beiden Braunschweiger sind für den deutschen Computerspielepreis nominiert, in der Kategorie „Best Game Design“. 30 000 Euro Preisgeld gibt es für den Sieger. Außerdem sind sie im Rennen um den Publikumspreis, über den Nutzer noch bis morgen im Internet abstimmen können. Die Preisverleihung findet am Dienstag in Berlin statt, moderiert von Tagesschausprecherin Judith Rakers.

Ihre Weltsimulation „Imagine Earth“ ähnelt von der Spielweise dem bekannten Strategie-Klassiker „SimCity“. Doch mit einem entscheidenden Unterschied: „Im Gegensatz zu ‚SimCity‘ haben wir einen globalen Blick auf die Themen Wachstum und Nachhaltigkeit, eine makro-ökonomische Perspektive“, erklärt Jens Isensee. Wie verhindert der Spieler den globalen Kollaps trotz des Zwangs zum stetigen Wachstum seiner Gesellschaft? Das ist die Frage hinter dem Spiel.

Isensee und Wahnschaffe haben „Imagine Earth“ vor sieben Jahren als Studentenprojekt begonnen. Der 33-jährige Isensee studierte damals Freie Kunst und Kommunikationsdesign an der HBK Braunschweig, der zwei Jahre jüngere Wahnschaffe absolvierte ein Informatikstudium an der TU Braunschweig.

Dementsprechend teilen sie ihre Arbeitsgebiete auf. Während das Design und die Story in der Hand von Jens Isensee liegen, programmiert Martin Wahnschaffe die Architektur hinter dem Spiel. Das Spiel haben sie mit den Jahren stetig weiterentwickelt. Erst im vergangenen Jahr haben sie ein Unternehmen gegründet, um als kleine, unabhängige Spieleschmiede die Entwicklung voranzutreiben. „Geblieben ist über die ganze Zeit unser persönlicher idealer Anspruch hinter unserem Umweltspiel, ohne den wir vermutlich gar nicht so lange drangeblieben wären“, blickt Jens Isensee zurück.

Vor dem globalen Hintergrund von „Imagine Earth“ muss der Spieler auch gegen durch künstliche Intelligenz gesteuerte Gegner antreten. „Das sind auch unsere realen Probleme: Das eine Land versucht durch Umweltschutz den Klimawandel zu verhindern, während der Nachbar für Wachstum alles aus den Schornsteinen ballert“, sagt Martin Isensee.

Eine weitere Besonderheit sieht er in der Gestaltung der Spielewelt. Während oft Strategiespiele nur auf einer viereckigen Landkarte gespielt werden, findet „Imagine Earth“ auf einem Globus als Spielfeld statt. „Ein abgeschlossenes Ökosystem, in dem sich der Spieler bewegt und mit den Konsequenzen seines Handelns weltweit konfrontiert wird.“

Auf fremde Finanzierung waren die beiden während der Entwicklung des Spiels nicht angewiesen. Während des Studiums haben sie das Projekt nebenbei betrieben – ohne großen finanziellen Aufwand. Eine Förderung der Gesellschaft „Nordmedia“ haben sie sogar ausgeschlagen, wegen des bürokratischen Aufwands, der hinter einer Stiftungsförderung steckt.

Seitdem sie sich 2014 selbstständig gemacht haben, leben sie von dem Verkauf des Spiels – und das, obwohl das Spiel im Grunde erst in diesem Monat fertiggestellt wird. Die Demo ihres Spiels gewann 2012 den „Intel Level Up Award“. Die Auszeichnung ermöglichte ihnen das Spiel über das amerikanische Spieleportal „Steam“ anzubieten, als sogenanntes Early-Access-Spiel, bei dem sich die Spieler noch bei der Entwicklung einbringen können. Trotzdem zahlen die Spieler bereits den Verkaufspreis des Spiels.

Eine Bedingung des deutschen Computerspielepreises ist aber, dass die Nominierten ihre Entwicklung abgeschlossen haben. Dementsprechend planen auch Isensee und Wahnschaffe bis Ende April, die finale Version ihres Spiels herauszubringen.

COMPUTERSPIELEPREIS

Die Abstimmung zu dem Publikumspreis läuft noch bis zum morgigen Sonntag im Internet unter:

dcp-voting.gamezone.de

Die Preisverleihung des Deutschen Computerspielepreises findet am Dienstag in Berlin statt. Unter 320 eingereichten Computerspielen werden 12 Awards vergeben.

„Image Earth“ gibt es als kostenlose Demoversion oder als Vollversion für

22,99 Euro im Internet:

www.imagineearth.info

Damit ist das Kapitel für die „Serious Brothers“, wie ihre Spieleschmiede heißt, noch nicht abgeschlossen. Danach planen sie, verrät Jens Isensee bereits, das Spiel auch auf andere Systeme zu übertragen. Bisher gibt es „Imagine Earth“ nur für Windows. Die zwei Entwickler möchten das Spiel auch für Tablets auf Android und iOS umsetzen. „Da planen wir durchaus zwei weitere Jahre für ein“, sagt Jens Isensee, „und danach haben wir noch andere Spieleideen in der Schublade.“

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